"Aus der Geschichte exorziert sie jede Dialektik, indem sie sie auf Täter-Opfer-Polaritäten festfriert."

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Identitätspolitik (IP) liefert ein dankbares Ziel, kritisches Denken ist schnell fertig mit ihr. Und viele ihrer Kritiker und Kritikerinnen haben recht gegen sie. Vor allem, wenn sie trotz aller vorgeblicher Radikalität keine linke, sondern eine liberale Agenda verfolgt, also nicht Überwindung, sondern Diversifizierung des Bestehenden.

Sie artikuliert eine Radikalität, die sich mit dem ökonomischen Setting abgefunden hat beziehungsweise dieses auf ein substanzielles Patriarchat oder den gleichsam naturgegebenen kolonialen Chauvinismus einer weißen Rasse verkürzt.

So das Bild stimmt, das die Kritiker der Wokeness entwerfen, kann man IP gar nicht genug kritisieren. Denn in ihren buntesten Auswüchsen macht IP alles, was man ihr vorwirft: Sie emotionalisiert, moralisiert, essenzialisiert, individualisiert und trivialisiert gesellschaftliche Dynamik.

Aus der Geschichte exorziert sie jegliche Dialektik, indem sie sie auf statische Täter-Opfer-Polaritäten festfriert, sogar die US-Südstaaten des 19. Jahrhunderts will sie posthum zivilisieren, indem sie Huckleberry Finn in Mark Twains gleichnamigem Roman das Wort "niggers" aus dem Mund nimmt und dem "Sklaven" Jim somit das wichtigste Attribut seiner Abwertung aberkennt.

Verwirrende Ungerechtigkeit

Sie bestätigt den vulgärmarxistischen Klassendeterminismus, indem sie sich als reinster Ausdruck bürgerlichen Bewusstseins zu erkennen gibt: des Bewusstseins frisch politisierter Mittelstandskinder, die erstmals aus ihren Konsummonaden gucken und die verwirrende Ungerechtigkeit hienieden zunächst mit moralischen Kategorien ordnen.

Wer sind und waren die Bösen, wer die Guten? Da es sich nicht um irgendwelche Bürgerkinder, sondern, ganz gleich welcher Pigmentierung und sexuellen Orientierung, solche des frühen 21. Jahrhunderts handelt, also die üblichen zwischen Ohnmacht und Allmachtsfantasien wankenden neoliberal zugerichteten Narzissten, sind Anerkennung und Kränkung die elementaren Filter ihrer Welterfahrung. Kein Wunder, dass sie zu Schlüsselkategorien ihres politischen Kampfes werden, markieren sie doch die Grenzen ihrer Empathie.

Verbote und Gebote

Das strenge Setting an Sprachregelungen, Verboten und Geboten, Aus- und Einschlussschranken hat nicht nur, aber auch die Funktion, im Kultur- und akademischen Sektor, denen ihre Aktivisten oft entstammen, Posten und Positionen neu zu besetzen, denn die identitäre Vereinheitlichung der Diskriminierungserfahrung lässt die sozialen Schichtungen innerhalb der Opferkollektive vergessen und den migrantischen Primarsohn der dritten Generation zur näselnd-wütenden Stimme der Romaputzfrau werden, deren gebeugter Rücken ihm als Trampolin in Feuilleton und Aufmerksamkeit dient.

Das Pathos der richtigen Gesinnung und des emanzipatorischen Anspruchs hindert diese Identitätslinke an der Erkenntnis, dass ihr zunehmender Puritanismus Teil einer globalen Krisenbewältigung ist – nicht nur der Überschreibung gesellschaftlicher Ungleichheit mit den Differenzlinien essenzialisierter Gruppen, sondern des Versuchs, kognitiv überfordernde Widersprüche einem rigorosen identitären Katechismus zu unterwerfen.

