Der "Battle of Sexes": Billie Jean King (l.) gewann ihr wichtigstes Match gegen Bobby Riggs.

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50 Millionen Menschen sahen in Amerika im Fernsehen zu, die meisten seit der Mondlandung.

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Bei seinem letzten Aufschlag probierte es Bobby Riggs noch einmal mit Serve and Volley. Eine Variante, die ihm an diesem Abend wenig Erfolg brachte. Billie Jean King spielte einen dankbaren Return. Doch Riggs vollierte den Ball ins Netz und verlor. Gegen eine Frau.

Im "Battle of the Sexes" vor mehr als 30.000 Zuschauern in Houston im US-Bundesstaat Texas und 50 Millionen Menschen am Fernseher bezwang die damals 29 Jahre alte Nummer eins der Welt Ex-Wimbledonsieger Riggs mit 6:4, 6:3, 6:3. Und noch viel wichtiger: Sie erteilte ihm eine Lektion und verhalf den Frauen im Sport zu mehr Anerkennung. "Dieses Match war eine ideale Plattform für mich, um für die Gleichberechtigung zu kämpfen. Es war ein geschichtsträchtiger Moment", sagte King.

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Das Jahr 1973, das bedeutete auch Watergate, Flower Power, Vietnam und den Kampf um Gleichberechtigung. Bei den US Open verdienten die Männer 12 000 Dollar, die Frauen mit 1500 Dollar gerade mal ein Achtel davon. Der 55-jährige bekennende Chauvinist Bobby Riggs äußerte wenig Verständnis für den Kampf der Frauen für mehr Gleichberechtigung. Während Billie Jean King gegen die ungerechten Siegprämien protestierte, hielt Riggs Frauen-Tennis für lächerlich. "Amerikanische Frauen sind die privilegierteste Gruppe aller Zeiten. Und immer noch sind sie unzufrieden und wollen mehr. Wir müssen diese Frauen jetzt endlich stoppen", sagte Riggs damals.

Lose-Lose-Situation

King war bereits 1970 mit einigen Kolleginnen aus der ATP ausgetreten, veranstaltete eigene Turniere mit Erfolg und gründete schlussendlich im Jahr 1973 die Women's Tennis Association (WTA). Der wettsüchtige Riggs wollte daraufhin gegen sie antreten, auch in der Hoffnung auf hohe Wettgewinne. Anfänglich verweigerte King den Geschlechterkampf und ließ sich erst nach dem "Muttertagsmassaker" darauf ein, als Riggs mit Margaret Court die neue Nummer im Frauentennis vernichtend geschlagen hatte. Er würde jede Frau vom Platz fegen, posaunte Riggs im Fernsehen in der Tonight-Show von Johnny Carson. Auf die Frage, ob er Frauen möge, sagte Riggs: "Doch ich mag sie sehr, sowohl im Bett als auch in der Küche."

Dass Billie Jean King gewinnen könnte, glaubte damals kaum jemand. Obwohl sie eine der besten Spielerinnen der Welt war und Riggs größter Erfolg lange zurück lag, 1939 gewann er Wimbledon. Im Rückblick sprach King von einer Lose-Lose-Situation. "Wenn ich das Spiel gewinne, habe ich einen 55-Jährigen geschlagen. Das ist keine große sportliche Leistung. Aber was passiert, wenn ich verliere?"

In den ersten Aufschlagspielen trug Riggs noch seine Trainingsjacke mit dem Schriftzug "Sugar Daddy". Seine Miene sollte sich zunehmend verfinstern, sein Kommentar zum Ausgang des Matches: er habe er sie unterschätzt. Später geisterten Gerüchte herum, Riggs habe absichtlich verloren, um seine Wettschulden bei der Mafia zu begleichen.

Der "Battle of Sexes" wurde 2017 sehenswert verfilmt. Die Geschlechter-Schlacht im Astrodome verfolgte damals auch Elton John, in einem Hotel in Los Angeles vor dem Fernseher: "Alle Männer, die ich kannte, wollten einen Sieg für Billie Jean, weil Riggs so arrogant war". (Florian Vetter, 20.9.2021)