Die Wirtschaft erholt sich weiter. Die Dynamik habe sich zuletzt aber etwas abgeschwächt und dürfte bald – noch in den Sommermonaten – den Plafond erreichen, heißt es im monatlichen Konjunkturbericht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Die Erholung zeigt sich auch in den südlichen Bundesländern Steiermark und Kärnten.

Das spiegelt sich ebenso in den Arbeitslosenzahlen wider. In der Steiermark waren im Juli gut 39.000 Personen als arbeitssuchend gemeldet – um 1800 Personen oder fünf Prozent mehr als im Juli 2019, vor der Corona-Pandemie. In Kärnten wurde im Juli bereits das Vorkrisenniveau übertroffen. Mit 232.000 unselbstständig Beschäftigten wurde im Juli ein neuer Beschäftigungsrekord in Kärnten verzeichnet.

Mitarbeiter gesucht

Offene Stellen gibt es in beiden Bundesländern in allen Wirtschaftszweigen. Laut den Daten des Arbeitsmarktservices (AMS) werden die meisten Mitarbeiter aktuell im Tourismus gesucht. Nach den Öffnungsschritten ziehen Weinstraßenund sanfte Hügellandschaften, Wörthersee und eindrucksvolles Hochgebirge wieder viele Besucher an. Tourismus ist auch in den beiden südlichen Bundesländern eine wichtige wirtschaftliche Säule. "Die Touristen kommen verstärkt aus dem Inland oder dem benachbarten Ausland", sagt Peter Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wifo mit Forschungsschwerpunkt Regionalisierung und struktureller Wandel. Daher sei auch der Corona-bedingte Einbruch im Tourismus nicht so dramatisch wie etwa in Tirol – und die Bundesländer konnten sich schneller wirtschaftlich erholen.

Offene Stellen gibt es in der Steiermark und Kärnten, in allen Wirtschaftszweigen. Laut den Daten des Arbeitsmarktservices werden die meisten Mitarbeiter aktuell im Tourismus gesucht.
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Aber auch generell seien Kärnten und die Steiermark besser durch die Krise gekommen als andere Bundesländer. Die Wirtschaft schrumpfte dort laut Wifo im ersten Corona-Jahr um 6,4 Prozent, während die Westregion – Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich – ein Minus von sieben Prozent verzeichnete.

"Der Arbeitsmarkt in der Region boomt dermaßen, dass das Vorkrisenniveau bereits erreicht werden konnte oder in greifbarer Nähe ist",sagt Huber. Die gute Entwicklung ist aber zum überwiegenden Teil der dort angesiedelten Industrie geschuldet. So zeigen Daten der Kärntner Wirtschaft, dass der gesamte volkswirtschaftliche Effekt des Kärntner Industriesektors – inklusive der mit ihm zusammenhängenden Dienstleistungsbranchen – bei 55 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung liegt. Knapp die Hälfte der Beschäftigten des Bundeslandes finden sich im Produktionssektor. DerTourismusanteil, wofür Kärnten eigentlich bekannt ist, macht lediglich 6,5 Prozent aus – inklusive der erweiterten Freizeitwirtschaft sind es 15 Prozent.

Steiermark: Hohe Wertschöpfung in Industrie

In der Steiermark sind laut der Industriellenvereinigung Steiermark 30 Prozent der unselbstständig Beschäftigten im produzierenden Bereich tätig. Direkt und indirekt hängen mehr als die Hälfte der steirischen Arbeitsplätze von der Industrie ab. Der produzierende Sektor erwirtschaftet 34 Prozent der steirischen Bruttowertschöpfung.

Gebremst werde das wirtschaftliche Wachstum aber durch den Fachkräftemangel, der auch in der Steiermark und in Kärnten stark spürbar ist. "Gerade in Kärnten ist dieser Fachkräftemangel ein echtes Problem für die dort ansässigen Unternehmen", sagt Huber. Durch Abwanderung sinke in Kärnten – als einzigem Bundesland – schon länger der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung. Daher sei auch das Beschäftigungswachstum seit den Lockerungsschritten nicht so groß wie beispielsweise in der Steiermark.

