Seit einem Jahr gehen in Belarus Behörden gegen nichtstaatliche Medien, Menschenrechtler und Anführer der Proteste gegen Präsident Alexander Lukaschenko vor.

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Minsk – Im autoritär geführten Belarus sind die Behörden mit einer Razzia gegen die unabhängige Nachrichtenagentur Belapan vorgegangen. Es habe am Mittwoch Durchsuchungen bei mehreren Journalisten und Mitarbeitern gegeben, teilte das Menschenrechtszentrum Wesna in der Hauptstadt Minsk mit.

Die Chefredakteurin Irina Lewschina sei zu einem Verhör in das Ermittlungskomitee gebracht worden. Eine Buchhalterin kam den Menschenrechtlern zufolge in ein Untersuchungsgefängnis. Die Internetseite der Agentur war zunächst nicht mehr zu erreichen.

Bereits zweite Razzia in diesem Jahr

Der Journalistenverband von Belarus (Weißrussland) rief die Behörden auf, alle Mitarbeiter freizulassen. Es sei bereits die zweite Razzia bei Belapan in diesem Jahr gewesen. Zunächst gab es keine offizielle Stellungnahme zu den Hintergründen.

Belapan wurde 1991 gegründet und ist dem Journalistenverband zufolge die älteste nichtstaatliche Nachrichtenagentur der Ex-Sowjetrepublik. Sie hatte über die Proteste gegen Machthaber Alexander Lukaschenko im vergangenen Jahr berichtet.

Seit der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl vor einem Jahr geht der Machtapparat gegen unabhängige Medien, Menschenrechtler und Oppositionelle vor. Seither sind dem Journalistenverband zufolge fast 500 Medienschaffende in Polizeigewahrsam gekommen. 29 Medienvertreter seien aktuell in Haft. Es habe in den vergangenen zwölf Monaten rund 140 Razzien bei Journalisten gegeben. (APA, dpa, 18.8.2021)