Auf Social Media wirbt der Onlinehändler aggressiv in Richtung junger Frauen.

Foto: Shein, Twitter

Shein, ein schnell wachsender Onlinehändler aus China, weigert sich weiterhin, auf seiner Website eine Offenlegung über seine Arbeitsbedingungen zu publizieren. In mehreren Ländern könnte das jetzt rechtliche Folgen haben.

Fehlende Informationen

In England ist es beispielsweise gesetzlich vorgeschrieben, auf der Firmenwebsite zu den Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette Stellung zu beziehen. Shein gibt zwar in dem Reiter "Social Responsibility" an, "niemals Kinder- oder Sklavenarbeit" zu betreiben, lässt aber Teile der Produktion in seinem Statement aus. Die Voraussetzung für Firmen ab einer gewissen Größe, um in vielen Ländern der Welt einen solchen Handel lokal anbieten zu dürfen, ist aber die klare Darstellung jener Maßnahmen, die man gegen persönliche Ausbeutung und Sklaverei setzt. Angeführt müssen diese Punkte auf der offiziellen Website sein.

Den jährlichen Unternehmensumsatz wollte Shein, das sich auf günstige Mode spezialisiert hat, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nicht offenlegen. Dieser Wert ist allerdings nicht unwesentlich für einige der rechtlichen Angaben, die etwa in England Vorschrift sind. Analysten schätzten den Umsatz des Onlinehändlers zuletzt auf etwa fünf Milliarden Dollar.

In Australien fordert ein ähnliches Gesetz eine Offenlegung der Arbeitsbedingungen gegenüber der lokalen Behörde Australian Border Force (ABF). Gegenüber Reuters bestätigt die ABF, dass es eine solche Offenlegung bisher weder von der Zentrale noch von der lokalen Niederlassung von Shein gibt. Zugang zu einer der Fabriken wurde den Reportern von Reuters nicht gewährt, und auch bezüglich Lohnniveau blieb Shein ein Statement schuldig.

Onlineriese

Das primär in privater Hand befindliche Shein hat sich in den vergangenen 18 Monaten weltweit einen Namen gemacht. Speziell junge Menschen werden von den attraktiv niedrigen Preisen angelockt. 23 Millionen Menschen folgen der Firma mittlerweile auf Instagram beziehungsweise Tiktok. Mit 160 Millionen Besuchern auf der Plattform alleine im Juni hat man die großen Rivalen Zara und H&M bereits überflügelt.

Die sehr niedrigen Preise des Händlers haben schnell Organisationen wie das Worker Rights Consortium auf den Plan gerufen, die schon länger mehr über die Arbeitsbedingungen bei der Firma herausfinden wollen. Die größten Investoren von Shein, Sequoia Capital China und Tiger Global Management, wollten Reuters gegenüber keine Stellungnahme zu den Anschuldigungen abgeben. (Reuters, red, 6.8.2021)