Doch wo genau fehlen die Arbeitskräfte? Eigentlich überall. Laut AMS gibt es in allen Wirtschaftsbereichen offenen Stellen. Allein im Bereich Gastronomie und Beherbergung sind über 2000 Stellen in der Steiermark ausgeschrieben. Insgesamt gab es beim AMS Steiermark mit Stand 31. Juli mehr als 16.500 offene Stellen, davon fallen über 1500 in die Wirtschaftsklasse "Herstellung von Waren", zu der auch die Industrieproduktion gehört.

Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von 111 Prozent, und auch in der Kategorie Überlassung von Arbeitskräften – auch hier sind viele im Industriebereich tätig – ist der Bedarf groß. Knapp 5500 offenen Stellen waren dort Ende Juli sofort verfügbar.

Für Kärnten zeichnet sich ein ähnliches Bild. Laut den Daten des AMS gab es in Kärnten mit Stand 31. Juli im Bereich Metall-/Elektroberufe 1313 offene Stellen, um rund 55 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Bei den technischen Berufen waren 638 Stellen sofort verfügbar, das entspricht einem Plus von rund 150 Prozent im Vergleich mit Juli 2020.

Kooperationen in Clustern

Diese hohe Nachfrage nach Mitarbeitern zeigt auch die steigende Bedeutung dieser Industrieregion. Vor allem Hightech-Unternehmen haben sich in den Zentralräumen angesiedelt und sich zu starken Branchenclustern über Ländergrenzen hinweg zusammengeschlossen. Seit 2016 gibt es beispielsweise den Cluster Silicon Alps, der sich zum Ziel gesetzt hat, neben der Vernetzung und Förderung kooperativer Forschungsprojekte auch die internationale Positionierung des Mikroelektronikstandorts Kärnten und Steiermark voranzutreiben. Mehr als 135 Unternehmen, darunter Leitbetriebe wie AVL List, AT&S oder Infineon, sind dabei.

Die Industrie ist dort aber nicht nur im Bereich Mikroelektronik und Informationstechnologie stark, auch im Bereich Nachhaltigkeit wird die Kooperation im sogenannten Green Tech Cluster forciert. Der 2005 gegründete Cluster umfasst heute 220 Unternehmen, darunter etwa Andritz. In 14 Kompetenzzentren in der Steiermark und in Kärnten wird an innovativen Lösungen für den Klimaschutz und die Kreislaufwirtschaft gearbeitet. Laut eigenen Angaben werden mittlerweile rund 20 Prozent des weltweiten Ökostroms mit Technologien aus dem Green Tech Valley im Süden Österreichs erzeugt.

Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) sind entscheidende Treiber. Die Steiermark bleibt laut Erhebung der Statistik Austria mit großem Abstand auf Platz eins bei der regionalen F&E-Quote (Ausgaben gemessen am Bruttoregionalprodukt) von 5,15 Prozent. Damit liegt die Steiermark vor Wien (3,64 Prozent) und Oberösterreich (3,49 Prozent) an der Spitze.

Insgesamt werden in der Steiermark pro Jahr 2,62 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. In Kärnten liegt die Quote mit 3,13 Prozent zwar unter dem Österreich-Schnitt von 3,23 Prozent. Das Bundesland verzeichnete aber laut Statistik die prozentuell größte Steigerung im Vergleich zur letzten Erhebung 2017. Mehr als 690 Millionen Euro wurde in Kärnten in Forschung und Entwicklung investiert.

Im Zentralraum Kärntens rund um Klagenfurt und Villach sitzen zwar auch Hightech-Unternehmen, allen voran Infineon, im Vergleich mit der Steiermark sei die Industrieregion dort aber kleiner, sagt ÖkonomHuber. Darüber hinaus gebe es außerhalb der Ballungsräume viele Regionen, die strukturell eher schwach sind. Entwicklungsimpulse für die Wirtschaft könnten durch stärkere Kooperationen mit den südlichen Nachbarländern Italien und Slowenien entstehen, ergänzt er. "Denn der Standort hat viel an Lebensqualität zu bieten, immerhin ist man in zwei Stunden am Meer und auch sehr schnell in den Bergen." (ost, 13.8.2021)