Baumgartner war wieder einmal einer der Besseren im ÖFB-Team, letztlich fehlte es auch ihm an Durchschlagskraft.

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Artistische Aktion von Arnautovic, aber letztlich kam nicht viel Brauchbares von ihm.

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Bachmann hatte beim Elfer Pech, der Ball flog unter ihm hindurch ins Netz.

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Dykes traf vom Punkt und die Schotten hatten Spaß in Wien.

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Überhaupt nicht lustig war's für Österreich. VAR entschied recht schnell, dass dies kein Elfmeterfoul an Baumgartner war.

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Schon wieder nichts. Österreichs Fußballnationalmannschaft bleibt konsequent, spielt eine grottenschlechte WM-Qualifikation. Am Dienstagabend gab es in Wien ein letztendlich übles 0:1 gegen Schottland. Im Vergleich zum originellen 2:5 in Israel gab es drei durchaus nachvollziehbare Veränderungen. Philipp Mwene, Stefan Posch und Alessandro Schöpf raus, Christopher Trimmel, Stefan Ilsanker und Louis Schaub rein. Barcelonas Yusuf Demir saß erneut auf der Bank, was auch keine Überraschung war. Dem Drängen der Medien wird selten nachgegeben, was prinzipiell ganz gut ist. Allerdings sollten Ausnahmen die Regel bestätigen.

Teamchef Franco Foda korrigierte sich selbst, Vierer- statt Dreierkette in der Abwehr. Wobei er dem System nie eine tragende Rolle zumisst (es war trotzdem ein 4-2-3-1), es geht im Fußball um Flexibilität. Und ums Gewinnen. Speziell in dieser Partie, schließlich ist Foda inoffiziell angezählt. Er beteiligt sich an den Diskussionen nicht. "Weil ich überzeugt bin, dass wir das Finalspiel gewinnen. Es liegt an uns."

Im Happel-Stadion hatten sich am Dienstagabend 18.000 Zuschauer eingefunden, die relativ geringe Zahl hatte natürlich auch mit der Pandemie zu tun. Das Team wurde freundlich empfangen. Die Schotten, die Nummer 49, gelten als robust und zweikampfstark, spielerisch gibt es allerdings ausreichend Luft nach oben.

Engagierter Start

Die ÖFB-Auswahl startete durchaus engagiert und druckvoll. Die erste hochkarätige Chance hatte trotzdem der Gast. 8. Minute: Daniel Bachmann parieret einen Kopfball von Lyndon Dykes glänzend. Es entwickelte sich eine rasante, ansehnliche Partie. Kapitän David Alaba, der Linksverteidiger, spulte ein enormes Laufpensum ab, viele Angriffe liefen über ihn. Andererseits blieb nicht verborgen, dass die Schotten kaum in Gefahr gerieten. Und ihrerseits den Eindruck vermittelten, durchaus auch offensive Ambitionen zu hegen.

Martin Hinteregger sah nach einem robusten Foul an McGregor die gelbe Karte, kurz darauf wurde der österreichische Innenverteidiger erneut auffällig. Er zog im Strafraum Adams gefühlte drei Minuten am Leiberl, riss ihn nieder. Der bulgarische Schiedsrichter Kabakow ließ weiterspielen, der Videoreferee VAR sorgte für Gerechtigkeit. Klarer Elfer. 30. Minute: Dykes verwandelt mit Bauchweh zum 0:1. Dass Hinteregger nicht Gelb-Rot gezeigt wurde, fällt unter die Rubriken "Glück" und "Unverständnis".

VAR: Kein Elferfoul an Baumgartner

Kurz vor dem Pausenpfiff schritt der VAR noch einmal ein, beurteilte eine Attacke an Christoph Baumgartner aber als nicht elferreif. Fazit der ersten Halbzeit: Der Wille war vorhanden, Wege wurden jedoch keine gefunden. Nach Wiederanpfiff versuchte Österreich, ein Powerplay aufzuziehen. Die Schotten machten dicht. 55. Minute: Foda bringt Stürmer Michael Gregoritsch (warum nicht Ercan Kara?) für die Defensivkraft Ilsanker. Die Fans wurden unruhig, sie pfiffen, es waren "Foda raus"-Rufe zu vernehmen.

68. Minute: Konter Schottland, Bachmann verhindert gegen O'Donnell das 0:2. Die Vorstellung der Österreicher wurde immer bescheidener, es fehlten die Kraft, der Plan, die Ideen und das Können. 76. Minute: Demir (warum so spät?) kommt. 79. Minute: Baumgartner köpfelt fast den Ausgleich. Schlussendlich war der Erfolg der Schotten verdient. Baumgartner sagte: "Es herrscht pure Enttäuschung, wir bringen die Qualität nicht auf den Platz." Marko Arnautovic und Alaba beruhigten derweil die aufgebrachten Fans.

