In Österreichs Volksschulklassen sitzen im Schnitt nur 18 Schüler.

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Am Donnerstag hat die OECD die Studie "Bildung auf einen Blick 2021" (Education at a Glance) veröffentlicht. In Kurzform lesen Sie hier die Ergebnisse Österreichs in der Auswertung.

"Akademikerquote"

2020 lag der Anteil der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 34 Prozent (OECD-Schnitt: 40 Prozent). Das entspricht einer Stagnation in Österreich bzw. einem Anstieg von einem Prozentpunkt in der OECD gegenüber dem Jahr davor. Beim Begriff "Akademikerquote" ist Vorsicht geboten: In Österreich werden mittlerweile nicht nur Hochschulabschlüsse dazugezählt, sondern auch bestimmte Schulabschlüsse (BHS-Abschlüsse gelten im internationalen Vergleich als tertiäre Kurzausbildungen, Anm.). Über einen Bachelor-, Master-/Diplom- bzw. Doktorabschluss verfügen in Österreich dagegen nur 19 Prozent (OECD: 33 Prozent).

Ausgaben pro Schüler/Student

In Österreich betrugen diese 2018 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 15.171 US-Dollar (ohne Forschungsausgaben an Hochschulen). Damit lagen sie weit über dem OECD-Schnitt von 10.488 Dollar. Gleiches gilt für die jeweiligen Einzelbereiche Volksschule, Sekundarstufe und Hochschulen.

Berufsbildung

Österreich ist das Land mit der stärksten Fokussierung auf Berufsbildung: 76 Prozent aller Absolventen einer Sekundarstufe II erwerben einen berufsbildenden Abschluss (vor allem Lehre, berufsbildende mittlere oder höhere Schule), der Rest entfällt auf einen allgemeinbildenden Abschluss (vor allem AHS-Matura). Der OECD-Schnitt liegt bei 38 Prozent.

Betreuungsverhältnis

Weniger Schüler als im OECD-Schnitt kamen 2019 in Österreich in der Volksschule und in der Sekundarstufe auf einen Lehrer: Im Primarbereich (Volksschule) sind es zwölf Schüler (OECD: 15), in der Sekundarstufe neun (OECD: 13).

Bildungsausgaben

Österreichs Bildungsausgaben, gemessen an der Wirtschaftsleistung, lagen 2018 knapp unter dem OECD-Schnitt: In Österreich werden 4,7 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es 4,9 Prozent. Gegenüber dem Jahr davor gab es in Österreich einen Rückgang um 0,1 Prozentpunkte, in der OECD eine Stagnation. Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben (ohne Forschung) an den öffentlichen Gesamtausgaben beträgt in Österreich 8,7 Prozent und ist damit ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt (9,8 Prozent).

Bildungsniveau

In Österreich verfügen 14 Prozent der 25- bis 64-Jährigen höchstens über einen Pflichtschulabschluss (OECD: 21 Prozent). 49 Prozent absolvierten als höchsten Bildungsabschluss die Sekundarstufe 2 (vor allem Lehre, berufsbildende mittlere Schule, AHS-Matura, BHS bis zum dritten Jahr; OECD: 37 Prozent), drei Prozent eine postsekundäre nichttertiäre Ausbildung (zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, bestimmte Uni- oder FH-Lehrgänge; OECD: sechs Prozent). 15 Prozent haben als höchsten Abschluss eine sogenannte kurze tertiäre Ausbildung (vor allem BHS-Matura, ehemalige Pädagogische Akademien; OECD: sieben Prozent), fünf Prozent ein Bachelorstudium (OECD: 18 Prozent), 13 Prozent ein Master- oder Diplomstudium (OECD: 14 Prozent) und ein Prozent ein Doktoratsstudium (OECD: ebenfalls ein Prozent).

Hochschulabschlussquote

In Österreich verfügten 2020 bereits 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen über einen Abschluss im Tertiärbereich (vor allem Hochschulen plus BHS). Das liegt knapp unter dem OECD-Schnitt (45 Prozent). Seit 2010 ist dieser Anteil sowohl in Österreich (34 Prozent) als auch in der OECD (37 Prozent) deutlich gestiegen.

