Auf La Palma hat der Vulkanausbruch zur Evakuierung von rund 5000 Menschen, darunter 500 Touristen, geführt.

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Weitere Dörfer werden von den Lavaströmen bedroht, die sich einen Weg zur Küste bahnen.

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Etliche Häuser wurden bereits von den Lavamassen zerstört.

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Madrid – Die Lava des Vulkans Cumbre Vieja auf La Palma hat nach Angaben der Regionalregierung viele Häuser auf der spanischen Kanareninsel zerstört. Die Lava habe etliche Wohnhäuser erfasst, sagte eine Sprecherin der Regionalregierung am Montag. Allein im Dorf El Paso wurden nach Angaben des Bürgermeisters mindestens 20 Häuser zerstört.

Ein Video zeigt, wie die Lava ein Privathaus erreicht.


Der Vulkan war am Sonntag um 15.12 Uhr Ortszeit (16.12 Uhr MESZ) mit heftigen Explosionen zum Leben erwacht. Die Behörden riefen die Alarmstufe rot des Vulkannotfallplanes aus und begannen mit Evakuierungen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte eine geplante USA-Reise ab und traf am Sonntagabend auf La Palma ein. Er sicherte den Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zu.

Die Feuerwehr musste immer wieder ausrücken, um Busch- und Waldbrände zu bekämpfen, die durch den Vulkanausbruch und am Rande der Lavaströme aufflammten. Einheiten der Polizei und des Militärs trafen am Montag zur Verstärkung auf der Insel ein.

"Die Lava hat alles auf ihrem Weg vernichtet", sagte der Bürgermeister von El Paso, Sergio Rodríguez, im Sender TVE. Die Bewohner des Dorfes könnten wohl für längere Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Lava zerstört Häuser "wie Butter"

Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Der Ausbruch sei bisher nicht sehr intensiv. Es wurde jedoch vor der schwarzen Asche aus dem Vulkan und vor eventuell gesundheitsschädlichen Gasen gewarnt. Die Menschen auf der Insel mit 83.000 Einwohnern sollten möglichst ihre Häuser nicht verlassen. Schaulustige wurden aufgefordert, die Gegend zu verlassen, um die Evakuierungen nicht zu behindern.

"Die Lava zerstört die Häuser wie Butter", erzählt Celia im spanischen Fernsehsender RTVE. Die Frau in mittleren Jahren betrieb ein kleines Hotel auf der zu Spanien gehörenden Ferieninsel La Palma. Aber seit Sonntag spuckt ein Vulkan im Bereich der Cumbre Vieja Asche und Lava aus – und Celia hat kein Hotel mehr.

"Wenn die Lava ein Haus erreicht, ist in Sekunden nichts mehr übrig, nur noch eine schwarze Masse", erzählt die sichtlich erschütterte Frau. Wie etwa 5.000 weitere Menschen in der Region im Süden der kleinen Kanareninsel musste sie vor dem Vulkanausbruch flüchten. Bei 500 von ihnen habe es sich um Touristen gehandelt. Unter den Betroffenen sind auch zwei Österreicher, die nun den Behörden an Ort und Stelle betreut werden, berichtete das Außenministerium der APA.

Lava bahnt sich Weg zur Küste

Aus acht verschiedenen Schloten schleudert der Vulkan Asche, Gesteinsbrocken und Lava in die Höhe. Vor allem nachts waren schaurig-schöne Bilder von Feuerfontänen zu sehen, die Hunderte Meter hoch in den Himmel schossen. Der Flugverkehr zu der Insel wurde aber zunächst nicht eingestellt.

Nach Angaben der Regionalregierung ist die Bestandsaufnahme der Schäden noch nicht abgeschlossen. Die genaue Zahl der zerstörten Häuser stehe daher noch nicht fest, sagte eine Sprecherin. Auch mehrere Straßen mussten gesperrt werden.

Für Empörung sorgte am Montag Spaniens Tourismusministerin Maroto, die vorschlug, den Vulkanausbruch zur Touristenattraktion zu machen. Von dem "wunderbaren Naturspektakel", welches La Palma "beschert" worden sei, könnten "zahlreiche Touristen profitieren", sagte die sozialistische Politikerin im Radiosender Canal Sur. Insbesondere konservative Parteien kritisierten den Vorschlag scharf. Maroto sah sich gezwungen, ihre Äußerungen später abzuschwächen und erklärte: "Heute stehen wir an der Seite der Betroffenen, der Opfer".

Die um die 1.000 Grad heiße Lava wälzt sich seit Sonntag wie ein riesiger Lindwurm langsam aber unaufhaltsam bergab in Richtung der Westküste der Insel – 700 Meter pro Stunde. Alles in ihrem Weg verbrennt: Bäume, Buschland, Bananenplantagen, Felder, Straßen, Stromleitungen und bisher auch schon Dutzende Häuser. In dem Ort Los Llanos de Aridane seien etwa 150 Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Sánchez sagt Hilfen zu

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verschob wegen des Vulkanausbruchs seine Reise zur UN-Generaldebatte in New York und reiste am Sonntagabend nach La Palma ein. "Alle Einsatzkräfte stehen bereit, um koordiniert zu reagieren", schrieb er im Onlinedienst Twitter. Das spanische Innenministerium kündigte an, mehr als 200 Einsatzkräfte per Hubschrauber nach La Palma zu bringen.

Der Regionalpräsident der Kanaren, Ángel Víctor Torres, nannte es ein "Glück", dass sich der Ausbruch des Vulkans im dünn besiedelten Gebiet Cabeza de Vaca bei El Paso ereignet habe. Auf ganz La Palma leben gut 80.000 Menschen.

DER STANDARD

Verletzt wurde zunächst niemand – denn die Insel vulkanischen Ursprungs, war vorbereitet. Tausende kleine Erdbeben während der vergangenen Tage waren für die Vulkanologen ein relativ sicherer Hinweis auf das, was kommen würde. Die Menschen wurden aufgefordert, leichtes Fluchtgepäck vorzubereiten, und erhielten Informationen, wo sie sich im Falle einer Evakuierung sammeln sollten. Ältere und Behinderte waren schon kurz vor dem Ausbruch in Sicherheit gebracht worden.

Insgesamt 17 bis 20 Millionen Kubikmeter Magma könnten sich unter dem Vulkan gestaut haben, berichtete RTVE unter Berufung auf den Regionalregierungschef der Kanaren, Ángel Víctor Torres. Vulkanologe Stavros Meletlidis warnte, die Natur sei unberechenbar. "Wir haben nur sehr simple Modelle von den extrem komplizierten Vorgängen unter unseren Füßen", sagte er im Fernsehen. Wie lange der Ausbruch dauern könne? "Wir wissen es nicht. Es gibt Ausbrüche, die nach neun Tagen enden, und welche, die Jahre dauern."

Die Kanaren, zu denen auch die beliebten Ferieninseln Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote gehören, sind vulkanischen Ursprungs. Der letzte Ausbruch des Cumbre Vieja hatte sich 1971 ereignet. Im 20. Jahrhundert war er bisher nur zwei Mal ausgebrochen: 1971 und zuvor 1949. Zuletzt hatte es in der Region 2011 einen Vulkanausbruch am Meeresboden vor der Insel El Hierro gegeben. (APA, 20.9.2021)