Schöne alte Welt der mondänen Unterkunft: In Wes Andersons Film "Grand Budapest Hotel" haben Conciergen, Pagen und Lobby-Boys das Sagen.
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Gerade wer von Gästen lebt, hatte in Pandemiezeiten wahrlich nichts zu lachen. Das hat auch das Hotelleriegewerbe schmerzlich bemerkt und musste den Großteil seines Personals in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen. Nun, da der Hotelbetrieb wieder anläuft, herrscht ein massiver Fachkräftemangel. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) waren im Juni 2021 132.000 Personen in Gastronomie und Hotellerie beschäftigt – gegenüber 230.000 im Juni 2019.

Jedoch habe Corona dieses Problem nicht erzeugt, sondern bloß verschärft, sagt Florian Aubke, Leiter des Studienbereichs Tourism & Hospitality Management der FH Wien der Wirtschaftskammer Wien: "Das Personalthema in der Hotellerie gab es bereits vor Covid schon seit vielen Jahren." Aubke und sein Team haben daher unlängst untersucht, wie sich die Situation in Zukunft – genauer bis zum Jahr 2030 – verbessern lassen könnte.

Der Tourismus ist für Österreich bekanntlich ein wichtiger Wirtschaftszweig: 2018 waren laut der letzten Erhebung des Rechnungshofs in diesem Bereich noch 38.800 Unternehmen mit rund 225.600 unselbstständig Beschäftigten tätig. Zusammen mit der Freizeitwirtschaft hatte der Fremdenverkehr daher zu dem Zeitpunkt einen Anteil von circa 16 Prozent an der österreichischen Wertschöpfung – mit steigender Tendenz: Der Tourismus wuchs seit 2016 deutlich über drei Prozent pro Jahr.

Exodus in andere Branchen

Das erhöhte den Bedarf an Arbeitskräften. Da hierfür aber meist Fachkräfte nötig sind, an denen es wie in vielen Bereichen mangelt, ließen sich die leeren Stellen nicht so einfach besetzen: So zählte das AMS im ersten Halbjahr 2018 8879 offene Stellen im Tourismus.

Dass es an so viel Personal mangelt, erklärt Aubke mit der Eigenart der Branche: "Besonders betroffen sind all jene Bereiche der Hotellerie, die saisonal arbeiten und daher große Schwankungen im Bedarf haben. Hier ist es für viele Betriebe schwierig, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine ganzjährige Anstellung zu bieten."

Auf dem Land war man diese Situation zwar schon länger gewohnt, nun müsse man wegen Covid-19 auch in der Stadt damit umgehen: "Die Pandemie hat das Problem des Fachkräftemangels in die bisher relativ stabile Stadthotellerie gebracht", sagt Aubke. "Lange Schließungen und eine unsichere wirtschaftliche Zukunft haben viele Mitarbeiter dazu bewogen, in andere Dienstleistungsbranchen zu wechseln."

Hier trete ein Dilemma der Hotellerie zutage: Dort Ausgebildete werden in anderen Dienstleistungsbranchen mit offenen Armen empfangen, da sie einen ausgeprägten Servicegedanken mitbringen. "Man könnte sagen, dass die Hotellerie also vielfach für andere Branchen ausbildet", sagt Aubke. Wie man diesem Exodus aus dem Gewerbe entgegenwirken könnte, haben Aubke und sein Kollegium nun bei den Personalleitungen zahlreicher Sternehotels erfragt.

Hierarchien hinterfragen

"Die Gründe für die hohe Personalfluktuation sind vielfältig, darunter lange Arbeitszeiten, das geringe Gehalt und die unzureichende Work-Life-Balance", fasst der Forscher zusammen. "Die Hotellerie tut sich zudem manchmal schwer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine sinnstiftende Arbeit zu bieten. Dabei ist es das, was die Menschen suchen, wenn sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren. Das alles ergibt ein negatives Branchenimage."

Auch die traditionell oft sehr hierarchisch aufgebauten Organisationsstrukturen sollten dahingehend überprüft werden, ob sie noch zeitgemäß sind: "Die Hotellerie ist stark in ihren Strukturen verhaftet und scheut vielfach das Risiko, einen entsprechenden Kulturwandel einzuleiten und die Resultate mit zeitlicher Verzögerung zu ernten."

Trotz der zahlreichen identifizierten Baustellen ist Aubke aber zuversichtlich, dass sich das Personalproblem lösen lasse, wenn man an diesen Stellschrauben drehe, da das Hotelgewerbe immer noch grundsätzliche Vorzüge gegenüber anderen Berufsfeldern habe.

"Die Basis der Hotellerie ist die menschliche Interaktion. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen Gastgeber sein", sagt Aubke. "Der Tourismus ist von positiven Erfahrungen geprägt, und Begegnungen finden in der Regel in einer angenehmen Atmosphäre statt. Das unterscheidet die Hotellerie von anderen Dienstleistungen. Die Hotellerie bringt also alle emotionalen Vorbedingungen für ein gutes Arbeitsimage mit." (Johannes Lau, 13.8.2021)