Denkfreie Räume

Das aber gleicht sie ihren rechten Gegnern mehr an, als ihnen lieb ist, und die einzigen Safe Zones, die dann funktionieren, sind denkfreie Räume, wenn sie zum Beispiel Rassismus nicht als ein alle gesellschaftlichen Sphären durchdringendes, stets flexibles und stets neu zu analysierendes Verhältnis versteht, sondern als statisches Unrechtsgefälle zwischen quasi naturhaften Herren- und Opfervölkern.

Diese Denkverweigerung fällt hinter materialistische Gesellschaftskritik zurück, in jenen Idealismus, in welchem – korrigierbare – Ideen, Haltungen, Meinungen den Lauf der Welt bestimmen.

Dass sich transzendental verwaiste Menschen, die sich in einer düsteren Welt nicht mehr so richtig auskennen, gerne zu Stämmen zusammenschließen und hinter unanfechtbaren, talibanhaft verordneten Normen und Regeln verschanzen, ist nichts Neues; neu ist, dass sie für dieses genuin rechte Bedürfnis linke Inhalte, im konkreten Fall die Ansprüche emanzipatorischer Kämpfe, kidnappen und sich durch diesen hehren Schutzschild gegen jegliche Kritik zu immunisieren versuchen.

Den Korrektheitsasphalt aufbrechen

Das ist aber das genaue Gegenteil einer universalistischen Aufklärung, welche die Linke einst der bürgerlichen Ideologie entwendete und als ihr zivilisatorisches Programm weiterführte. IP indes beteiligt sich am grassierenden Universalismus der Antiaufklärung, der dar in besteht, Widersprüche und Ambivalenzen, statt zu begreifen, ungeschehen zu machen und mit Haltungen zu versiegeln. Jene aber wuchern ungestört weiter und werden den Korrektheitsasphalt aufbrechen, wann immer es ihnen beliebt.

So in etwa ließe sich eine Kritik der IP im Schnelldurchlauf formulieren, an der wohl alles richtig ist. Außer der Kalibrierung ihres Objekts. Allein von wem aller solch eine Kritik Zustimmung und Applaus empfängt, müsste die Kritiker stutzig machen. Und dass sie sich den Zorn der IP-Zeloten zuzieht, gibt ihr allemal nicht recht. Ich könnte mich freilich auf die schwammige Rechtfertigung zurückziehen, dass sie nur den "Auswüchsen" der IP gilt.

Wettstreit um einen Opferstatus

Damit reihte ich mich allerdings in die Einheitsfront derer ein, die die theatralische Empfindlichkeit mancher Wortführer der IP und reale Diskriminierungserfahrungen in einen Topf werfen, die den Kampf gegen Sexismus als Antihedonismus hinstellen, die mit Moralismusschelte ihre moralische Verwahrlosung kaschieren, die sich mit ihrem Hauptaugenmerk auf identitäres Engagement zu ihrem eigenen Verzicht auf jegliches Engagement gutes Gewissen machen, die bei ihrer Forderung, Positionen nach Verdienst und nicht nach Herkunft zu vergeben, verdrängen, dass sie die ihren demselben Prinzip verdanken, die den Dorn nicht spüren, den andere im Auge haben und der Adorno zufolge das beste Vergrößerungsglas ist.

Dass sich manche solch einen im modischen Wettstreit um einen Opferstatus absichtlich ins Auge treiben, dient ihnen zur Verharmlosung der Systematik des Dornenspickens minoritärer Augen. Nicht einmal das Streben nach politischer, sondern eines nach intellektueller Korrektheit müsste sich dieser polaren Vereinheitlichung der Fronten verweigern und eine skeptische Querfront einziehen.

Falsche Widersprüche

Das größte Problem mit der Identitätspolitik ist, dass sie ihre Kritiker sich angleicht. Die Salons, in denen ich Komplizen meines Unbehagens mit ihr zu finden glaubte, verließ ich stets mit noch größerem Unbehagen. Sie waren sich mir alle zu einig – und gefielen sich darin zu sehr. Ich musste die erstaunliche Entdeckung machen, dass ihre Kritiker identitärer sind als das Objekt ihrer Kritik selbst.

