2002 in Atlantic City, New Jersey: Don King mit Evander Holyfield, der eben einen kontroversiellen Sieg gegen Hasim Rahman errungen hatte.

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Cleveland/Berlin – Eines kann als fix vorausgesetzt werden: Ändern wird sich Don King bestimmt nicht mehr. Auch mit fast 90 Jahren scheut der skrupelloseste Strippenzieher im Box-Zirkus keinen Kampf. Gerade erst wurde die schillernde Promoter-Legende von Ex-Weltmeister Mahmoud Charr verklagt. Das passt zu King. Verderben dürfte ihm ein Rechtsstreit um ein paar Millionen den runden Geburtstag am Freitag aber kaum, dafür hat er schon zu viel erlebt.

Don King, ein Großmaul mit einzigartiger Starkstromfrisur, avancierte in den 1970er Jahren zur einflussreichsten Person im Profiboxen. Nach einer Lebensgeschichte, die der eines Schwerkriminellen glich. 1954 tötete "Mr. Boxing" einen Mann, der sein Wettbüro ausrauben wollte. Wegen Notwehr wurde er freigesprochen.

13 Jahre später prügelte er mit dem Kolben seiner Waffe auf einen Mitarbeiter seines Glücksspielgeschäfts ein, weil dieser ihm Geld schuldete. Nach fünf Tagen im Koma starb der Mann. Lebenslang lautete die Strafe für King. Sie wurde auf 15 Jahre verkürzt. Letztlich verbüßte er drei Jahre und elf Monate hinter Gittern und kam 1971 auf Bewährung frei.

"Rumble in the Jungle"

Danach startete er seine zweite Karriere im Boxbusiness, die bis heute ihresgleichen sucht. Der Durchbruch glückte ihm 1974 mit dem berühmten "Rumble in the Jungle", als er in Kinshasa im damaligen Zaire den legendären Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman veranstaltete.

Beiden Boxern versprach er die damals unvorstellbare Summe von jeweils fünf Millionen Dollar. Das Geld holte er sich von Zaires Diktator Mobutu, Skrupel hatte King keine. Ein Jahr später folgte das nächste Highlight, der "Thrilla in Manila" zwischen Ali und Joe Frazier.

Skrupelloser Strippenzieher

Ab da ging kaum noch etwas ohne Don King. Er zog gekonnt die Strippen. Wer als Boxer hoch hinaus wollte, musste zu King. Er war der Garant für Spektakel, große Karrieren und das große Geld. Da war es egal, dass der Vater von drei Kindern seinen Kämpfern auch schon mal Geld vorenthielt, Betrug und Streit gehörten zu seinem Geschäft.

Frei nach dem Motto "Leg' den Boxer rein, bevor er dich reinlegen kann" scheffelte er viele Millionen Dollar. "King würde seine eigene Mutter für einen Dollar töten", sagte Ex-Weltmeister Mike Tyson, "er ist rücksichtslos, bedauernswert, habgierig und kann niemanden lieben." Auch Larry Holmes fand keine lobenden Worte. "Wissen Sie, warum er die Haare so hoch trägt?", fragte er nach der Trennung von King: "Er will die Hörner verstecken..."

Die Liste seiner Delikte ist so lang wie die der von ihm veranstalteten Kämpfe. Und das sind weit mehr als 200. Prominenteste Namen neben Ali, Frazier und Foreman waren Tyson, Holmes und Evander Holyfield. King lockte sie, knebelte sie, saugte sie aus – legte aber auch stets seine schützenden Hände über sie.

Und während andere in seinem Alter längst im Altersheim weilen, ist er immer noch aktiv. Zuletzt machte Charrs Klage gegen King Schlagzeilen. Der Wahl-Kölner wirft King und fünf weiteren Parteien das "jahrelange Verhindern von Kämpfen durch Nichteinhaltung von Absprachen und Verträgen" vor und fordert rund 3,9 Millionen Euro. Mit Tricksereien soll er erwirkt haben, dass Charr zum "Weltmeister im Wartestand" erklärt wird. Zuzutrauen war einem Don King schon immer alles. (sid, red, 18.8.2021)