Der Tanker Mercer Street, der angeblich von iranischen Drohnen attackiert worden sein soll.

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Die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation begleitet den israelisch-iranischen Schattenkrieg von Anfang an: Die Lage schaukelt sich auf, seit sich ein Strang der Auseinandersetzung auf die hohe See verlegt hat. Der Golf von Oman – wo zum zweiten Mal ein Angriff auf ein Schiff in israelischem Besitz dem Iran zugeschrieben wird – ist zudem ein besonders sensibler Ort, vor dem Eingang zur Straße von Hormuz gelegen. Ein iranisches Schiff wurde wiederum im April auf dem Roten Meer von einer Explosion heimgesucht. Die Schauplätze liegen aber auch im Iran selbst – schwere Sabotageakte in einer Reihe – und in Syrien: Militärschläge, die Israel im Gegensatz zu früher teilweise nicht mehr dementiert.

Nicht nur die Spannungen zwischen den Erzfeinden wachsen. Auch der Optimismus, der die Wiener Atomverhandlungen mit dem Iran bis zum Juni begleitet hat, hat sich in Luft aufgelöst. Israel war nie ein Freund des Atomdeals und sieht demgemäß die Versuche zu dessen Wiederbelebung mit großer Skepsis. Es zeichnet sich jedoch ab, dass wenn der Atomdeal der internationale Plan A war, bei dessen Zusammenbruch der Plan B Eskalation heißen könnte: Das iranische Interesse, sich irgendwelche Zügel anzulegen, schwindet.

Alles wartet nun gespannt auf den Amtsantritt von Ebrahim Raisi am Donnerstag. Er trifft zwar nicht die großen Entscheidungen, aber seine Präsidentschaft liefert sozusagen den Hintergrundton für die nächste Zeit. Und der wird nach dem Scheitern der Regierung Hassan Rohani aus Gründen, die nicht nur im Iran liegen, eher aggressiv sein. (Gudrun Harrer, 2.8.2021)