In Italien weiß man es schon lang: Wald- und Buschbrände im Sommer sind nicht immer nur auf extreme Hitze und Trockenheit oder eine achtlos aus dem Auto geworfene Zigarette zurückzuführen. Allzu oft misslingt einem Bauern die bequeme Rodung eines Hanges, das Feuer gerät außer Kontrolle.

Eine Frau in der Nähe von Bodrum, Türkei, beim Versuch, einen brennenden Baum mit einem Handfeuerlöscher zu löschen.
Foto: AP Photo/Emre Tazegul

Und manchmal hat die Mafia ihre Finger im Spiel – dann etwa, wenn sie sich durch Feuer und Zerstörung spottbillige Grundstückspreise oder leicht zu erhaltende Baugenehmigungen verspricht. Feuerwehr und Zivilschutz in Italien ermitteln daher oft automatisch in diese Richtung. Es gab in diesen Tagen auch schon mehrere Festnahmen, darunter war auch, eher die Ausnahme, die eines polizeibekannten Pyromanen.

Doch auch ohne kriminelle Absichten: Die aktuelle Wetterlage im Mittelmeerraum ist prädestiniert für Feuersbrünste. Tage-, mitunter wochenlang anhaltende Hitze führt zu großer Dürre. Oft reicht dann auch tatsächlich der Funkenflug einer Zigarette oder sich selbst entzündender Müll am Straßenrand.

Wo es zurzeit brennt

Mittlerweile schon seit Wochen kämpft man in Italien – vor allem auf den Großinseln Sardinien und Sizilien sowie auf dem Festland in den Regionen Apulien, Marken und Abruzzen – gegen die Brände an. Zu Wochenbeginn mussten die lokalen Feuerwehren mehr als tausend Mal pro Tag ausrücken. Erschwert werden die Löscharbeiten aktuell durch südliche, trockene Winde aus dem Sahara-Raum.

Bisher ziemlich verschont war Kroatien – doch seit Wochenbeginn wurden auch an der Adriaküste, etwa im Raum Split, mehrere Brände registriert, im Flugverkehr kam es am Dienstag Medienberichten zufolge zu teils größeren Verzögerungen. Um ihre Einsätze effizient gestalten zu können, nehmen die Löschflugzeuge direkt vor den Badestränden der kroatischen Inseln Wasser auf. Die Lage in der bei österreichischen Gästen beliebten Destination blieb bisher aber unter Kontrolle.

Geradezu historisch ist die aktuelle Hitzewelle vor allem in Griechenland, seit Tagen schon klettern die Tageshöchstwerte auf über 40 Grad. Auf der Halbinsel Peloponnes werden zu Wochenmitte bis zu 46 Grad erwartet. Die Feuerwehr kämpfte schon jetzt etwa auf der Insel Rhodos fast chancenlos gegen die Flammen, mehrere Dörfer mussten evakuiert werden, Tourismusresorts waren bisher aber nicht direkt bedroht.

Das spezifische Problem in der Ägäis sind die zu dieser Jahreszeit verlässlich einsetzenden Winde, u. a. sind sie als Meltemi bekannt. Die bei Surfern und Seglern beliebten Luftströmungen aus nördlicher Richtung sind zwar vergleichsweise kühl, aber auch trocken – und fachen daher an vielen Orten Glutnester immer wieder aufs Neue an.

Griechenlands Nachbar im Norden und Osten, die Türkei, hat ebenfalls mit dutzenden Bränden zu kämpfen, die allermeisten sind aber zumindest unter Kontrolle. Besonders betroffen sind die Regionen Antalya, Mugla, aber auch Adana. Etliche Landstriche mussten schon evakuiert werden, mehrere Dörfer wurden schon in den vergangenen Tagen von den Flammen zerstört.

Im südlichen Landesinneren Bulgariens hat die Hitze mittlerweile etwas nachgelassen, die Trockenheit hält aber an, weshalb es auch hier zu mehreren Feuersbrünsten kam, mehrere Häuser wurden zum Raub der Flammen. (gian, 3.8.2021)