Laurel Hubbard, Gewichtheberin aus Neuseeland.

Foto: AP/Mark Schiefelbein

In der Ruhe liegt die Kraft. Laurel Hubbard muss man das nicht erklären. Die 43-Jährige spricht nicht oft mit Journalisten. Sie weiß, dass ohnehin andere zu viel über sie sprechen. Am Montag nahm sie als erste Transgender an Olympischen Spielen teil. Die Gewichtheberin in der Klasse über 87 Kilogramm erhielt viel Unterstützung aus der LGBTQI-Community, aber auch Kritik von ihren Kontrahentinnen.

Karriere schon einmal beendet

Laurel Hubbard kam am 9. Februar 1978 in Auckland als Gavin Hubbard zur Welt. Der Sohn eines Unternehmers und späteren Bürgermeisters der größten Stadt Neuseelands fühlte sich nicht als Mann. Hubbard begann mit dem Gewichtheben. "Ich habe gedacht, wenn ich etwas so Maskulines mache, dass ich das auch werde. Das war nicht der Fall", sagte Hubbard in einem ihrer raren Interviews. Hätte es funktioniert, hätte es "einige der dunkelsten Zeiten in meinem Leben etwas einfacher gemacht". Schon 2001, im Alter von 23 Jahren, erklärte Hubbard ihre Karriere für beendet. Der Druck sei zu groß geworden, in eine Welt zu passen, "die einfach nicht gemacht war für Menschen wie mich".

Zwölf Jahre später entschied sich Hubbard zur Geschlechtsumwandlung. Sie nahm wieder an Wettbewerben teil. Bei den Commonwealth Games 2018 brach sie sich in Führung liegend den Ellbogen. Wenige Monate später verursachte sie einen Autounfall, ein Pensionist wurde schwer an der Wirbelsäule verletzt. Hubbard kam mit einer Geldstrafe davon.

Richtlinien erfüllt

Sie hegte Rücktrittsgedanken, erholte sich jedoch schnell von ihrer Verletzung und erhielt einen Startplatz bei Olympia. Das freute nicht alle. Die Richtlinien für Transgender erfüllt Hubbard: Die Geschlechtsumwandlung liegt mehr als vier Jahre zurück und ihre Testosteronwerte unter dem Grenzwert von zehn Nanomol pro Liter. Unklar ist, ob Hubbard biologische Vorteile aus ihrem 35-jährigen Leben als Mann mitbringt. Kontrahentin Anna Van Bellinghen nannte Hubbards Antreten deshalb einen "schlechten Scherz".

Das Internationale Olympische Komitee ist um faire Wettbewerbe bemüht. Binäre Geschlechtsklassen reichen aber nicht aus, um der Inklusion gerecht zu werden. "Es ist nicht mein Ziel, die Einstellung der Leute zu ändern", sagt Hubbard, eine Freundin der simplen Worte: "Ich bin, wer ich bin." Am Montag wurde sie als Mitfavoritin gehandelt, die Medaillenränge verpasste sie aber. Nach drei ungültigen Versuchen schied sie schon im Reißen aus. (Lukas Zahrer, 2.8.2021)