Ein Bild aus besseren Tagen: Andrew Cuomo bekommt aktuell nur Daumen nach unten gezeigt.

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Andrew Cuomos Verteidigung wirkte am Dienstag fast schon lächerlich. Der Gouverneur von New York legte ein 85-seitiges Dokument vor, das seine Unschuld im Zusammenhang mit Vorwürfen des übergriffigen Verhaltens belegen soll. Nur bei einem Viertel des Dokuments handelte es sich aber um Text, der Rest waren Bilder von Menschen, die sich umarmen – oft war er nicht einmal selbst zu sehen. Alles ganz normal, will Cuomo damit sagen. Dass es freiwillige und unfreiwillige Umarmungen gibt und dass man zum Chef und Gouverneur vielleicht nicht immer Nein sagen wird, auch wenn man das wollte, ist ihm offenbar immer noch nicht klar.

Verstörende Aussagen

Die detaillierten und verstörenden Aussagen der bisher elf Betroffenen hätten es auch ihm deutlich machen müssen. Nun kam am Dienstag ein vernichtender Untersuchungsbericht der Generalstaatsanwältin dazu, der nicht nur ungewollte Berührungen, Küsse, Umarmungen und unangebrachte Kommentare bestätigte, sondern Cuomo auch anlastete, eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" und ein "Klima der Angst" geschaffen zu haben. Rücktrittsaufforderungen hochrangiger Parteimitglieder wie Joe Biden und Nancy Pelosi waren die Folge sowie ein angedrohtes Impeachment-Verfahren. Spätestens an diesem Punkt musste auch Cuomo klar sein, dass nur sein Rückzug der richtige Schritt sein kann.

Natürlich ist es für ihn frustrierend, wenn gegen andere hochrangige Politiker weiterreichende Vorwürfe bekannt waren und kein Rücktritt folgte – prominentes Beispiel: Ex-Präsident Donald Trump, dem mehr als doppelt so viele Frauen sexuelle Übergriffe, ja sogar Vergewaltigung vorwarfen. Doch Trump darf in moralischen Fragen kein Maßstab sein – vor allem nicht für die Demokraten. Höhere Standards als Trump zu haben bedeutet in Cuomos Fall zumindest, dass er das Richtige getan hat. Und seiner Partei wird es wohl bei künftigen Wahlen helfen – auch weil es um Stimmen von Frauen geht. (Noura Maan, 4.8.2021)