Das Schnitzerl ist verspeist, die Pommes sind aufgeputzt. Doch wohin mit dem dafür gebrauchten Speiseöl? In den Ausguss oder in das WC dürfen Altspeiseöle und -fette nicht geleert werden. Dort verkleben sie die Leitungen und die Kanalisation. Im Mistsackerl haben diese Altstoffe aber auch nichts verloren.

Speiseöle sollten gesammelt werden. Doch die wenigsten Österreicher wissen, wohin sie diese bringen sollen. In den vergangenen Jahren wurde daher versucht, die Sammlung dieses Problemstoffs nahe an den Kunden zu bringen. Der Handelskonzern Spar etwa bietet österreichweit in 50 Filialen spezielle Boxen für die Altölsammlung an. In diese Boxen kann das gebrauchte Speiseöl geleert werden. Der Automat trennt das Öl vom Wasser und berechnet somit die Rückvergütung. Pro zurückgebrachten Liter reinen Altspeiseöls bekommen Kunden einen Gutschein über zehn Cent. Das auf diese Weise gesammelte Altspeiseöl wird zur Herstellung von Biodiesel eingesetzt.

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In ganz Österreich können Speisefette – dazu gehört auch das Öl von Eingelegtem wie etwa Sardinen oder Schafskäse, nicht aber Salatmarinaden oder Saucen – bei den Mistplätzen abgegeben werden. Dort kann man sich einen Kübel holen, um das Öl in der Küche geruchsneutral zu sammeln. In der Steiermark und im Burgenland heißen diese Ölbehälter Fetty, in Wien werden sie Wöli genannt, oft heißen sie auch einfach nur Öli. Wer keinen Kübel hat, kann sein Altöl auch in einem verschraubbaren Glas bringen und sich dann einen Kübel mitnehmen.

Das auf dem Mistplatz gesammelte Speiseöl wird gereinigt und ebenfalls der Biodieselproduktion zugeführt. Als Daumenregel gilt: Ein Liter altes Speiseöl ergibt rund 0,8 Liter Biodiesel – von der Schnitzerlpfanne ins Auto sozusagen. In Wien gibt es zusätzlich zu den Mistplätzen auch bei einigen Märkten – etwa am Naschmarkt oder am Meidlinger Markt – die Möglichkeit, sein Altöl fachgerecht zu entsorgen. Zusätzliche Unterstützung kommt von mobilen Sammelautos.

Vom Wirt bis zum Würstelstand muss jeder Betrieb ein Modell für die Entsorgung haben. Anders sieht es in den Haushalten aus.
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Für Kunden aus dem Bereich Hotellerie oder Gastronomie, aber auch für Lebensmittelproduzenten, die etwa Lebensmittel vorfrittieren, gibt es spezielle Unternehmen, die Speisefette abholen. Münzer ist Österreichs größter Altölentsorger für den gewerblichen Bereich. Denn Abfall ist in Österreich durch das Abfallrecht klar geregelt. "Der Müll, der in Privathaushalten anfällt, gehört sozusagen der jeweiligen Kommune", erklärt Harald Sigl, Sprecher von Münzer. Die Kommune sorgt für das entsprechende Abfallsystem und die Logistik. Sie wiederum kann auf Unternehmen wie Münzer zurückgreifen, um etwa das Öl, das bei Märkten gesammelt wurde, der Wiederverwertung zuzuführen.

Münzer produziert aus dem gesammelten Öl Biodiesel. Mehr als 206.000 Tonnen Biokraftstoff werden aus diversen Altölen bei Münzer jährlich hergestellt.

Fettklumpen als Problem

Im gewerblichen Sektor sieht Sigl Österreich nahezu flächendeckend versorgt. Vom Würstelstand bis zum Wirt oder dem Systemgastronomen muss jeder für seinen Betrieb ein Entsorgungsmodell haben und dieses auch den Behörden offenlegen. In Privathaushalten sieht Sigl hingegen großen Nachholbedarf bei der fachgerechten Entsorgung. Hier hätte man eben lange gelernt, Öl ins Klo zu schütten. Die damit in den Kläranlagen entstehenden Fettklumpen würden aber auch in Österreich immer wieder einmal zum Problem.

Von den rund 50 Millionen Liter Speiseöl, die jährlich in heimischen Haushalten konsumiert werden, werden nur rund 15 Prozent richtig entsorgt. Im Haushalt werden viele Öle – etwa im Salatdressing oder in Saucen – aber auch mitgegessen. Im Schnitt sammle sich in jedem Haushalt in Österreich gut ein Liter Altöl pro Jahr an, sagt Sigl. Auch regionale Unterschiede seien hierbei erkennbar. Der Wiener steht zwar für sein Schnitzerl – das werde meist aber beim Wirt verspeist. Auch das spart Altöl zu Hause. (Bettina Pfluger, 17.8.2021)