Tim Cook präsentierte ein erneut perfekt inszeniertes Event, das jedoch Überraschungen vermissen ließ.

Foto: Reuters, Apple

Am Dienstag hat Apple unter dem Motto "California Streaming" sein neues Flaggschiff – das iPhone 13 – präsentiert. Der wie immer perfekt choreografierte Stream ließ auf die wenigen, aber nicht unwesentlichen Neuerungen blicken und räumte auch den beiden Nebendarstellern, neuen iPads und einer neuen Apple-Watch-Generation, ausreichend Raum ein.

Zwei neue iPads

Zwei neue iPad-Modelle präsentierte Apple selbstsicher. Angetrieben vom neuen A13-Bionic-Chip, der 20 Prozent leistungsfähiger sein soll als sein Vorgänger, wird sowohl das iPad als auch das iPad Mini neu aufgelegt. Neben der Leistung verbesserte Apple auch die beiden Kameras der Geräte. Durch die neue 12-MP-Ultra-Wide-Kamera findet das bereits vom iPad Pro bekannte "Center Stage"-Feature in die Generation. Dieses erkennt durch die Kamera Menschen und folgt ihnen, wenn die sich vor der Kamera bewegen.

Das neue iPad unterstützt ältere Accessoires, etwa Hüllen, Tastaturen oder den Apple Pencil – und kommt mit dem neuen iOS 15. Dieses bringt neue Multitasking-Möglichkeiten, überarbeitete Notes und vieles mehr, was aber nur in Nebensätzen erwähnt wurde. iOS 15 bekommt offenbar noch einmal eine eigene Bühne.

Das iPad Mini wurde in vier Farben – Lila, Pink, Gold und Schwarz – präsentiert. 8,3 Zoll ist das Display groß, Touch-ID wird weiterhin via Taste am oberen Rand des Geräts ausgelöst. Erstmals findet sich USB-C als Anschluss, dazu Stereosound, und der Apple Pencil der zweiten Generation hält sich dank eines Magneten an der Seite des iPads.

Das iPad kann ab sofort ab 379 Euro (64 GB) bestellt werden und bereits nächste Woche in den Händen gehalten werden. Das iPad Mini gibt es ab 549 Euro (64 GB).

Zwei neue iPads stellte Apple vor.
Foto: Reuters, Apple

iPhone 13

Der große Star des Abends war selbstredend das iPhone 13. Wie die Gerüchteküche es vorhergesehen hat, präsentierte Apple wie im Vorjahr vier Modelle, die auch die kantige Designsprache der 12er-Serie übernommen haben. Sowohl das kommerziell weniger erfolgreiche Mini mit seinem 5,4-Zoll-Display wird neu aufgelegt, als auch das iPhone ohne Zusatznamen. Beide bekommen ein neues Retina-Display, das knapp 30 Prozent heller sein soll, als sein Vorgänger. 1.200 Nits verspricht Apple für dieses neue OLED-Display. Ein neues Dualkamerasystem soll klarere Bilder ermöglichen. In der 12-MP-Wide-Kamera wurde der bisher größter Sensor verbaut, der 50 Prozent mehr Licht durch die Linse einfängt als bisher. Die neue Ultra-Wide-Kamera, ebenfalls mit 12 MP ausgestattet, erfreut als Bonus. Die Bildstabilisierung, die bisher nur in den Pro-Modellen zu finden war, ist in diesem Jahr in allen iPhones verbaut.

Die Notch an der Vorderseite wurde tatsächlich in allen Modellen verkleinert, laut Apple um etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorgänger, die mittlerweile weit subtilere Methode des Mitbewerbs, die Frontkamera zu verstecken und Face-ID zu verbauen, gelang Apple in diesem Jahr jedoch nicht.

Bei Videos gibt es den neuen Cinematic-Modus. Damit wird schnell zwischen der Schärfe im Vordergrund und der Schärfe im Hintergrund gewechselt, wie es in vielen Filmen als Stilmittel eingesetzt wird. Dieser Wechsel wird von der künstlichen Intelligenz der Kamera selbstständig ausgeführt, oder man entscheidet sich dafür, selbst die Kontrolle zu übernehmen.

5G-Kompatibilität gab es bereits im Vorjahr für alle Modelle. Deshalb ist es wenig überraschend, dass sich dieses Feature auch im iPhone 13 findet. Die Unterstützung von 5G soll jedoch auf 60 Länder weltweit ausgeweitet werden, damit das Feature nicht nur in der Theorie eine schnellere Verbindung ermöglicht.

Auch der Akku soll mehr Power enthalten. Beim Mini soll das Smartphone 1,5 Stunden, beim iPhone 2,5 Stunden länger als in den jeweiligen Vorgängern halten. Preislich fängt man beim Mini bei 799 Euro an, dafür bekommt man erstmals immerhin 128 GB Speicher. Zwei weitere Modelle ermöglichen alternativ 256 oder 512 GB. Das iPhone 13 gibt es ab 899 Euro, ebenfalls mit 128 GB.

Auch das kommerziell weniger erfolgreiche iPhone Mini wird dieses Jahr neu aufgelegt.
Foto: Reuters, Apple

iPhone 13 Pro

Die zwei Pro-Modelle erhalten wie gewohnt Extra-Features. So gibt es nur in der "Elite" der iPhones das neue Super-Retina-XDR-120-Hz-Display, das einen dynamischen Wechsel zwischen verschiedenen Bildfrequenzen ermöglicht. Bei stehenden Bildern kann auf bis zu 10 Hz reduziert werden, scrollt man schnell über eine Seite oder spielt man ein Action-Game, wird auf die 120 Hz zurückgegriffen. Beim Akku hält man es wie bei den anderen iPhone-13-Modellen und erweitert die Akkulaufzeit um 1,5 Stunden bei iPhone 13 Pro und um 2,5 Stunden beim iPhone Pro Max – immer im Vergleich zum jeweiligen Vorgänger.

