Eine Reaper-Drohne mit Zusatztank über Kabul.

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Links das Fahrzeug, in dem Zemari Ahmadi getötet wurde.

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Die Lehmwand hinter dem weißen Toyota hielt stand.

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Nachbarn begutachten die Schäden.

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Beschädigte Türen.

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Kabul – Seit Jahren gibt es Berichte darüber, dass US-Drohnenangriffe in Afghanistan zahlreiche unschuldige Opfer fordern. Da die Luftschläge normalerweise Ziele in abgelegenen Regionen treffen, sind diese Angaben meist schwer zu überprüfen. Doch am 29. August traf eine von einem unbemannten Flugkörper abgefeuerte Rakete ein Auto in der Hauptstadt Kabul und tötete zehn Menschen, darunter sieben Kinder.

Der Lenker des weißen Toyota Corolla, Zemari Ahmadi, arbeitete für die US-Hilfsorganisation Nutrition and Education International aus dem kalifornischen Pasadena, sein Neffe Ahmad Naser, der ebenfalls ums Leben kam, war im westafghanischen Herat für die US-Armee tätig. Ahmadis Vorgesetzter sagte der "New York Times", dass dieser am Tag vor dem Angriff in einer Suppenküche gearbeitet habe, die vegetarische Mahlzeiten für Flüchtlingslager zubereitet.

Angehörige dachten an Autobombe

Die "New York Times"-Reporter Matthieu Aikins und Najim Rahim besuchten wenige Tage nach dem Luftangriff das Haus, vor dem das Fahrzeug explodiert war. Angehörige Ahmadis, die den Angriff überlebt hatten, erzählten, dass sie davon ausgegangen seien, die Taliban hätten eine Autobombe gezündet.

Das US-Militär hat eine Untersuchung eingeleitet. Aufzeichnungen das Videosignals der Reaper-Drohne sollen belegen, dass der weiße Toyota vor einem Haus hielt, das der afghanische Ableger der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" als Versteck benutzte.

Anschließend führte der Fahrer Anweisungen aus, die er per (abgehörtem) Funk aus dem IS-Haus erhielt. Er fuhr durch Kabul, setzte Mitfahrer ab und nahm andere auf.

Drohne verfolgte Fahrzeug

Später wurde gefilmt, wie Männer schwere Gegenstände in das Fahrzeug luden – die Analysten vermuteten, dass es sich um Sprengstoff handelte. Wenige Tage zuvor hatte ein IS-Selbstmordattentäter vor dem Flughafen von Kabul mehr als 180 Menschen getötet.

Als das Auto vor einem Gebäude in der Nähe des Flughafens anhielt, entschied sich das US-Militär für einen Angriff. Während die Hellfire-Rakete unterwegs zu ihrem Ziel war, sahen sie noch, wie sich mehrere Personen dem Toyota näherten.

Die Familie berichtet, dass Zemari Ahmadi mehrere Arbeitskollegen nach Hause gebracht hatte, bevor er zu seinem Haus, in dem er mit seinen drei Brüdern und deren Familien lebte, fuhr. Die Kinder drängten sich um das Fahrzeug, eines durfte einsteigen. Dann schlug die Rakete ein.

Laut US-Angaben ist auf den Videoaufzeichnung deutlich zu erkennen, dass es nach der Explosion des Zehn-Kilo-Sprengkopfs zu einer weiteren Explosion kam. Dabei sei im Auto versteckter Sprengstoff explodiert. Einen sicheren Beleg dafür gibt es allerdings nicht. In der vorläufigen Analyse des Pentagons heißt es, dies sei "möglich bis wahrscheinlich".

Die Explosion zerstörte Türen und Fenster nahegelegener Häuser, richtete aber keine weiteren Schäden an. Die Lehmwand direkt neben dem Toyota stürzte nicht ein. (bed, 7.9.2021)