Jeff Bezos mit der Pilotenbrille der Luftfahrtpionierin Amelia Earhart.

Foto: Reuters/Joe Skipper

Die Ära des privaten Weltraumflugs hat begonnen. Zumindest wenn man in den Zirkeln der Superreichen verkehrt, wie Investor Richard Branson und Amazon-Gründer Jeff Bezos, die sich im Abstand weniger Tage von ihren eigenen Raumfahrtunternehmen einen Kurztrip aus den Niederungen der Erdatmosphäre gönnten.

Eigentlich wollte Bezos der erste Milliardär im All sein, ehe ihm Branson kurzfristig zuvor kam. Beide Flüge verliefen jedenfalls erfolgreich. Die Rakete von Virgin Galactic erreichte eine Höhe von etwa 86 Kilometern. Bezos’ Transportmittel von Blue Origin entfernte sich gar 106 Kilometer von der Erdoberfläche. "Ihr habt dafür bezahlt", richtete er später explizit auch den Kunden und Mitarbeitern von Amazon aus. Im Vorfeld war auch in einer Scherzaktion dafür petitioniert worden, Bezos nicht mehr zurück auf die Erde zu lassen.

Wo beginnt überhaupt der Weltraum?

Der Hype um die beiden Flüge führte dazu, dass Branson und Bezos nun immer wieder auch als "Astronauten" bezeichnet werden. Doch tatsächlich dürfte sich keiner der beiden für diese Tätigkeitsbezeichnung qualifizieren, wenn man einen Blick in die Regelwerke der Luftfahrtbehörden wirft.

Der Flug von Richard Branson ins (FAA-)Weltall.
Virgin Galactic

Strittig wird es da schon bei der Definition des Weltraums. Geht man nach der US-Luftfahrtbehörde FAA, so beginnt der Weltraum in einer Höhe von 50 Meilen oder rund 80 Kilometer, wo circa die Grenze zwischen Mesosphäre und Thermosphäre beginnt. Die internationale Luftfahrtbehörde, FAI, legt die Messlatte Buchstäblich höher. Sie erklärt die sogenannte "Kármán-Linie" zum Übergangspunkt zwischen Luft- und Raumfahrt, eine Absenkung auf 80 Kilometer wird seit 2018 diskutiert, ist aber bislang noch nicht erfolgt. Legt man die aktuelle Festlegung als Maßstab an, so war nur Jeff Bezos tatsächlich im All.

"Beitrag zur Sicherheit" und "aktive Rolle"

Die Flughöhe ist aber nur ein Kriterium für die Einstufung, ob man sich als Astronaut betätigt hat. Die FAA verlangt etwa über ihr neues "Commercial Astronaut Wings"-Programm noch mehr. Laut den dortigen Vorgaben müssen Astronauten auch bei "Aktivitäten während des Fluges" nachweislich einen "essentiellen" Beitrag zur "öffentlichen Sicherheit oder der Sicherheit des menschlichen Raumflugs" leisten.

Der Raumflug von Jeff Bezos.
Blue Origin

Branson und Bezos hatten zwar sichtlich Freude an ihren Ausflügen, blieben aber ausschließlich in der Passagier-Rolle. Die Pins an ihren Raumanzügen waren selbst angefertigt und keine offiziellen Auszeichnungen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings. Die FAA lässt die Option einer Ernennung zum Ehren-Astronauten offen.

Die FAI wiederum hält die Definition weniger konkret, sie sieht in ihrem Sporting-Code (PDF, Seite 6) nur vor, dass der Astronaut Teil der Crew oder wissenschaftlichen Personals an Bord des Raumfahrtzeugs sein und eine "aktive Rolle im Zuge der Mission während des Fluges" (Punkt 2.14) spielen muss. Hier ließe sich mit mindestens einem zugedrückten Auge eventuell argumentieren, dass Bezos nicht nur die Kármán-Linie überflogen, sondern auch seine "Rolle" als Passagier erfüllt hat. (gpi, 24.7.2021)