Internationale Studenten

Mit 18 Prozent wies Österreich 2019 hinter Luxemburg (49 Prozent), Australien (28 Prozent) Neuseeland (21 Prozent) und Großbritannien (19 Prozent) ex aequo mit der Schweiz den fünfthöchsten Anteil internationaler Studenten an den eigenen Hochschulen auf (OECD: sechs Prozent).

Klassengröße

2019 saßen in Österreich im Schnitt in der Volksschule 18 Kinder in einer Klasse (OECD: 21), nur in Costa Rica, Lettland, Litauen und Griechenland waren es weniger. Im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe, Mittelschule) lag die durchschnittliche Klassengröße bei 21 Schülern (OECD: 23), damit liegt Österreich im vorderen Mittelfeld. Seit 2013 sind die Klassengrößen konstant geblieben.

Knapp 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Österreich haben einen Abschluss im Tertiärbereich.
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Lehreralter

Österreich hat im OECD-Vergleich relativ alte Lehrer. Im Volksschulbereich sind in Österreich 36 Prozent aller Pädagogen 50 Jahre oder älter, in der OECD sind es 33 Prozent. Am höchsten fällt der Unterschied im Sekundarbereich I aus: In der AHS-Unterstufe bzw. Mittelschule sind in Österreich 46 Prozent der Lehrer mindestens 50 Jahre (OECD: 36 Prozent), an den Oberstufenschulen (Sekundarbereich II) kommt Österreich auf einen Anteil von 48 Prozent (OECD: 40 Prozent). Aber: Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Lehrer über 50 in Österreich etwas geschrumpft.

Lehrergehälter

Pädagogen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2020 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 46.000 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (35.000), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 80.000 US-Dollar noch größer (OECD: 58.000). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Österreich: rund 46.000 Start-, rund 86.000 Endgehalt; OECD: 36.000 bzw. 60.000) und der AHS-Oberstufe (Österreich: 46.000 bzw. 91.000 US-Dollar; OECD: 38.000 bzw. 63.000 US-Dollar). Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen in ihrem Land stehen Lehrer in Österreich dagegen etwas schlechter da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule 75 Prozent vom durchschnittlichen Akademiker-Gehalt, in der Sekundarstufe I sind es 85 und in der AHS-Oberstufe 96 Prozent (OECD: 86 bzw. 90 und 96 Prozent).

Private Bildungsausgaben

Der Anteil der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen liegt in Österreich bei lediglich sieben Prozent (OECD: 18 Prozent). Dies ist vor allem auf den Hochschulsektor und das weitgehende Fehlen von Studiengebühren zurückzuführen: 2018 betrug der Privatanteil im Tertiärbereich in Österreich elf Prozent, in der OECD dagegen 34 Prozent.

Volksschüler kommen im OECD-Vergleich auf relativ wenige Unterrichtsstunden.
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Unterrichtszeit der Lehrpersonen

Volksschullehrer müssen in Österreich (814 Stunden pro Jahr) mehr unterrichten als im OECD-Schnitt (791 Stunden). Im Sekundarbereich 1 stehen dagegen die österreichischen Lehrer jährlich fast 100 Stunden kürzer in der Klasse (Österreich: 635, OECD: 723), in der AHS-Oberstufe sind es 80 Stunden (Österreich: 605, OECD: 685). Die Zahl der Unterrichtstage liegt in Österreich mit 185 in allen Schulformen praktisch im OECD-Schnitt, die (allerdings nur für Pflichtschullehrer definierte) Jahresarbeitszeit indes darüber (Österreich: 1.776; OECD: 1.627). Für das Jahr 2020 waren diese Zahlen pandemiebedingt aufgrund der Schulschließungen allerdings wenig aussagekräftig.

Unterrichtszeit der Schüler

Gleiches gilt natürlich für die Unterrichtszeit der Schülerinnen und Schüler. Für diese ist im Volksschulbereich vergleichsweise wenig Unterricht vorgesehen: Sie kommen pro Jahr im Schnitt auf 705 Pflichtstunden (OECD: 807). Im Bereich der Sekundarstufe 1 (AHS-Unterstufe, Mittelschule) liegt Österreich dagegen mit einer durchschnittlichen jährlichen Unterrichtszeit von 900 Stunden nur knapp unter dem OECD-Schnitt (923). (APA, 16.9.2021)