Für Stromausfälle sollte man unter anderem einen Grundstock an Licht- und Essensreserven zu Hause haben.

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Die Unwetter der letzten Tage haben zu massiven Strom- und Handynetzausfällen geführt. Menschen fanden sich im Dunkeln wieder und hatten keine Möglichkeit, Hilfe zu rufen. Besonders stark betroffen war zwar vor allem die Bevölkerung in Deutschland, Belgien und den Niederlanden – doch auch hierzulande geht man davon aus, dass diese Situation angesichts der fortschreitenden Klimakrise künftig öfter eintreten wird.

Kein vollständiger Schutz

Denn auch in Österreich können Unwetter trotz einer modernen Infrastruktur noch immer massiven Schaden anrichten. Oft sind ländliche Gebiete betroffen, doch in den letzten Tagen war auch Wien von Stromausfällen betroffen, welche die Feuerwehr zu mehr als 1.000 Einsätzen zwangen. Doch was tun in solch einem Fall, wenn das Licht auf einmal ausgeht oder man am Handy keine Hilfe rufen kann, weil das Netz versagt?

Die Ausfall- und Störungsstatistik der E-Control aus dem Jahr 2020 zeigt, dass die "kundenbezogene Nichtverfügbarkeit" von Strom abseits von "regional außergewöhnlichen Ereignissen" im Jahr 2019 bei 39,10 Minuten lag. Laut Bericht sind aber genau diese "regional außergewöhnlichen Ereignisse" jene Ursache, die mit jedem Jahr für ein Mehr an Ausfallzeiten sorgt – seien es Schneefälle im Winter oder auch Niederschläge in den Sommermonaten.

Für Stromausfälle empfehlen sowohl das Rote Kreuz als auch die Krisenvorsorge, den Ernstfall zu proben. Dazu soll man einen Tag lang den Strom abschalten, um schnell zu merken, was im Haushalt fehlt. So ist eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien ebenso empfohlen wie ein Vorrat an nicht kühlpflichtigen und lang haltbaren Lebensmitteln. Im Winter lohnen sich zusätzliche Decken oder Schlafsäcke, Bargeld und ein Batterieradio sollten ebenfalls vorhanden sein. Auch Tankstellen sind von Stromausfällen betroffen, weshalb ein Reservekanister immer mitgeführt werden sollte.

Kein Netz

Auch der Ausfall von Handynetzen war zuletzt ein großes Problem für die Betroffenen in Überschwemmungsgebieten. Das liegt daran, dass Handymasten drei verwundbare Punkte haben. Zunächst einmal müssen sie mit Strom versorgt werden. Im Falle eines Stromausfalls ist laut Jochen Ohnewas-Schützenauer von A1 jeder Mast mit einem Notstromaggregat ausgerüstet. "Masten für eine große Menschenanzahl haben Strom für etwa zwei bis drei Tage gespeichert. Kleinere Masten halten etwa zwei bis drei Stunden ohne Strom durch."

Weiters müssen die Masten via Glasfaser- oder Kupferkabel eine Verbindung zum Mobilnetz haben. Bei Murenabgängen etwa kann diese Verbindung unterbrochen werden. Servicetechniker müssen dann an die Unfallstelle, um den Schaden zu beheben. Ist der Standort nicht erreichbar, kann es zu einem längeren Ausfall kommen.

Ganz vermeiden kann man solche Ausfälle auch in Zukunft nicht, erklärt Ohnewas-Schützenauer. Womit wir beim dritten Schwachpunkt wären: potenziellen mechanischen Schäden. "Im schlimmsten Fall wird der ganze Sender umgerissen oder mechanisch zumindest beschädigt. Es gibt Notfallcontainer mit installierter Senderanlage, die vom Bundesheer via Helikopter eingeflogen werden können. Diese werden aber nur Einsatzkräften zur Verfügung gestellt, damit diese in Krisengebieten miteinander kommunizieren können", sagt Ohnewas-Schützenauer.

Sender vollständig gegen jedes Unwetter präventiv zu schützen wäre zu teuer. Für Events wie das Donauinselfest gibt es neuerdings die sogenannten 5G-Trucks, die vor Ort für ein zusätzliche Netzabdeckung sorgen. Diese Trucks künftig auch in Notsituationen einzusetzen könnte man sich überlegen, sofern das Unfallgebiet nicht vom Straßenverkehr abgeschnitten wurde.

Präventionsmaßnahmen

Wenn das Netz nicht mehr funktioniert, kann man in tatsächlichen Notsituationen versuchen, den Euronotruf 112 zu erreichen. Dieser funktioniert auch ohne SIM-Karte, ist gratis und versucht sich in das verfügbarste Netz einzuwählen. Missbrauch sollte mit dem Notruf in jedem Fall nicht betrieben werden. (aam, 19.7.2021)