Dass die so oft trifft, hat weniger mit der Zielgenauigkeit der Schützen zu tun als damit, dass die Zielscheibe so überdimensional aufgeblasen ist. IP als einheitliche Schule gibt es nämlich nur als Zuschreibung. Und wie jedes Othering erfüllt diese den Zweck einer Selbstversicherung, die alle Kriterien kollektiver Einmütigkeit erfüllt.

Von Zürich bis Hamburg rüstet das Feuilleton seit Jahren zur Generalmobilmachung gegen den totalen Feind, als stünde jederzeit die Machtübernahme durch Tugendterroristen bevor, die uns unserer Freiheiten berauben wollen.

Wenn es bloß wahr wäre, dass uns eine autoritäre Instanz die Freiheit zu Negerwitzen, Antisemitismus und unaufgeforderter Anmache nehmen wollte, ich würde die Panzer dieser Befreierinnen mit selbstgepflückten Glockenblumen begrüßen, aber leider bleibt es nur bei Theater- und Unidonner.

Belohnungen

Bei genauer Betrachtung handelt es sich bei der IP als homogenem Phänomen um eine selbstgebastelte Piñata, auf die man kollektiv so lange einprügelt, bis Belohnungen aus ihrem zerfetzten Pappmascheekörper purzeln, die da wären: Distinktionsgewinn, Überlegenheitsgefühl und die bequeme Genugtuung, dass die politische Linke hinter das ohnehin Erreichte zurückfällt.

Ein Großteil des IP-Bashings erweckt den Eindruck, als gäbe es eine hysterisierte Einheitsfront aus PC, Critical Whiteness, Postcolonial Theory, Aneignungskritikern und Triggerwarnern, Islamkuschlern, Queerfeministinnen, Tugendwächterinnen und Humorpolizisten, als wären das die fauchenden Köpfe ein und derselben Hydra.

Er entsteht jedenfalls, wenn man die linken Debatten nicht von innen kennt. Und sich glauben machen lässt, dass jeder Mensch, der minoritäre Anliegen vertritt, die Schriften Immanuel Kants verbrennen will und glaubt, dass alle Hellhäutigen den Kolonialismus in ihren Pigmentzellen tragen, nur People of Color die Verse schwarzer US-Dichterinnen übersetzen dürfen und die kritische Vernunft ein kolonialer Herrschaftsdiskurs ist.

Zerrbilder und Defensivmaßnahmen

Der durchschnittliche IP-Blödfinder bezieht seine Meinungen zumeist von Feuilletonisten, die ihre Kritik von anderen Feuilletonisten abschreiben, die sie wiederum von besseren linken IP-Kritikern abgeschrieben haben, die aber niemand kennt, weil man sie selten in den approbierten Fangtrichtern der Meinungsbildung findet. Am Ende dieser Stillen Post bleibt das Zerrbild eines manichäischen Endkampfs zwischen reflektierender Liberalität und sinistren Gesinnungsjakobinern übrig.

Wie bei jeder Gemeinschaftsideologie wird nicht nur ein homogenisierter Gegner gebastelt, sondern wird dessen Bedeutsamkeit zur objektiven Bedrohlichkeit, werden Minderheitenpositionen zur Hegemonie aufgeplustert, auf die einzuschlagen sich als Defensivmaßnahme versteht.

Identitätspolitische Masken

Zählte man nach, wie viele mutige Stimmen der bürgerlichen Vernunft sich gegen den angeblichen identitätspolitischen Mainstream erhoben haben, und vergliche ihre Zahl mit den tatsächlichen Stimmen der IP – so übertrieben laut sie auch aus sozialen Medien, Gastkommentaren und Kunstunis erschallen mögen –, wären die Proportionen schnell klargestellt.

"Das größte Problem mit der Identitätspolitik ist, dass sie ihre Kritiker sich angleicht."
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Das parodistische Bild, das minoritäre Anliegen durch identitätspolitische Masken erhalten, ganz gleich, ob diese ihnen aufgesetzt wurden oder sie sie sich selbst aufsetzen, die witzlose, hysterisierte und autoritäre Cancel-Culture, stiftet die denkbar bequemste Gelegenheit, sich als die Kirche der jeweils gelasseneren, frivoleren, gewitzteren Individuen zu positionieren.

