Die Skyline von Abu Dhabi. In der Stadt wird wieder gebaut, als hätte es keine Krise gegeben

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Es ist noch ein weiter Weg, soviel wird schnell klar. Es ist Freitagabend in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Arabischen Emirate und eine Reihe von österreichischen Unternehmern, die hier groß im Geschäft sind, sitzen in einem der Luxushotels beisammen. Sie stellen sich und ihre Projekte vor.

Mit dabei: Vertreter der Öl- und Gasindustrie sowie ihre Berater und Planer. Daneben diverse Bauunternehmen, große Stahlerzeuger und Stahlverarbeiter. Hier und da spricht zwar einer der Firmenvertreter die Nutzung erneuerbarer Energien an. Aber es bleibt eher die Ausnahme. Der CO2-Abdruck der Runde, soviel lässt sich erahnen, ist nicht gerade Bescheiden. Das sei kein Wunder, sagt einer der Unternehmer später. In den Vereinigten Emiraten lasse sich schließlich bis heute mit zwei Dingen Geld verdienen: Öl und Bau.

Die Emirate sind tatsächlich ein Worst-Case-Beispiel, wenn es um Klimaschutz geht. Der CO2-Ausstoß pro Kopf ist einer der höchsten auf der Welt. Das liegt nicht nur an der Erdölförderung, sondern auch an den vielen Mega-Bauprojekten, die das Land prägen, von Hotels über künstlich aufgeschütteten Inselprojekten bis hin zur größten Indoor-Skihalle, die gerade in Abu Dhabi errichtet wird.

Neue Strategie

Aber auch die Emirate setzen auf Ökologisierung. Im Rahmen einer vor vier Jahren fixierten "Strategie 2050" will das Land in 30 Jahren 70 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, das ist siebenmal mehr als aktuell. Die Emirate stehen zwar erst am Beginn dieser Transformation, wollen aber nach eigenen Angaben 160 Milliarden US-Dollar (135 Milliarden Euro) dafür in den kommenden Jahren investieren. Und an diesem Prozess will sich auch Österreich beteiligen.

So sitzt zwischen den Unternehmern an diesem Freitagabend in Abu Dhabi auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Es ist der Auftakt einer viertägigen Tour des Ministers durch die Golfregion, die ihn hierher geführt hat. Neben politischen Gesprächen ( Stichwort Machtübernahme der Taliban in Afghanistan) lanciert Schallenberg auch eine neue Initiative der Regierung namens "Re Focus"-Austria.

Dabei will das Außenministerium in Kooperation mit der Wirtschaftskammer österreichische Unternehmen nach dem Pandemiejahr 2020 wieder verstärkt dazu animieren, ihre Chancen im Ausland zu nutzen. Unter anderem durch die Organisation kultureller Events im Ausland, aber durch mehr direkten Austausch im Rahmen von Reisen.

Schallenberg hat deshalb eine Wirtschaftsdelegation am Golf mit dabei, die Kontakte knüpfen sollen. Eines der Ziele der österreichischen Regierung, für die der Minister in Abu Dhabi wirbt, ist es eine Wasserstoffallianz mit den Emiraten vorantreiben. Dafür soll offiziell ein Kooperationsabkommen im Herbst unterzeichnet werden, um gemeinsame Forschungsvorhaben zu finanzieren.

Saubere Energie

Die Emirate sind als Partner denkbar gut geeignet. Um grünen Wasserstoff herzustellen, wird Wasser unter Einsatz von Elektrizität in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Die Emirate könnten den dafür benötigten Strom aus Solarenergie und damit sauber herstellen.

Es gibt auch andere Ideen: Im Tross von Schallenberg mit dabei ist auch Gerhard Thonhauser, Chef der TDE-Group, eines österreichischen Dienstleisters für die Öl- und Gasindustrie. Das Unternehmen will "vom Saulus zum Paulus" werden, wie Thonhauser sagt und aus dem Öl-Geschäft nach und nach aussteigen. Sein Unternehmen will künftig Wasserstofferzeugungsanlagen für die Industrie konzipieren. Das Vorhaben steckt noch wie vieles bei der Wasserstofftechnologie in den Kinderschuhen. Thonhauser sucht in Abu Dhabi Investoren für sein Vorhaben.

Mit dabei bei der Reise ist freilich auch der klassische Energieriese, die OMV. Das Unternehmen ist der mit Abstand größte Investor aus Österreich in den Emiraten: Der Konzern kaufte im Jahr 2019 Anteile an einer ADNOCH (Abu Dhabi National Oil Company) Raffinerie in Abu Dhabi für rund 2,2 Milliarden Euro. Er fördert zudem vor der Küste Öl. Der OMV war es besonders wichtig, dass Außenminister Schallenberg auch die Emirate besucht: Die politischen Kontakte müssen hier passen, nur dann läuft das Geschäft.

Abseits von Energie

Das Potenzial dafür dürfte aber auch abseits der Energiesparte vorhanden sein. Richard Bandera, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Abu Dhabi, sagt, dass die Emirate außerhalb Europas zu dem drittwichtigsten Zielmarkt Österreichs hinter den USA und China geworden sind. Das hat mehrere Gründe: Die Emirate sind ein Knotenpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika. Das arabische Land wird zwar autoritär regiert, bietet aber mehr persönliche Freiheiten als die benachbarten arabische Staaten. Das Land ist schon jetzt Österreichs wichtigster Handelspartner in der Golfregion.

Alexander Schallenberg bei einem Treffen mit Gesundheitsminister der Emirate, Sheikh Abdullah bin Mohammed Al Hamed, im Al-Reem-Spital in Abu Dhabi

Die Einheimischen verfügen über eine beachtlich hohe Kaufkraft. So ist die Wirtschaftsleistung pro Kopf nur etwas niedriger als jene in Österreich. Wobei die Verteilung hier eine ganz andere ist. Ein großer Teil der Einwohner der Emirate besteht aus billigen ausländische Arbeitskräften, die auf Baustellen, in Hotels und Restaurants arbeiten.

Die Pandemie hat zwar auch in den Emiraten Spuren hinterlassen. Laut Zahlen des Internationalen Währungsfonds ist die Wirtschaftsleistung des Landes 2020 um 5,9 Prozent geschrumpft. Gut 15 Prozent der ausländischen Arbeitskräfte haben das Land verlassen. Doch heuer wächst die Wirtschaft wieder kräftig. Die österreichischen Exporte in das Land waren zudem stabil, trotz Krise.

Wie wichtig die Emirate für Österreich geworden sind zeigt auch, welcher Besucherreigen bevorsteht: Noch im Herbst sind Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) angekündigt. (András Szigetvari, 11.9.2021)