Das Unternehmen steht wegen seiner Geschäftspraktiken in Kritik.

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Das mit Spannung erwartete Börsendebüt von Robinhood fällt enttäuschend aus. Die Aktien des Anbieters einer bei jungen Kleinanlegern beliebten Trading-App fielen am Donnerstag an der US-Technologiebörse Nasdaq auf bis zu 33,35 Dollar und lagen rund zwölf Prozent unter ihrem Ausgabepreis. Damit wird das Unternehmen dennoch mit insgesamt rund 28 Milliarden Dollar bewertet, etwa so hoch wie die Deutsche Börse.

Bei dieser Marktkapitalisierung gebe es mehr Skeptiker als Fans der Aktie, sagte Analyst Jeff Zell vom Anlageberater IPO Boutique. "Das Unternehmen hat noch einiges zu beweisen." Das Positive an diesem schwachen Börsendebüt sei, dass die Erwartungen an die kommenden Quartalsergebnisse sinken.

Robinhood-Papiere waren zu je 38 Dollar und damit am unteren Ende der bis 42 Dollar reichenden Angebotsspanne zugeteilt worden. Das Emissionsvolumen lag bei 2,1 Milliarden Dollar.

Höhenflug mit Hindernissen

Robinhood wurde im Rahmen der Kurskapriolen beim US-Videospielehändler GameStop Anfang des Jahres bekannt. Viele Kleinanleger hatten die App für ihre Spekulationsgeschäfte genutzt. Das Unternehmen geht davon aus, dass zwischen 2016 und 2021 in den USA fast die Hälfte aller neuen Wertpapier-Konten bei Robinhood eröffnet wurden. Das durchschnittliche Alter der Kunden liege bei 31 Jahren.

Allerdings steht Robinhood wegen seiner Geschäftspraktiken in der Kritik. Die App wirbt mit provisionsfreiem Handel. Das bedeutet, dass Nutzer für ihre Spekulationsgeschäfte keine Gebühren zahlen müssen. Geld macht die Firma stattdessen mit PFOF. Bei diesem "Payment for Order Flow" leitet Robinhood die Kundenaufträge nicht direkt an die Börse weiter, sondern an große Brokerhäuser, die diese Geschäfte auf ihren eigenen Handelsplattformen abwickeln und Robinhood dafür Provisionen zahlen.

"Robinhood ist wohl eines der heißesten Eisen an der Börse, an dem sich Anleger die Finger verbrennen könnten", warnte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. "Ein eventuell nicht nachhaltiges Geschäftsmodell mit hochvolatilen Umsatzströmen steht einem riesigen Kundenstamm mit der Fantasie für neue Geschäftsfelder gegenüber." (Reuters, 30.7.2021)