Viele Artikel auf Amazon werden von Drittanbietern verschickt.

Foto: Reuters, PASCAL ROSSIGNOL

Wenn man öfters beim Onlinehändler Amazon bestellt, merkt man schnell, dass viele der Angebote gar nicht von Amazon selbst verschickt werden, sondern von Drittanbietern. Diese suchen derzeit gezielt nach Verfassern von negativen Kommentaren unter ihren Produkten, um ihnen dann Geld zu bieten, diese Kommentare zu löschen oder umzuschreiben.

Richtlinien-Verstoß

Die Praxis, dass Firmen positive Kommentare unter ihre eigenen Produkte schreiben oder andere dafür bezahlen, dies zu tun, wird von Amazon offiziell seit 2016 unterbunden. Laut einer Recherche des "Wall Street Journal" wurden die Drittanbieter auf Amazon jetzt besonders kreativ und umgehen dieses Verbot, indem sie nicht für positive Kritik zahlen, sondern negative löschen lassen.

Sogar Geld soll für das Umschreiben von Kommentaren geboten werden, so der Bericht. Der Kontakt wird meist via E-Mail hergestellt. Spannend deshalb, weil Drittanbieter laut Amazon die Mailadressen der Kunden eigentlich gar nicht haben sollten. Offenbar gibt es allerdings die Möglichkeit, diese E-Mail-Adressen einzukaufen.

Sieht man sich die Amazon-Richtlinien an, ist allerdings auch dieses Vorgehen verboten, weshalb Drittanbieter, denen solche Fälle nachgewiesen werden können, von der Plattform verbannt werden.

Geld angeboten

In dem Bericht werden auch Kunden zitiert, die von ihren Erlebnissen mit den Drittanbietern erzählen. So etwa Katherine Scott, die einen Ölsprüher für die Küche erwarb, der allerdings nicht wie versprochen funktionierte. Kurz nachdem sie einen negativen Kommentar auf Amazon verfasst hatte, bekam sie eine E-Mail. Diese wurde so inszeniert, als stamme sie direkt vom Kundensupport des Sprüher-Anbieters. Laut der E-Mail gebe es eine Erstattung, wenn Scott den Kommentar lösche.

Die Frau lehnte ab und bekam am Tag darauf erneut eine E-Mail. "Ein negativer Kommentar trifft uns sehr hart", stand dort geschrieben. Für das Löschen der Kritik wurden Scott 20 Dollar geboten. Etwa das Doppelte dessen, was der Sprüher ursprünglich gekostet hatte.

Amazon bestätigt gegenüber dem "Wall Street Journal", dass man keine E-Mail-Adressen mit Drittanbietern teile. Alleine im Vorjahr sollen rund 200 Millionen Fake-Kommentare vom US-Konzern gelöscht worden sein. Mitarbeiter, denen nachgewiesen werden kann, dass sie Mailadressen weitergeben, werden laut Amazon gekündigt.

Sollte man dennoch angeschrieben werden, soll man laut Amazon-Sprecher Screenshots davon machen und sofort an Amazon weiterleiten. Man werde den Vorfällen dann nachgehen. (aam, 9.8.2021)