Liverpool galt als Welterbe, weil die Stadt im 18. und 19. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt war.

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Fuzhou/Wien/Liverpool – Die Unesco hat Liverpool als maritime Handelsstadt die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) traf die Entscheidung am Mittwoch auf seiner laufenden 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou. Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte der Welterbekonvention von 1972, dass einer Kultur- oder Naturstätte der angesehene Titel entzogen worden ist.

Das Komitee sieht den universellen Wert der Hafenstadt durch zahlreiche Bauprojekte beschädigt. Sechs Orte im historischen Zentrum und dem Hafengebiet Liverpools waren seit 2004 auf der Welterbeliste eingetragen. Sie zeugen von der Entwicklung der Stadt als eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt im 18. und 19. Jahrhundert. Liverpool war wegweisend in der Entwicklung moderner Docktechnik, Transportsysteme und des Hafenmanagements. Die Stadt spielte eine große Rolle bei der Entwicklung des britischen Weltreichs.

"Charakter verloren"

Doch war der Welterbestatus seit 2012 "wegen substanzieller Eingriffe" im Rahmen des Bauprojekts "Liverpool Waters" gefährdet. Am Ende führte Liverpools Verzicht auf Änderungen an der Planung und neue Infrastrukturprojekte im historischen Hafengebiet sowie der bereits genehmigte Bau eines Fußballstadions am Bramley-Moore-Dock zur Aberkennung des Titels, wie die UN-Organisation mitteilte. In einem Unesco-Dokument hießt es, Liverpool habe längst seinen Charakter verloren, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe.

Entgegen ersten Erwartungen wurde dem Wildreservat Selous in Tansania, in dem ein Damm gebaut werden soll, nicht der Status als Welterbe entzogen. Allerdings bleibt es auf der Liste bedrohter Stätten. Zuletzt hatte 2009 das Dresdner Elbtal in Deutschland wegen der Errichtung der Waldschlösschenbrücke den Titel als Welterbe verloren. Die erste Streichung gab es 2007 für Oman wegen der Verkleinerung des Wildschutzgebiets für die seltenen Arabischen Oryx-Antilopen.

Nationalpark Salonga nicht mehr gefährdet

Das Welterbekomitee beschloss auch, den Nationalpark Salonga in der Demokratischen Republik Kongo aus der Liste der gefährdeten Stätten zu nehmen, weil er "dank erfolgreicher Schutzmaßnahmen" nicht mehr als bedroht gilt. Salonga ist das größte Schutzgebiet tropischen Regenwalds in Afrika und Lebensraum vieler bedrohter Arten. Bonobos und Waldelefanten kommen hier ebenso vor wie der Kongo-Pfau.

Salonga war unter anderem wegen Wilderei und Ölförderplänen seit 1999 auf der Roten Liste. Die Demokratische Republik Kongo hat aber zugesichert, künftig kein Erdöl auf dem Gebiet zu fördern. Zugleich fordert das Unesco-Komitee, die Bemühungen zur Bekämpfung der Wilderei fortzusetzen, eine bessere Überwachung sicherzustellen und die lokale Bevölkerung stärker in das Management einzubeziehen.

1.120 Welterbestätten

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen aktuell 1.120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Auf der Tagung sind unter den rund 40 Nominierungen für neue Welterbestätten auch zwei mit österreichischer Beteiligung. Am Samstag dürften die großen europäischen Kurorte den Ehrentitel erhalten, darunter auch Baden bei Wien. Und am Sonntag geht es um die römischen Grenzwälle Donaulimes und Niedergermanischer Limes. (APA, 21.7.2021)