Microsoft stellt seine Nutzer vor.

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Wird Windows 11 noch auf meinem Rechner laufen? Eine Frage, die eigentlich recht simpel ist, und doch schaffte es Microsoft, mit uneindeutigen Aussagen schon bei der Vorstellung im Juni für gehörige Verunsicherung unter seinen Nutzern zu sorgen. Doch wer meint, das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten aus diesem Vorfall dazugelernt, sieht sich nun eines Besseren belehrt.

Hoffnung

Am Freitag ließ der Windows-Hersteller zunächst mit einer für viele erfreulichen Nachricht aufwarten. Die hohen Hardwareanforderungen, die für einige Kritik gesorgt haben, bleiben zwar prinzipiell aufrecht, aber sie erhalten eine Art Hintertür. Wer einen älteren PC hat, der wird zwar sein System nicht direkt auf die neue Softwaregeneration aktualisieren können, eine manuelles Update soll aber möglich bleiben. Das würde dann so aussehen, dass sich die Interessierten ein Windows-11-ISO – also ein vollständiges Systemabbild – herunterladen und mit dessen Hilfe ihren PC auf den neuesten Stand bringt.

Klingt zunächst irgendwie unnötig umständlich, aber trotzdem für viele Nutzer nach einer guten Nachricht. Denn was Microsoft als alt definiert, klingt für viele noch ziemlich neu. Die offiziellen Mindestanforderungen für Windows 11 sprechen nämlich von Intel-Chips der – erstmals 2017 vorgestellten – achten Core-Generation oder der zweiten Generation von AMD Ryzen. Damit würden selbst einige noch gar nicht so alte Microsoft-Geräte wie das Surface Studio 2 kein Windows 11 mehr erhalten.

Ein Rückzieher

Gute Nachrichten also? Leider nur oberflächlich. Denn auf Microsofts Blogposting folgte erfreute Berichterstattung in zahlreichen Tech-Medien, die wiederum den Windows-Hersteller zu einer kleinen, aber nicht ganz unwichtigen Präzisierung veranlasste. Wer diesen alternativen Update-Weg wählt, der bringt sich damit nämlich um ein offizielles Update-Versprechen. Microsoft garantiere Softwareaktualisierungen – und zwar selbst kritische Sicherheitsbereinigungen – nämlich nur für die neueren Prozessoren, betont der Softwarehersteller nun.

Was das in der Praxis heißen wird, will das Unternehmen auch auf Nachfrage bisher nicht weiter präzisieren. Es kann also gleichermaßen sein, dass man sich in dieser Frage nur absichern will, falls in ein paar Jahren dann einmal der Support für ältere Systeme nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Genauso gut könnte es aber auch sein, dass solche Systeme schon kurz nach dem Windows-11-Start nicht mehr alle Fehlerbereinigungen erhalten und so zu einem echten Sicherheitsproblem werden.

Finger weg

Für die Nutzer führt dies aber zu einer unerfreulichen Situation: Eigentlich kann man niemandem raten, auf einem produktiv genutzten System solch einen alternativen Update-Weg zu beschreiten. Das Risiko, plötzlich mit kritischen Sicherheitslücken, die nicht mehr schließbar sind, dazustehen, ist einfach zu hoch.

TPM 2.0 und Secure Boot

Unabhängig von der Prozessorfrage lässt man an zwei anderen Mindestanforderungen hingegen keinen Zweifel mehr. Windows 11 soll offiziell nur auf Systemen laufen, die ein "Trusted Platform Module" (TPM) 2.0 aufweisen. Auch der Secure-Boot-Support zur Absicherung des Startprozesses muss im BIOS/UEFI vorhanden und aktiviert sein. Microsoft hatte bei den Mindestanforderungen unbeabsichtigt Hoffnungen unter manchen seiner Nutzer geweckt, da diese in frühen Testversionen von Windows 11 noch nicht in vollem Umfang geprüft wurden. In aktuellen Insider-Previews sind Dinge wie TPM 2.0 nun aber bereits eine fixe Voraussetzung.

Microsoft argumentiert für die strikten Mindestanforderungen vor allem mit Sicherheits-, aber auch Stabilitätsgründen. So verweist man etwa darauf, dass Geräte mit solch neuer Hardware im Schnitt um 52 Prozent weniger Kernel-Mode-Abstürze produzieren. Die Voraussetzung eines TPM erlaube es wiederum, Windows besser gegen aktuelle Angriffe abzusichern. Die Hardwarepartner wird es aber wohl auch nicht stören, dass sich infolge dieser Entscheidung nun viele Nutzer einen neuen PC kaufen müssen, wenn sie Windows 11 mit uneingeschränktem Support benutzen wollen. (Andreas Proschofsky, 30.08.2021)