Uneinigkeit herrschte bei der Unesco am Tagungsort Fuzhou (Bild).

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Fuzhou – Gehört der Donaulimes, also auch jener Teil der römischen Militärgrenze entlang der Donau in Österreich, zum Weltkulturerbe der Unesco? Die UN-Kulturorganisation macht sich die Entscheidung nicht leicht – denn der Fall hat seit dem Ausstieg Ungarns aus dem gemeinsamen Antrag auch eine politische Dimension. Eigentlich hätte eine Entscheidung bereits am Wochenende fallen sollen. Nun aber wurde sie erneut vertagt.

Nachdem das zuständige UN-Komitee bei seiner 44. Sitzung das Votum bereits einmal – von Sonntag auf Montag – verschoben hatte, erfolgte nun auf Antrag von Gastgeber China die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die eine Entscheidung über den gemeinsamen Antrag von Österreich, Deutschland, der Slowakei und einst Ungarn vorbereiten soll.

Entscheidung eventuell am Dienstag

Das endgültige Votum könnte nach jetzigem Stand eventuell schon am Dienstag fallen. Zuvor war in langen Diskussionen von einem "beispiellosen Fall" die Rede, nachdem Ungarn kurzfristig aus dem gemeinsamen Antrag ausgestiegen war.

Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) wies in der Debatte darauf hin, dass ohne Ungarn rund 400 Kilometer und damit mehr als die Hälfte der Grenze aus dem Antrag herausgenommen worden seien. Es liege damit keine gültige Bewertung des Projektes vor, ob es sich um eine Stätte von "herausragendem universellen Wert" handle, was die Grundlage für eine Einstufung als Weltkulturerbe wäre. Vertreter Österreichs verteidigten vor der Unesco den Antrag, auch ohne die Teile in Ungarn sei der Donaulimes Welterbe-würdig.

Ärger mit Budapest

Unter den Mitgliedsländern herrschte Uneinigkeit, ob die übrigen Teile des Donaulimes dennoch ohne weitere Evaluierung in die Welterbeliste aufgenommen werden sollten. Pekings Diplomatinnen und Diplomaten unterbreiteten schließlich den Vorschlag, eine Arbeitsgruppe einzurichten. Schon vor zwei Jahren hatte ein ähnlich überraschendes Manöver zu einem Aufschub der Entscheidung geführt. So hatte Ungarn damals kurz vor der Sitzung einen Teil des Donaulimes im Bereich der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum im Norden von Budapest aus der Nominierung herausgenommen.

Der Limes erstreckte sich von Großbritannien über Mittel- und Osteuropa und den Nahen Osten bis nach Nordafrika. Die Unesco strebt die vollständige transnationale Einschreibung der 6.000 Kilometer langen "Grenzen des Römischen Reiches" an. Die Befestigungsanlagen entlang der Donau bilden nach dem bereits ausgezeichneten Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien (1987/2008) sowie dem Obergermanisch-Raetischen Limes in Deutschland (2005) den dritten Teilabschnitt dieses Großprojekts.

Bereits am Samstag wurde Baden bei Wien im Verbund mit zehn anderen europäischen historischen Kurorten wie Spa oder Baden-Baden mit dem Prädikat des Welterbes von der Unesco ausgezeichnet. (red, Reuters, 27.7.2021)