Am Montag räumte die Anwältin Roberta Kaplan ihren Posten an der Spitze der Frauenrechtsorganisation "Time’s Up".

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New York – Für New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo wird die Luft angesichts massiver Belästigungsvorwürfe von Tag zu Tag dünner. Ist eine Untersuchungskommission vergangene Woche noch zu dem Schluss gekommen, dass der Demokrat über die Jahre mindestens elf Frauen sexuell belästigte, bröckelt nun auch die Front, die er zu seiner Verteidigung errichtet hat.

Am Montag räumte die Anwältin Roberta Kaplan ihren Posten an der Spitze der Frauenrechtsorganisation Time’s Up ("Die Zeit ist vorüber"), die zur Unterstützung der #MeToo-Bewegung gegründet wurde und sich gegen die Diskriminierung von Frauen in der Berufswelt einsetzt. Denn neben ihrem Engagement dort hatte sich Kaplan als Anwältin zu einer der vehementesten Verteidigerinnen Cuomos aufgeschwungen, dem ebenjener toxische Umgang mit Mitarbeiterinnen vorgeworfen wird, gegen den sich #MeToo und eben auch Time’s Up richten.

Schlimmer noch: Die Untersuchungskommission der New Yorker Staatsanwaltschaft hält auch fest, dass Kaplan Cuomos Team – darunter viele Frauen – geholfen haben soll, das erste mutmaßliche Opfer des Gouverneurs öffentlich zu diskreditieren.

Vertraute werfen hin

Unter den Fürsprecherinnen und Fürsprechern Cuomos, dem bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe sogar Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur nachgesagt wurden, lichten sich nun zunehmend die Reihen. Am Sonntag erst ist mit Melissa deRosa die engste politische Vertraute Cuomos zurückgetreten.

Am Montag schließlich sprach eines der mutmaßlichen Opfer, Cuomos Ex-Chefassistentin Brittany Commisso, erstmals im Fernsehsender CBS über das, was ihr widerfahren ist: "Was er mir angetan hat, ist ein Verbrechen", sagte sie. Er habe sie zweimal während der Arbeit begrapscht. "Der Gouverneur", forderte sie, "muss zur Rechenschaft gezogen werden."

Druck auf Cuomo steigt

Auch politisch wird es eng für den einst so erfolgsverwöhnten Gouverneur, der für New Yorks Corona-Management noch über Parteigrenzen hinweg Lob erfahren hatte: Sogar US-Präsident Joe Biden persönlich legte Cuomo, der alle Vorwürfe bestreitet, inzwischen den Rücktritt nahe. (flon, 10.8.2021)