Tennisspielerin Naomi Osaka in der dreiteiligen dreiteiligen Minidokuserie auf Netflix.

Foto: AP, Netflix

Für Naomi Osaka sind die Olympischen Sommerspiele schon wieder vorbei. In der dritten Runde verlor der japanische Tennisstar gegen die Tschechin Markéta Vondroušová glatt in zwei Sätzen.

Der Druck auf die 23-Jährige war enorm. Im Frühjahr hatte sich Osaka nach einem Eklat bei den French Open vom Welttennis zurückgezogen. Ihre aufsehenerregende Entscheidung begründete sie mit Depressionen. In Tokio hätte das umjubelt Comeback stattfinden können. Osaka durfte das olympische Feuer entzünden. Alle Zeichen waren auf Sieg ausgerichtet.

Was es für einen jungen Menschen heißt, im überhitzten Sportzirkus an der Spitze zu stehen, ist derzeit in einer dreiteiligen Minidokuserie auf Netflix zu sehen. Die Regisseurin Garrett Bradley zeichnet darin zwei Jahre im Leben Osakas zwischen Beruf und Privatleben nach. Wir sehen Osaka beim Training, bei Turnieren, auf dem Massagetisch, bei Modeshootings, im Kreise von Familie und Freunden. Mit politischen Statements zu Black Lives Matter macht sie klar, wofür sie steht. Schwerer zu beantworten ist für sie die Frage nach dem Selbst: "Was bin ich, wenn ich keine gute Tennisspielerin bin?" An der Frage wird sie zu kiefeln haben.

Die Doku versucht, die Persönlichkeit Osakas in ihrer Komplexität einzufangen, was nur teilweise gelingt. Zu groß ist das Interesse an den Emotionen der Privatperson Osaka. Was die Stärke einer Spitzensportlerin – auch und vor allem mental – ausmacht, bleibt weitgehend ausgespart. Der Weg an die Spitze funktioniert nur über ein professionelles System. Davon hätte man gern mehr gesehen. (Doris Priesching, 28.7.2021)