Medienmanager Harald Thoma hat sich um die ORF-Führung beworben – und sieht sich fachlich "in der Pole-Position".

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Das Bewerbungskonzept von Harald Thoma als PDF.

Wien – Bis Dienstag, 12 Uhr mittags, können Stiftungsräte des ORF noch Kandidaten für die Generalswahl nachnominieren. Um die Führung von Österreichs weitaus größtem Medienkonzern hat sich bisher nur ein Medienmanager von außen und mit internationaler Erfahrung beworben: Harald Thoma.

Im Gespräch mit dem STANDARD erklärt der CEO einer Privatsendervermarktung in Deutschland seine Vorstellungen für den ORF. Zum Beispiel, wie er über die nächsten fünf Jahre die GIS-Gebühren senken will.

"Gewächse aus dem Haus"

Warum hat sich Thoma um den ORF-Generalsposten beworben – während viele der als aussichtsreich gehandelten Bewerber aus dem ORF kommen? "Das sind praktisch alles Gewächse aus dem Haus, die jetzt Verbesserungsvorschläge bringen. Wenn man jahrelang im Haus ist, hätte man diese Verbesserungen ja schon längst vornehmen können."

Und warum tritt Thoma von außen an? "Wenn es ums rein Fachliche geht, sehe ich mich in der Pole-Position. Es stellt sich die Frage, ob das Fachliche bei der ganzen Wahl im Mittelpunkt steht."

Die "Pole-Position" erklärt Thoma mit seinen Erfahrungen im Medienmanagement von Radio, Fernsehen und Online, auch international. Thoma hat für ABC Disney gearbeitet, für Universal Studios, war in Deutschland Programmdirektor der Sender 13th Street und Universal Studios, hat Absolutfilm aufgebaut und geleitet, ein Breitbandportal, und "zu einem positiven Exit für alle Gesellschafter geführt", berichtet er.

RTL-Gründer "entspannt"

Und irgendwie stecken ihm das Medienmachen, das Fernsehen und vielleicht auch die pointierten Ansagen dazu auch in den Genen: Sein Vater Helmut Thoma war ORF-Rechtschef, gründete danach in den 1980ern RTL Deutschland und führte den prototypischen deutschen Privatsender über Jahrzehnte – mit markigen Angriffen auf öffentlich-rechtliche Sender und ihre Gebührenfinanzierung.

Muss Harald Thoma mit seiner Enterbung rechnen, wenn er sich nun um die Führung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewirbt? "Nein, er sieht das ganz entspannt." Sein Vater stehe heute auch Privatsendern kritisch gegenüber, wenn an ständigen Einsparungen "die Programmqualität extrem leidet".

"Bewahrermentalität" bei GIS

GIS-Gebühren, die derzeit mit rund 645 Millionen Euro pro Jahr rund zwei Drittel des ORF-Budgets von einer Milliarde ausmachen, beschäftigen auch den ORF-Bewerber Thoma. In den Konzepten der Mitbewerber, soweit bekannt, und im ORF "fehlt mir völlig das unternehmerische Risiko, ein unternehmerisches Ziel".

"Bewahrermentalität" sieht er bei den anderen Kandidaten mit Blick auf die GIS-Gebühren. Abgeltung von Gebührenbefreiungen, wie sie etwa ORF-1-Managerin Lisa Totzauer in ihrer Bewerbung fordert, sieht Thoma als "Unding, dass der Staat da einspringen soll. Der österreichische Steuerzahler springt da im Quadrat vor Ärger." Auch eine geforderte automatische Inflationsanpassung der Gebühren sei "natürlich schön und bequem".

Thoma findet indes: "Unternehmerisches Ziel muss sein, dass die GIS-Gebühren in den nächsten fünf Jahren um zehn Prozent reduziert werden."

Kooperationen und Pensionen

Wie will er das erreichen? Er sei gegen Personalabbau. Doch 600 ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter gingen in den nächsten Jahren ohnehin in Pension – "man muss nicht alle Stellen nachbesetzen". Er sieht derzeit Parallelstrukturen und -abläufe, etwa in der ORF-Information, die mit dem neuen, 2022 zu beziehenden Newsroom effizienter werden könnten. Und Thoma sagt, er wolle Kooperationen ausbauen – mit regionalen Privatsendern in den Landesstudios, mit deutschen öffentlich-rechtlichen und auch mit US-Studios und -Plattformen – "die sind an lokalen Inhalten interessiert".

Thoma verweist auf Kooperationen der SRG mit kleinen privaten Regionalsendern in der Werbevermarktung. Dafür müsste das ORF-Gesetz geändert werden, das solche Vermarktungskooperationen mit Privaten untersagt.

Junge Zielgruppen gelte es vor allem mit Inhalten für mobile Nutzung anzusprechen und usergenerierte Inhalte zu forcieren. Da müssten "junge Mitarbeiter ran, um die Jugend in ihrer Sprache, auf ihren Plattformen anzusprechen. Da ist einiges drin." Nachsatz: "Ein Altenheim sollte keine Jugendplattform bauen." Auch für solche Angebote braucht es Gesetzesänderungen.

"ORF nicht alles verbieten"

"An der Stelle muss man arbeiten", sagt Thoma zum ORF-Gesetz, "das ist ein behutsamer politischer Prozess, man muss für Ausgleich mit der privatwirtschaftlichen Konkurrenz sorgen. Natürlich kann sich nicht der ORF alles schnappen – da geht die Privatwirtschaft auf die Barrikaden."

Aber: "Man kann dem ORF nicht alles verbieten, dann stirbt er an Überalterung." ARD und ZDF zeigten etwa mit ihrem Social-Angebot Funk "zumindest einen Ansatz". (fid, 2.8.2021)