Letzte Schritte: 25.000 Quadratmeter recycelbares Polypropylen umhüllen das Monument. Ab 18. September wird das Werk 16 Tage lang zu sehen sein.
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Die Bauarbeiten begannen schon am 15. Juli, gleich nach dem französischen Nationalfeiertag, an dem der Arc de Triomphe jeweils als Kulisse für die Militärparade des "quatorze juillet" dient. Mehrere Dutzend Industriekletterer machten sich daran, an dem 50 Meter hohen Bauwerk punktuelle Stahlgerüste anzubringen. Dann umwickelten sie das Denkmal für den Sieg Napoleons in der Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz von 1805 mit roten Seilen. Seit Montag wird nun klar, wozu: Die Seile halten die 25.000 Quadratmeter umfassende Hülle aus (recycelbarem) Polypropylen, die diese Woche über den ganzen Monumentalbau gespannt wird.

Am Samstag, dem 18. September, soll das Werk vollbracht und der Pariser Triumphbogen verhüllt sein. Von wem es stammt, braucht nicht gesagt zu werden: natürlich von Christo Wladimirow Jawaschew, kurz Christo genannt, dem bulgarischen Verpackungskünstler, der unter anderem schon den Reichstag in Berlin (1995) eingekleidet hatte.

Für den Triumphbogen kehrt der im Mai 2020 verstorbene Künstler zumindest mit seinem Werk zu seiner ersten Liebe zurück – Paris. Als 23-Jähriger war er auf der Flucht vor dem kommunistischen Regime seines Landes in die Lichterstadt an der Seine gekommen.

Detailansicht: Metallisch-silbrigblaues Tuch mit roten Seilen.
Foto: AFP / GEOFFROY VAN DER HASSELT

Macron genehmigte endlich

Bald fand er zusammen mit seiner Frau, der Französin Jeanne-Claude Denat de Guillebon (2009 verstorben), zu seinem unverwechselbaren Stil. Sehr früh schon wälzten sie zwei Projekte, die Verhüllung des Pont-Neuf und des Arc de Triomphe. Die Pariser Brücke deckten sie in der Tat 1985 ab, nachdem der damalige Pariser Bürgermeister Jacque Chirac nach jahrelangem Zögern die Bewilligung erteilt hatte.

Ein Tuch über dem Triumphbogen – das kam für die geschichtsbewussten Franzosen aber nicht infrage. Christo nahm das Projekt erst vor vier Jahren wieder auf, und auch nur, weil es bei den Behörden plötzlich auf Zustimmung stieß. Staatschef Emmanuel Macron erteilte 2019 die Genehmigung der Republik.

Herausfordernder Aufbau.
Foto: AP / Rafael Yaghobzadeh

Flagge und Himmel

Der damals 82-jährige Künstler mit dem Woody-Allen-Look widmete sich der technischen Ausführung wie üblich persönlich und regelte die letzten Details wie etwa die Art der Seilknoten. Am wichtigsten war ihm aber das Tuch. Es sollte grobkörnig sein, weil zum Anfassen bestimmt. Die metallisch-silbrigblaue Farbe sollte zusammen mit den roten Stricken entfernt an die französische Nationalflagge gemahnen und vor allem die Farbe des Himmels und der Dächer über Paris wiedergeben.

Christo begeisterte sich an der technischen Herausforderung: "Das unglaubliche Vergnügen besteht doch darin, dass die Hülle die Existenz des Windes wiedergeben kann", sagte er zwei Monate vor seinem Tod in einem Interview. "So kann man den Wind sehen!"

"So kann man den Wind sehen!"
Foto: AFP / GEOFFROY VAN DER HASSELT

Lebendig und vergänglich

Abgesehen davon ist damit keine künstlerische Aussage verbunden. Christo legte in seine "lebenden Objekte", darunter eben auch die Triumphbogenhülle, nie eine Botschaft. Seine ebenso vergänglichen wie spektakulären Konstrukte sollten die Leute, wie er meinte, einzig zur "Diskussion am Straßeneck" verleiten, was Kunst sei. Dass der Triumphbogen vor drei Jahren bei den Sozialprotesten der Gelbwesten teilweise verwüstet worden war, spielte indes nicht mit.

Die Kosten von 14 Millionen Euro für die Verhüllung des Triumphbogens kam durch den Verkauf von Projektstudien des bekannten Künstlerpaares zusammen; eine Subventionierung lehnte es stets kategorisch ab. Christos Neffe Wladimir Jawaschew, der die Einhaltung der letzten Pläne seines Onkels überwacht, setzte auch durch, dass die Verhüllung ohne Zusatztarif besucht werden kann. Nach 16 Tagen wird die vergängliche Haut wieder abgebaut. Sie soll keine Spur hinterlassen, wie der Künstler noch festhielt. (Stefan Brändle aus Paris, 15.9.2021)