Von dieser Spiegelfechterei der wechselseitigen Negativreferenzen profitieren beide Seiten: Die grellen Scheinwerfer dieses Diskurses locken erst die Poseure und Inquisitorinnen der IP an und verleihen ihnen jene Bedeutsamkeit, gegen die ihre Kritiker aufzutreten vor geben.

Konstruktion einheitlicher Lager

Wie jedes Othering führt auch dieses zu einer Konstruktion einheitlicher Lager, die jedes Denken quer zu diesen unterbindet und Bekenntniszwänge einfordert. Kritik von IP verkürzt sich zu exakt dem, was sie ihrem Gegenstand vorwirft: Phrasen, Haltungen und Instantmeinungen.

Die Auswüchse der IP werden als Pars pro Toto genommen, sie dienen nicht nur der Diskreditierung der Neuen Sozialen Bewegungen und der Bagatellisierung realer Diskriminierung, sondern der Linken per se, die auf weiter Flur mit IP identifiziert wird.

Ein Großteil der Linken aber, wie ich sie kenne und kritisiere, verwenden Identität noch immer als strategisches Programm einer universalistischen Emanzipation und nicht als Mittel zur Segregation; sie analysieren mehr, als sie moralisieren, und sie sind sozialen Fragen und Fragen der ökonomischen Macht gegenüber weitaus aufgeschlossener, als ihnen manche Kritiker von den Balkonen ihrer Lofts herab vorwerfen.

Identitärer Klassenkampf

Am groteskesten aber wird es, wenn die Branchenblätter des Kapitalismus der Linken über Leitartikler und intellektuelle Popstars ausrichten lassen, sie solle nicht so liberal sein, liberal seien sie selber, sondern sich wieder mehr auf den Klassenkampf konzentrieren.

Ein deutlicheres Indiz für die zynische Allmacht des Kapitalismus ließe sich nicht denken, die Allmacht eines Riesen, den die Fraktionskämpfe seiner zwergenwüchsigen Gegner, mit denen er sie gespalten hat, schon so langweilen, dass er sie dazu animieren muss, endlich ihre Waffen nicht gegeneinander, sondern wieder einmal gegen ihn zu richten. Damit er sich wieder spürt, durch dieses behagliche Brennen, das leichte Ritzer auf der Haut verursachen.

Konstruiertes Feindbild

Wie sich die Kritik an IP von linker Seite her identitätspolitisch ausschlachten lässt, zeigt seit Jahren Sahra Wagenknecht vor, die manch Kluges sagt und schreibt und es dennoch einem opportunistischen Linkspopulismus unterwirft, der – denn dort landet dieser immer – seinem rechten Brüderchen immer ähnlicher sieht.

Ihr konstruiertes Feindbild einer "Lifestylelinken" weist zwar in die richtige Richtung, ist aber ein Pappkamerad mit unsichtbarer Judennase, der die Funktion hat, Ressentiments zu bündeln und jegliche Versuche einer Verbindung von Klassen- mit den Kämpfen diskriminierter Minderheiten zu kappen.

Zugunsten eines stets national markierten Proletariats (der ehrliche, verratene, durch vom heimatlosen Kapital ins Land gerufene migrantische Konkurrenz bedrohte deutsche Arbeiter), das gegen das Zerrbild abgehobener urbaner Schnösel gerüstet werden soll, die sich lieber für Schwule, Ausländer und "bizarre Minderheiten" (Wagenknecht) interessieren als für soziale Probleme.

Kritik an der Klassenvergessenheit

Das ist eben nicht nur die durchaus berechtigte Kritik an der Klassenvergessenheit einer liberalen Linken, sondern durch und durch identitäre Propaganda, ansonsten würde Wagenknecht nicht in die deutsche Trompete von Heimat und Kultur blasen, die Sozialpolitik der rechtsradikalen polnischen Partei PiS loben und Feminismus als mittelständisches Luxusproblem abtun.

