Am Sonntag hat ein Instagram-Posting der Influencerin "Jiggy Jules" einen Shitstorm in den sozialen Medien ausgelöst. In mehreren Bildern veröffentlichte die Person Informationen zu den aktuellen Geschehnissen in Afghanistan und bewarb im Anschluss die Trinkflasche ihres Kooperationspartners Soulbottles. Nutzer griffen die Wortwahl der mutmaßlichen Werbeschaltung auf und kritisierten diese scharf.

Trinkwasser als Privileg

Die Ereignisse in Afghanistan und im Libanon machten ihr ihre Privilegien bewusst, schreibt die Influencerin in einer Instagram-Story. Eines dieser Privilegien sei der Zugang zu sauberem und günstigem Trinkwasser, das sie "einfach aus der Leitung zu einem Preis von 0,2 Cent pro Liter" erhalte. "Der unschlagbare Preis für dieses Lebenselixier ist unter anderem der Grund dafür, warum ich meistens eine Trinkflasche dabeihabe", schreibt die Influencerin und stellt im nächsten Posting den Kontext zum Kooperationspartner Soulbottles her. Verlinkt wurde auch ein Gutscheincode für das Produkt.

Im Netz sorgten die Postings für eine Welle der Kritik. Im Zentrum steht dabei der Bezug der Werbung auf die Ereignisse in Afghanistan. Der Influencerin wird unter anderem vorgeworfen, den Konflikt in Afghanistan zu instrumentalisieren und daraus Profit zu schlagen.

Kritik ist "Ableismus"

Andere Nutzer verteidigen die Influencerin und argumentieren, dass sie in den Postings davor auf die sich verschlechternde Lage für die Menschen in Afghanistan aufmerksam gemacht habe. Außerdem habe sie im Vorhinein angegeben, einen Teil des Erlöses an Hilfsorganisationen im Konfliktgebiet spenden zu wollen.

Die Influencerin veröffentlichte als Reaktion auf die Kritik einige Postings, in denen sie ihren Standpunkt erklärte und ihr Vorgehen verteidigte. In ihrer Erklärung verortet sie "Hass aus der angeblich linken Ecke" und schreibt, dass ihre Kritikerinnen und Kritiker nicht links seien, wenn sie gegen "Menschen hetzen, die im Kapitalismus Geld verdienen müssen". Für sie seien die kritischen Stimmen "Teil der Bourgeoisie", "das Patriarchat" und "Ableismus". Ihren Instagram-Account mit fast 40.000 Abonnenten hat sie auf "privat" umgestellt.

Auch teilte sie einen Screenshot der zahlreichen Direktnachrichten und schrieb, dass es sich bei ihnen nicht um sachliche Hinweise, sondern um Drohungen handle.

Soulbottles: Keine Absicht

Auch der Kooperationspartner Soulbottles meldete sich zu Wort. Der Trinkflaschenhersteller war ebenfalls in die Kritik geraten, da er die Postings der Influencerin auf seinem eigenen Profil geteilt hatte. Eine Mitarbeiterin, die für die Auswahl der Werbepartner zuständig ist, erklärte, dass die Schaltung schon vor Wochen geplant gewesen sei.

Zudem entschuldigte sich die Sprecherin dafür, nicht weiter überprüft zu haben, mit welchen Inhalten die Kooperation verknüpft war. Aus dem Kontext gerissen sei der Bezug auf den Afghanistan-Konflikt zwar unpassend, dennoch stelle man sich auf die Seite der Influencerin, da sie sich bisher für die kritische Lage in Afghanistan, insbesondere für Frauen, eingesetzt habe, argumentiert Soulbottles. (red, 17.8.2021)