Bei Rom näherten sich die Flammen einem Wohngebiet.

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Ankara/Rom/Jakutsk – Brände, Überschwemmungen und Hitze machen vielen Menschen im Mittelmeerraum zu schaffen. In Italien lodern weiter Feuer, aber ebenso auch weiterhin in Russland. Dort bekommen die Helfer die verheerenden Waldbrände trotz Tausender zusätzlicher Einsatzkräfte nicht unter Kontrolle. In der Türkei haben nach den Feuern indes Überschwemmungen verheerende Folgen, 40 Menschen kamen in Zusammenhang mit diesen bereits ums Leben. 2.200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Eine Vielzahl von Wald- und Buschbränden hält die Brandbekämpfer in Italien weiter in Atem. Die Feuerwehr meldete am Samstagvormittag 400 Einsätze in den vergangenen zwölf Stunden. In der Region Kalabrien an der Fußspitze des italienischen Stiefels seien fünf Löschflugzeuge im Raum Cosenza und Reggio Calabria in der Luft. Das Feuer in Tivoli östlich von Rom sei in der Nacht gelöscht worden. Der Ort ist für seine Unesco-Welterbe-Stätten Villa d'Este und Villa Adriana (Hadriansvilla) bekannt.

Auf Sizilien warnte der Zivilschutz für Samstag vor Waldbrandgefahr in den Provinzen Catania, Caltanissetta und Enna sowie vor extremer Hitze im Raum Palermo. Auf Sardinien warnten die Behörden vor extremer Brandgefahr für den zentralen Westen der Mittelmeerinsel. In Kalabrien brennen viele Feuer in der Gegend um den Nationalpark Aspromonte. Dort gab es bisher vier Tote im Zusammenhang mit den Waldbränden.

46,1 Grad in Córdoba

In Spanien brachte die bisher schlimmste Hitzewelle des Sommers Millionen Menschen ins Schwitzen. Am Freitag kletterten die Werte in vielen Gebieten des Landes deutlich über die 40-Grad-Marke, auch in der Hauptstadt Madrid. Wie der Wetterdienst Aemetmitteilte, wurden am Freitagnachmittag in der andalusischen Provinz Córdoba 46,1 Grad gemessen. Damit war der im Juli 2017 in Córdoba erfasste Landesrekord von 46,9 Grad in greifbarer Nähe. "Samstag wird der schlimmste Tag sein. Nicht ausgeschlossen, dass der Rekord dann auch gebrochen wird", sagte ein Aemet-Sprecher.

Die Thermometer sprangen in der spanischen Provinz Córdoba auf mehr als 40 Grad. Im Bild ein nicht offizieller Thermometer und ein Tourist, der sich versucht zu hydratisieren.
Foto: EPA / Salas

Aemet rief vor allem für mehrere Gebiete in Andalusien bis Montag Alarmstufe Rot aus. Die extreme Hitze setzte auch den spanischen Winzern zu. In der Region Kastilien-La Mancha mussten sie die Weinernte – die normalerweise im September beginnt – am Freitag vorzeitig beginnen. Die Trauben seien schon sehr reif, hieß es.

Weitere Regenfälle in der Türkei

In der türkischen Schwarzmeerregion kamen 38 Menschen in Zusammenhang mit Überschwemmungen ums Leben. Zwölf Menschen würden im Krankenhaus behandelt, teilte die Katastrophenschutzbehörde Afad am Freitag mit. Betroffen sind vor allem die drei Provinzen Bartin, Kastamonu und Sinop. Präsident Recep Tayyip Erdoğan reiste am Freitag nach Kastamonu und sagte, die zerstörten Orte würden durch "bessere" ersetzt.

Matschbraune Fluten rissen unter anderem Autos mit sich, mehrere Brücken stürzten ein. Medienberichten zufolge stand das Wasser mancherorts fünf Meter hoch. Unter anderem rund 5.000 Einsatzkräfte und 19 Helikopter seien an den Rettungsarbeiten beteiligt, unterstützt von Nichtregierungsorganisationen und dem Militär. Für Freitag waren weitere Regenfälle in der Schwarzmeerregion angekündigt.

Im Süden der Türkei ist ein Löschflugzeug mit acht Insassen einem Medienbericht zufolge abgestürzt. An Bord der Be-200 hätten sich fünf russische und drei türkische Staatsbürger befunden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Samstag. Das Flugzeug sei in der Nähe von Adana beim Landeanflug gecrasht.