Siege für Dänemark und Färöer

Spitzenreiter Dänemark fertigte Israel 5:0 ab. Die Dänen halten beim Maximum von 18 Zählern und dem famosen Torverhältnis von 22:0. Die Färöer schlugen Moldau 2:1. Österreich macht als Gruppenvierter am 9. Oktober auf den Färöern weiter und gastiert drei Tage später in Dänemark. Davor oder spätestens danach wird sich Foda der Teamchefdiskussion stellen müssen. (Christian Hackl, 7.9.2021)

Stimmen nach dem Spiel:

Franco Foda (ÖFB-Teamchef), zum Spiel: "Wir haben eigentlich gut angefangen, waren 25 Minuten gut im Spiel, haben Druck ausgeübt und hatten Torschussmöglichkeiten. Nach dem 0:1 haben wir aber etwas die Kontrolle über das Spiel verloren. Wir wollten nach der Halbzeit weitermachen wie in den ersten 30 Minuten. Aber wir haben zu wenig über die Flügel gespielt, haben uns zu wenig durchgesetzt im Eins-gegen-eins. Wir waren bis 20 Meter vor dem Tor gut, haben dann oft nicht die richtige Entscheidung getroffen. Aber die Mannschaft hat alles versucht, das Spiel zu drehen. Wir hatten noch die Riesenmöglichkeit von Baumgartner, da hat etwas Glück gefehlt. Vielleicht wäre das der Öffner gewesen, um das Spiel komplett zu drehen."

Zu den letzten drei Spielen: "Wir wollten den Schwung von der EM mitnehmen. Im Moment befinden wir uns aber in einer schwierigen Phase, da müssen wir durch. Wir müssen weiter an uns glauben. Wenn man aus sechs Spielen nur sieben Punkte mitnimmt, ist das natürlich zu wenig. Es wäre mehr möglich gewesen. Insgesamt waren wir in der Defensive zu fehleranfällig und haben offensiv unsere Möglichkeiten nicht genutzt. Jetzt ist es einmal wichtig, in den nächsten zwei, drei Tagen ohne Emotionen, ohne Populismus an die Sache heranzugehen. Was war gut, was weniger an diesem Lehrgang."

Zu Trainerdiskussion: "Das sind Dinge, die man als Trainer am wenigsten beeinflussen kann. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Ich bin gerne Teamchef von Österreich und tue alles, um mit der Mannschaft Erfolg zu haben. Alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich gehe davon aus, dass ich das Playoff bestreiten werde. Wir haben noch vier Spiele, wir werden alles versuchen, um diese zwölf Punkte zu holen."

Marko Arnautovic (ÖFB-Offensivspieler): "Wenn dir irgendwann die Lösungen ausgehen, ein Tor zu machen, dann ist es schon schwierig, dann bist du einfach komplett verloren. Die Spieler, die am Platz stehen, müssen schauen, dass sie die Spiel gewinnen. Ich werde keinen kritisieren, ich habe natürlich auch nicht meine Leistung gebracht, das ist klar. Es ist schon hart, wenn man am Platz steht und keinen Ausweg findet, ein Tor zu machen, das ist schade. Wir dachten nicht, dass Schottland so nach hinten geht. Ich denke, es hat nichts mit dem Willen zu tun, wir waren einfach verloren, hatten keine Lösung, keinen Ausweg, dann geht auch nichts."

Zu Diskussionen mit den Fans nach dem Spiel: "Ein Leiberl und ein Autogramm wollten sie sicher nicht. Sie waren natürlich sauer, zu Recht, muss ich ehrlich sagen. Die Leute haben bei der Euro eine Mannschaft auf höchstem Niveau gesehen und jetzt die letzten drei Spiele nicht das Level erreicht."

David Alaba (ÖFB-Kapitän): "Schwierig zu erklären, jetzt unmittelbar nach dem Spiel. Wir haben gut begonnen in der ersten Halbzeit, haben Druck gemacht, sind über die Flanken gekommen. Aber die richtige Lösung haben wir nicht gefunden. Der letzte Pass, der Abschluss hat einfach gefehlt. Nach dem 0:1 war es gegen tiefstehende Schotten nicht so einfach. Wenn man auf zwei Niederlagen in drei Spielen zurückblickt, versteht man die Unruhe. Natürlich gehört Kritik dazu, aber wie die speziell nach dem Israel-Spiel ausgefallen ist, da habe ich eine andere Meinung. Uns da Lustlosigkeit vorzuwerfen, das sehe ich nicht so. Heute haben wir uns mehr vorgenommen, aber haben keine zwingenden Lösungen gefunden. Es ist nicht so lang her, wo wir erfolgreich waren. Und jetzt schaut die Welt schon wieder anders aus. Das geht bei uns zu Hause sehr schnell, aber das wissen wir."

Martin Hinteregger (ÖFB-Verteidiger), zum Elfmeter: "Wenn der Stürmer selbst sagt, es war kein Elfer, sagt das eh alles. Keine Ahnung, warum der Schiedsrichter so entschieden hat. Da spielen deutsche gegen englische Legionäre, da geht es im Sechzehner schon zu. Für mich war es eindeutig zu wenig."

