Hugh Jackman versucht sich im Thriller "Reminiscence" mit Erinnerungen zu trösten.

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Zukunft und Vergangenheit bilden in Reminiscence ein Möbiusband. Wer sich schönen Erinnerungen hingeben will, für den existiert eine Maschine, die an eine Badewanne erinnert. Unter Anleitung der sonoren Stimme von Nick Bannister (Hugh Jackman) schließt man die Augen und taucht in bessere Zeiten ab, die dann wie in einem Hologramm-Theater aufscheinen. Wer zu oft badet, droht jedoch den Bezug zur Realität zu verlieren.

Warner Bros. Pictures

Lisa Joy, die gemeinsam mit Ehemann Jonathan Nolan schon die Serie Westworld verantwortete, hat sich für ihr Spielfilmdebüt ein Genre-Mash-up ausgedacht, das zwischen Neo-Noir und dystopischer Science-Fiction changiert. Die Erderwärmung hat Miami in eine Lagunenstadt wie Venedig verwandelt, allerdings boomt der Drogenhandel und wuchert die Korruption. Bannisters Gewerbe bietet daraus kurz ein Entkommen.

Das Erinnerungsbad wird in Reminiscence auch zum zentralen narrativen Tool. Immer wieder entpuppen sich Einstellungen als Szenen aus der Vergangenheit, die sich erst langsam wie Puzzleteile zu einem Bild zusammenfügen. Das passt zum Noir-Modus des Films, der Bannister als haltlos romantischen Helden auf die Spur der Sängerin Mae (Rebecca Ferguson) schickt, der obligatorischen Femme fatale. Hat sie ihm ihre Hingabe nur vorgegaukelt? Und spielt sie selbst im Drogengeschäft eine Rolle?

Joys Debüt ist voller vertrauter Topoi, die man in klassischer oder revisionistischer Variante bereits ausgefeilter, raffinierter erzählt gesehen hat. Schon die Konstellation des schicksalhaft verschränkten Paares bleibt wie eine Behauptung, die weiteren Handlungsbausteine, die tief in den Filz der Stadt führen, wirken blutleer – mithin nicht allzu erinnerungswürdig. (kam, 25.8.2021)