Dass das soziale Segment, in dem sie fischen will, eben keine bewusste Arbeiterklasse darstellt, sondern in weiten Teilen sozial abrutschendes Kleinbürgertum, und die Lifestylelinken, die alle Züge des "wurzellosen Kosmopolitismus" tragen, selbst zum Teil aus prekarisierten Menschen bestehen, muss bei diesem altbewährten Othering, bei dem, wie Karl Kraus es einmal ausdrückte, "Marx Turnunterricht bei Vater Jahn" nimmt, unter den gold-rot-schwarzen Teppich gekehrt werden.

Der richtige Vorwurf, dass die identitäre Anerkennungspolitik bloß die Kapitalmaschine bunter anmalen und per Affirmative Action diverser besetzen will, mag davon ablenken, dass die klassenbewusste Linke mit ihrer halbierten Sozialdemokratie die Maschine ebenso wenig infrage stellt, sondern sie durch zaghafte Bittgesuche um ein paar soziale Brosamen und ein bisschen mehr Kapitalbesteuerung bloß ölen will.

Der Duft der Wahrheit

Am Leerlauf von Wachstum, Ressourcenverschleiß und globaler Produktion der Ungleichheit ändert das rein gar nichts. Ganz gleich, wie man zur Hierarchisierung von Haupt- und Nebenwiderspruch steht, Teile der IP wollen Letzteren sicher zum Hauptwiderspruch machen, ihre klassenbewussten Kritiker aber Ersteren auch nicht lösen.

Wahrheit bleibt zwar auch wahr, wenn sie sich an die Falschen verkauft, sie verliert aber ihren guten Duft dabei. Kritik der IP nimmt zu leichtfertig das Asyl an, das die Medien des liberalen, aber rechts offenen Mainstreams ihr bieten, womit diese sich als interesselose Mediatoren, als die Orte abwägender, reifer bürgerlicher Vernunft inszenieren können, als Werbeflächen einer Gesellschaftsordnung, die Rassismus und Sexismus weitgehend überwunden habe, nicht fehlerfrei sei, aber dennoch die zivilisatorisch letztlich verlässlichere Alternative zu Korrektheitsspinnern und klassenkämpferischen Desperados.

Der permanente Schaukampf

Richard Schuberth: "Lord Byrons letzte Fahrt. Eine Geschichte des Griechischen Unabhängigkeitskriegs.", Wallstein, 2021

Kritik der IP soll so rücksichtslos und polemisch sein, wie sie will, sie muss nur wissen, wessen Brot sie isst, und Teil emanzipatorischer Radikalität bleiben. Es ist wie damals im Schulhof, im Grätzel, auf der Straße: Wir machen das untereinander aus, aber verpfeifen einander weder beim Herrn Lehrer noch beim Inspektor noch bei der Neuen Zürcher Zeitung.

Der permanente Schaukampf zwischen den moralisch Gelassenen und den moralisch Aufgeregten wird vermutlich genau durch jene Marktkräfte beendet werden, die ihn gehypt haben, das eherne Mediengesetz, dass der Meinungsmarkt stets neue Themen, neue Gesichter, neue Empörungsfronten braucht. Einem Schicksal entgeht nämlich weder die IP noch ihre Kritik: in Ware verwandelt zu werden. Ob beide es wissen oder nicht, auch sie sind nach dem Prinzip der geplanten Obsoleszenz gebaut.

Wer es erträgt, von der linksliberalen IP gehasst zu werden, und trotzdem der Verlockung widersteht, von den approbierten Institutionen der Mehrheitsvernunft lieb gehabt zu werden, beweist den längeren Atem und weist in eine Vergangenheit und – so steht es zu hoffen – eine Zukunft, da eine Allianz von sozialen Kämpfen mit denen diskriminierter Minderheiten als das gemeinsame Boot erkannt wird, in dem sie immer schon sitzen. Dann gilt es nur noch die Piratenflagge zu hissen. (Richard Schuberth, ALBUM, 19.9.2021)