Zum Spiel: "Wir habe denen einfach teilweise in die Karten gespielt. Nur mit Flanken gegen diese drei Büffel da hinten, das war nicht richtig. Wir hätten mehr durch die Mitte spielen müssen. Das ist das Einzige, was wir uns anrechnen müssen. Die Schotten sind auch keine schlechte Nation. Wir hatten mehr vom Spiel, aber es hilft nichts. Wir haben es nicht geschafft, ein Tor mehr zu schaffen als der Gegner. Wir hätten in der zweiten Halbzeit vielleicht andere Ansätze finden müssen."

Christoph Baumgartner (ÖFB-Offensivspieler): "Ich verstehe, dass jeder Österreicher enttäuscht ist, jeder von uns hat sich etwas anderes vorgenommen. Wir haben es heute einfach nicht auf die Wiese gebracht, das ist einfach brutal enttäuschend. Es tut einfach sehr, sehr weh. Wir sind sehr, sehr enttäuscht. Es tut uns einfach leid. Wir haben uns alle den ersten Lehrgang nach der EM ganz anders vorgestellt. Jetzt stehen wir mit drei Punkten da, das ist einfach zu wenig, das ist einfach pure Enttäuschung. Es hört sich vielleicht blöd an, aber wir haben alles probiert. Wir haben es überhaupt nicht geschafft, dass wir zu klaren Torchancen kommen. Es ist einfach extrem enttäuschend, es tut uns leid für ganz Österreich. Wir haben es schon manchmal ordentlich gemacht, schaffen es dann aber nicht, den letzten Pass zu spielen. Es hat viel mit Einzelleistungen zu tun. Ich glaube, dass wir heute zu wenig Spieler am Platz gehabt haben, die 100 Prozent Leistung gebracht haben. Da nehme ich mich vorne weg, das war nicht das Spiel, das ich draufhabe. Das gilt für einige andere auch. Wenn du zu viele davon hast, dann verlierst du einfach."

Zum nichtgegebenen Elfmeter: "Den kann man auf jeden Fall geben, ich finde es schon hart. Wenn das kein Elfmeter ist, dann weiß ich es auch nicht. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass das entscheidend war und wir uns auf den Schiedsrichter ausreden sollten. Es liegt schon an uns, das war einfach zu wenig."

Stefan Ilsanker (ÖFB-Mittelfeldspieler): "Ich denke, wir haben alles versucht, aber leider ist uns nicht sehr viel gelungen. Wir müssen es endlich schaffen, dass wir die Qualität, die wir zweifelsohne in der Mannschaft haben, auf den Platz bringen und Gegner wie Schottland, die bei weitem nicht die Qualität wie wir haben, zu Hause schlagen. Ich möchte mich einfach entschuldigen bei den vielen Fans, die ins Stadion gekommen sind, die weiter zu uns halten und uns, egal wie wir spielen, egal wie es gerade läuft, immer den Rücken stärken. Wir wollten heute unbedingt gewinnen."

Zum Ärger nach seiner Auswechslung: "Das ist eine sehr unangenehme Frage, ich sage jetzt nichts. Ich glaube, das war die Phase, wo wir gefühlt näher an einem Tor dran waren als die ganze erste Halbzeit. Ich habe mich sehr gut gefühlt. Ich denke, in der Phase habe ich viel für das Spiel gemacht, wollte der Mannschaft helfen, dass wir das Spiel drehen und wir endlich wieder gewinnen."

Lyndon Dykes (Schottland-Torschütze): "Wir haben uns als Einheit präsentiert. Es war nicht mein bester Elfer, aber er war scharf und im Tor. Wir sind jetzt in einer guten Position in der Gruppe."

Steve Clarke (Schottland-Teamchef): "Es war eine starke Leistung von uns, aber nicht überraschend, denn wir haben eine guten Kader. Wir haben auch fußballerisch eine starke Leistung geboten. Wir sind kein Lange-Bälle-Team, als das uns manche bezeichnen, wir können auch gut passen und haben das heute gezeigt. Unsere nächsten WM-Quali-Spiele sind alle wie ein Cupfinale."

Fußball-WM-Qualifikation, Gruppe F, 6. Runde, Dienstag

Österreich – Schottland 0:1 (0:1)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 18.800 Zuschauer, SR Kabakow (BUL)

Tor: 0:1 (30.) Dykes (Elfmeter)

Österreich: Bachmann – Trimmel, Dragovic, Hinteregger, Alaba – Ilsanker (56. Gregoritsch), Grillitsch (77. Ulmer) – Laimer (88. Kara), Schaub (76. Demir), Baumgartner – Arnautovic

Schottland: Gordon – Hendry, Hanley, Tierney – O'Donnell (77. McGinn), Gilmour (88. Ferguson), J. McGinn, McGregor, Robertson – Adams (88. Nisbet), Dykes (71. Christie)

Gelbe Karten: Hinteregger, Dragovic bzw. Adams, Hanley