Elisabeth Moss in "The Handmaid's Tale".

Foto: AP/Sophie Giraud/Hulu

Wien – "The Handmaid's Tale" war schon immer eine Serie, die leicht zu bewundern, aber zuweilen nur schwer zu ertragen war. Sie wurde zu einer Serie, in der Frauen immer wieder geschlagen, vergewaltigt und gefoltert wurden. Zum Glück gibt die vierte Staffel (ab Donnerstag bei Magenta TV) den Zuschauern wieder Hoffnung und verhandelt die schwierige Frage: Was tun mit neu gebotener Freiheit? Es lohnt sich, dabei zu bleiben.

"The Handmaid's Tale" war vom ersten Moment an eine beeindruckende Dramaserie, die sich weitgehend an der Handlung von Margaret Atwoods feministischem Roman aus dem Jahr 1985 anlehnte. Die Heldin der Serie, June Osborne (Elisabeth Moss), wurde aus ihrer Familie gerissen. Sie wurde dann von einem frauenfeindlichen Staat namens Gilead zu einer Art Gebärmaschine versklavt und immer wieder von einem Mann (Joseph Fiennes) vergewaltigt, während sie von seiner unfruchtbaren Ehefrau (Yvonne Strahovski) festgehalten wurde.

Als die erste Staffel nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump in den USA startete, schien die Geschichte für viele Amerikaner so relevant wie noch nie. Die faschistische Fantasie der Serie, die Frauen ihrer Rechte beraubte, erinnerte viele Menschen an sehr reale Ängste vor Männern mit Macht, die Gesetze über Frauenkörper besiegeln. Die roten Roben der versklavten Mägde wurden auf der ganzen Welt zum Symbol für den Widerstand. Die zweite Staffel landete mitten in der #MeToo-Ära. Die dritte Staffel tappte in eine Welle von US-Gesetzen, die es den meisten Frauen extrem schwer machen sollten, eine legale Abtreibung zu erhalten.

Gefangen im Horror-Hamsterrad

Aber die zweite und dritte Staffel schienen den Status quo der Serie nicht wirklich verändern zu wollen. June steckte in einer Art Horror-Hamsterrad fest, und ihr Trauma wiederholte sich, während sie zwischen Freiheit und Folter baumelte. Zum Glück gewinnt die neue Staffel von Schöpfer Bruce Miller und seinem Autorenteam endlich wieder an Schwung.

Sie setzt dort an, wo die dritte Staffel aufgehört hat: June hat ein Flugzeug voller Kinder nach Kanada geschmuggelt, um sie vor dem grausamen Regime zu retten. Die Kinder sind sicher gelandet, aber June blutet aus einer Schusswunde am Bauch. Sie wird von ihren Anhängerinnen in Sicherheit auf eine Farm gebracht und wird dann zum Leuchtfeuer der Rebellion. Sie sagt sich, dass die Revolution sie braucht. "Schmerz macht deine Welt klein", denkt sie und ist bereit, Gilead um jeden Preis zu zerstören. Sie scheint es jetzt zu genießen, Menschen zu töten, und sie hat nur wenig Geduld für diejenigen, die ihr dabei im Weg stehen.

Trailer zur vierten Staffel von "The Handmaid's Tale".
Hulu

Es wird ihr schließlich endlich gelingen, Gilead zu verlassen, und es ist schwierig zu erklären, was das Drama in dieser Staffel besonders überzeugend macht, ohne zu viel zu spoilern. Aber die Frage ist: Was bedeutet Freiheit? Was damit tun? Und ist Gewalt jemals gerechtfertigt? Das gruselige Ehepaar, das sie gefoltert hat, sitzt im Gefängnis in Kanada, aber der Nachbarstaat Gilead existiert immer noch in der Realität und auch in ihr drinnen. Emily (Alexis Bledel), Moira (Samira Wiley) und Rita (Amanda Brugel) tun ihr Bestes, um ihr Trauma zu verarbeiten.

Schwierige Rückkehr zur Normalität

Während alle um June herum versuchen, ein "normales" Leben zu führen, inklusive ihres verständnisvollen Ehemannes (O.T. Fagbenle), besteht sie darauf, dass sie das, was ihr passiert ist, nicht vergessen kann. Und wer kann es ihr verübeln? Es ist schwierig, nach all dem Horror einfach wieder zur Normalität zurückzukehren, genauso wie es sich schwierig anfühlt, in oder nach einer Pandemie ein Gefühl von Normalität zu finden.

"The Handmaid's Tale" bleibt ein Teil des kulturellen Zeitgeistes, gefüllt mit klassischen Liedern wie Lesley Gores "You Don't Own Me", das läuft, während sich ein paar Mägde an einem Widerling rächen. Elisabeth Moss, die bei drei von zehn Folgen auch Regie geführt hat, trägt jetzt kein Rot mehr an ihrem Körper, aber es brodelt immer noch in ihrer Brust. (APA, 30.8.2021)