In der Türkei begutachteten Menschen die Schäden durch die Überschwemmungen.
Foto: AP

In Algerien wurden inzwischen fast alle Brände in der besonders stark betroffenen Region Tizi Ouzou vollständig gelöscht, wie die Zivilschutzbehörde des nordafrikanischen Landes am Freitag mitteilte. Die Mitarbeiter überwachten die Lage in der Region aber weiterhin. In anderen Regionen werden demnach noch immer Dutzende Feuer gelöscht. Nach Angaben der Behörde sind bisher insgesamt mindestens 124 Waldbrände in dem nordafrikanischen Land ausgebrochen. Dabei starben bisher mindestens 49 Zivilisten und mehr als 20 Soldaten, wie die staatliche Nachrichtenagentur APS meldete.

Brände in Griechenland unter Kontrolle

Erstmals seit Tagen sind die Brände in Griechenland unterdessen in allen Regionen des Landes unter Kontrolle oder sogar weitgehend gelöscht. Dies teilte der griechische Zivilschutz am Freitagmorgen mit. Lediglich in der gebirgigen Region Gortynia auf der Halbinsel Peloponnes gebe es immer wieder kleinere Brände, die aber rasch von den Einsatzkräften gelöscht würden. Die Feuerwehr warnte jedoch, die Gefahr sei noch nicht vorbei: In vielen Fällen schwele es noch im Unterholz, und neue Brände könnten ausbrechen. Schätzungen zufolge wurden bei den schweren Bränden im August mehr als 100.000 Hektar Wald- und Buschland sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen zerstört.

Solche Bilder wie auf der griechischen Insel Euböa sind von vergangener Woche, mittlerweile sind fast alle Brände gelöscht.
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Waldbrand-Katastrophe in Russland spitzt sich zu

Die Waldbrand-Katastrophe in Russland spitzt sich nach Angaben von Umweltschützern dramatisch zu. "Die Lage ist diesmal viel schlimmer als 2020 und im Jahr davor", sagte Grigori Kuksin von der Organisation Greenpeace der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. In der am stärksten betroffenen Teilrepublik Jakutien im Osten Sibiriens "sprechen wir bereits von einem Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Russland", erklärte der Brandschutzexperte. Er geht davon aus, dass bisher etwa sechs Millionen Hektar Wald vernichtet wurden. Die Forstschutzbehörde spricht dagegen von aktuell etwa vier Millionen Hektar (40.000 Quadratkilometer) brennender Fläche. Das entspricht etwa der Größe der Schweiz.

Den Negativrekord des Jahrhunderts gab es demnach 2012 mit einer von Feuern zerstörten Fläche von 16 Millionen Hektar. Dieses Jahr könne ein neuer Höchststand erreicht werden, meinte Kuksin.

Gesundheitsgefahr durch Rauch

Zudem werden die Waldbrände immer mehr zu einer Gesundheitsgefahr für die Menschen. In Jakutien sei die maximal zulässige Konzentration schädlicher Stoffe in der Luft teilweise um das Zwanzigfache überschritten worden, berichtete der Radiosender Echo Moskwy am Freitag auf Grundlage von Behörden-Messungen. Demnach gab es bei acht von 16 untersuchten Schadstoffen wie Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid Überschreitungen.

Durch die Waldbrände liegen in der russischen Provinz Jakutien zu viele schädliche Stoffe in der Luft.
Foto: imago images / ITAR-TASS

Seit Tagen versinken Dörfer und Städte der Region im Rauch. Am Flughafen der Großstadt Jakutsk kommt es dem Betreiber zufolge wegen schlechter Sicht zu Ausfällen und Verspätungen. Die Behörden hatten für Freitag einen arbeitsfreien Tag angekündigt, damit sich die Menschen möglichst nicht im Freien aufhalten. Der Rauch zog bereits Tausende Kilometer westlich ins Landesinnere bis über den Ural und zur Mongolei. Jakutsk liegt etwa 4.800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Während die betroffenen Regionen auf Niederschläge hoffen, haben andere Gebiete Russlands zu viel davon. Betroffen ist vor allem die russische Schwarzmeer-Küste und abermals die Halbinsel Krim. In der Region Krasnodar im Süden wurden den Behörden zufolge mehr als 1.300 Häuser überflutet. (APA, 14.8.2021)