Am Samstag soll der Countdown für die angebliche Lösegeldforderung ablaufen. Die Behörden schließen eine Kooperation mit den Hackern aus.

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Die Regierung von Premier Mario Draghi will Italiens Cybersicherheit stärken. So entsteht die Nationale Agentur für Cybersicherheit (NCA), an deren Spitze der Informatik-Experte Roberto Baldoni stehen wird, wie die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag berichtete.

Maßnahme nach Angriff

Das Gesetz zur Schaffung der Agentur ist bereits diese Woche einstimmig von der Abgeordnetenkammer verabschiedet worden und kann nach dem Grünen Licht des Senats in den nächsten Tagen in Kraft treten. Die Maßnahme erfolgt kurz nach einem sogenannten Ransomware-Angriff auf das IT-System der mittelitalienischen Region Latium mit der Hauptstadt Rom, der unter anderem das Buchungsportal für Impfungen lahmgelegt hat.

Die neue Agentur soll aus 300 Informatik-Experten bestehen, in fünf Jahren sollen es 1.000 sein. Digitalisierung und Cybersicherheit sind ein Eckpfeiler des mit 200 Milliarden Euro aus Brüssel finanzierten Wiederaufbauprogramms "Recovery Plan", mit dessen Umsetzung die Regierung im Juli begonnen hat. So ist eine landesweite "Cloud" geplant – eine große Plattform, auf der alle Daten der öffentlichen Verwaltung (insgesamt 180 Institutionen) gespeichert werden sollen.

Nachholbedarf

Das Projekt wird von Innovationsminister Vittorio Colao vorangetrieben. Er plant eine Ausschreibung, um interessierte Unternehmen anzuregen, sich am Wettbewerb für die Einrichtung der "Cloud" zu beteiligen.

Italien hat in Sachen Cybersicherheit Nachholbedarf. "95 Prozent der Server der öffentlichen Verwaltung sind gefährdet", warnte Staatssekretär Franco Gabrielli. "Die neue Agentur muss dafür sorgen, dass die öffentliche Verwaltung weniger angreifbar wird", erklärte er.

Ransomware: Countdown läuft ab

Die Hacker, die am Sonntag das IT-System der mittelitalienischen Region Latium mit der Hauptstadt Rom angegriffen haben, setzen die Behörden laut Medienberichten weiterhin unter Druck. Eine Lösegeldforderung und ein angeblicher Countdown, der am Samstag ablaufen soll, halten die Region in Atem. Die Hacker forderten die Regionalbehörden auf, ihnen eine der gesperrten Dateien zu senden, die sie dann entschlüsselt zurücksenden wollen, um ihre "Glaubwürdigkeit" zu beweisen.

Ohne Lösegeld sollen die Angriffe fortgesetzt werden, lautete die Drohung. Befürchtet wird, dass die gehackten Informationen aus dem Buchungsportals für die Impfungen der Region im sogenannten Dark Web landen könnten. Seit Sonntag wurde das IT-System der Region Latium mehrmals angegriffen. Die Regionalbehörden schlossen Verhandlungen mit den Cyberpiraten entschieden aus.

Internationale Ermittlung

Am Freitag wurde ein Beamter der Region vernommen, dessen PC die Hacker angegriffen hatten, um in das IT-System einzudringen. Drei Stunden lang wurde der Beamte befragt, er versicherte, dass er nichts mit den Cyberkriminellen zu tun habe. Die Hacker griffen das Buchungsportal an, das die Covid-19-Impftermine verwaltet. Die Regionalbehörden beklagten Verzögerung beim Impfprogramm. Nicht ausgeschlossen wird ein Angriff aus dem Ausland. Auch FBI und Europol ermitteln in dem Fall. (APA, 7.8.2021)