Die drei neuen Kameras wurden allesamt in ihren Spezifikationen verbessert und sollen noch bessere Bilder ermöglichen. Wer besonders gerne Details fotografiert, freut sich auf das neue Makro-Feature, das superdetaillierte Nahaufnahmen ermöglicht. Ansonsten wurden mit den Pro-Modellen vor allem Profifotografen und -filmer angesprochen. Das neue ProRes-Videoformat ermöglicht 4K-Aufnahmen mit 30 Bildern pro Sekunde. Mit den Photographic Styles lassen sich zahlreiche Einstellungen vornehmen, etwa Veränderungen am Kontrast, noch bevor man den Auslöser drückt.

Den Nachtmodus unterstützen diesmal alle Linsen, inklusive der Telelinse. Die neuen Kameras lassen auch die Kameraausbuchtung an der Rückseite des Telefons merkbar anwachsen, um Platz für die größeren Linsen zu machen.

Angetrieben werden die Pro-Modelle, genau wie die anderen iPhones dieser Generation, mit dem neuen A15-Bionic-Chip. Einziger Unterschied der neuen 6-Core-CPU bei den iPhone-13-Modellen ist ein stärkerer Grafikprozessor in den Pro-Modellen. Preislich fängt man beim iPhone Pro bei 1.149 Euro an (128 GB) und beim Pro Max bei 1.249 Euro. Das neue 1-Terabyte-Modell ist die preisliche Spitze des Apple-Bergs, mit stolzen 1.829 Euro. Bestellen kann man ab Freitag, erhältlich werden die Geräte dann bereits eine Woche später sein.

Wie viele Analysten erwartet haben, findet sich auch in diesem Jahr keine Touch-ID auf beziehungsweise unter dem Display. Das scheint sich Apple für das kommende Jahr aufzuheben, wie erste Gerüchte wissen möchten. Auch der Notch ist im Verhältnis zur Android-Konkurrenz noch immer riesig. Eine subtilere Lösung scheint für Apple in dieser Generation noch nicht m möglich gewesen zu sein – oder aber, man will sich auch dieses Feature für das iPhone 14 aufheben.

In vier verschiedenen Farben wird man das iPhone 13 Pro und Pro Max kaufen können.
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Apple Watch

Entgegen allen Gerüchten feiert die Apple Watch in ihrer siebenten Generation zwar eine optische Veränderung, wird aber nicht kantiger wie das iPhone, sondern eher runder. Das damit bisher größte Retina-Display hat laut Apple 20 Prozent mehr Fläche als die sechste Generation. Die Ränder sind nur noch 1,7 Millimeter dünn. Das bekannte Rad findet sich erneut zur bequemen Steuerung der Funktionen. Das Display ist 70 Prozent heller als in der vergangenen Generation und zeigt bis zu 50 Prozent mehr Text an. Auf Wunsch kann man eine Tastatur einblenden, um Nachrichten zu tippen. Neue Watch-Faces, also Designs, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

iP6X-Zertifizierung, das heißt staub- und dreckgeschützt, sowie eine weiterhin gute Wasserverträglichkeit sollen die Uhr auch für Sportler interessant machen. Das neue Glas soll widerstandsfähiger sein. Das neue Fast Charging via USB-C-Kabel soll jetzt bis zu 30 Prozent schneller gehen. Bei den fünf neuen Farben kann man erneut aus den Vollen schöpfen, bei den dazugehörigen Armbändern sowieso. Für Österreich gibt es noch keine offiziellen Preise. In den USA kann man ab 399 Dollar bereits vorbestellen. Erhältlich wird die Watch im Herbst sein, wann genau wollte Apple noch nicht verraten.

Die Apple Watch erfährt ein Redesign, allerdings nicht wie vermutet in Richtung iPhone, die Uhr wird sogar eher runder.
Foto: Reuters, Apple

Apple TV+

Ein paar Minuten wurden auch dem hauseigenen Streamingservice Apple TV+ gewidmet. Die Vorschau auf Sendungen, die im Herbst erscheinen, wurde von bekannten Schauspielern begleitet, etwa Tom Hanks, Paul Rudd, Jennifer Aniston – bei Apple geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Neue Features oder bestimmte Produktionen wurden jedoch nicht in Szene gesetzt.

In Österreich fristet Apple TV+ ein Nischendasein. Die Qualität der Produktionen ist allerdings eine sehr hohe.
Foto: Apple, Screenshot

Fazit

Die Präsentation seiner Produkte hat Apple mittlerweile auch in den vorproduzierten Onlineshows perfektioniert. Es ging Schlag auf Schlag beim Vorstellen der neuen Geräte und Features. Große Überraschungen blieben jedoch aus, und so manches Gerücht, etwa das Always-On-Display für die Pro-Modelle, bewahrheitete sich nicht. So ist ab heute der Blick wieder nach vorne gerichtet, zur nächsten Präsentation. Gespannt darf man in jedem Fall auf mehr Details zu iOS 15 sein, das in der Show nur am Rande erwähnt wurde. Hier warten voraussichtlich deutliche Neuerungen auf die Kunden. (Alexander Amon, 14.9.2021)