Seit 8 Uhr haben die Wahllokale in Deutschland geöffnet. Denn an diesem 26. September stehen bei unseren Nachbarn – je nach Region – bis zu drei wichtige Entscheidungen an: Im Fokus steht natürlich die Bundestagswahl. Doch in ihrem Schatten finden zeitgleich weitere wichtige Abstimmungen statt, denn die Landesparlamente in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden ebenfalls an diesem Wahlsonntag gewählt. In der Bundeshauptstadt findet zudem ein Volksentscheid über die Enteignung großer privater Immobilienkonzerne statt. Die SPD, die auch in bundesweiten Umfragen derzeit vorne liegt, hofft auf einen Sieg ihrer beiden Spitzenkandidatinnen und damit den Erhalt der Regierungsführung in beiden Bundesländern. Eigentlich hätte noch eine dritte Landtagswahl stattfinden sollen, doch in Thüringen sorgten politischen Turbulenzen dafür, dass die bereits beschlossene Abstimmung wieder abgesetzt wurde.

Bis 18 Uhr haben die Deutschen Zeit, ihre Stimme abzugeben. Bereits kurz nach 18 Uhr werden erste Prognosen veröffentlicht. Der STANDARD berichtet live für Sie – hier geht es zum Ticker.

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Wo wird was gewählt?

Deutschlandweit: Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die politischen Kräfteverhältnisse im Bundestag – dem Parlament in Europas größter Volkswirtschaft – für die kommenden vier Jahre zu entscheiden. Der neue Bundestag wird dann einen Nachfolger für Kanzlerin Angela Merkel (67) wählen, die nach fast 16 Jahren Amtszeit nicht mehr antritt.

Obwohl Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler nicht direkt gewählt werden, spielt die Person des Spitzenkandidaten bei der Wahlentscheidung eine große Rolle. Merkels Christdemokraten (CDU) und deren bayerische Schwesterpartei CSU haben den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet (60) als gemeinsamen Kanzlerkandidaten aufgestellt. Die Sozialdemokraten (SPD) gehen mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (63) ins Rennen, die Grünen mit ihrer Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock (40). In den Umfragen hat die SPD die CDU/CSU von ihrer langjährigen Position als stärkste politische Kraft im Lande verdrängt. Jene rangiert derzeit vor den Grünen auf Platz zwei. Laut Umfragen dürfte erstmals nur ein Bündnis aus mindestens drei Parteien eine Mehrheit der Sitze erreichen. Der Kanzlerwahl könnten daher langwierige Verhandlungen vorausgehen.

Mecklenburg-Vorpommern: Hier wird ein neues Regionalparlament gewählt. Doch niemand rechnet mit einem Machtwechsel. SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die bundesweit durchaus in der Kritik steht wegen ihrer vorbehaltlosen Unterstützung für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, liegt in Umfragen deutlich vorne. Bei der Wahl scheint es nur darum zu gehen, mit welchem Koalitionspartner Schwesig nach dem 26. September regieren wird. Derzeit führt sie eine rot-schwarze Regierung an.

DER STANDARD hat in Berlin nachgefragt, welches Thema die Wahl beeinflusst und am heftigsten diskutiert wurde: Und tatsächlich ist für die Passanten die Bundestagswahl 2021 eine Klimawahl.
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Berlin: Hier findet auf jeden Fall ein Wechsel im Amt des Regierenden Bürgermeisters statt, weil der SPD-Politiker Michael Müller auf die Bundesebene wechseln will. Ex-Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will seine Nachfolgerin werden. Nach den Plagiatsvorwürfen und dem Verlust ihres Doktortitels schien Giffey angreifbar – doch sie profitiert auch vom bundesweiten Höhenflug der SPD. Zumindest sehen sie einige Umfragen in Führung. Dahinter folgen die Grünen und die CDU. Auch hier dürfte die Frage der Koalitionsbildung nach der Wahl spannend werden. Derzeit regiert in Berlin ein rot-rot-grünes Bündnis.

Zudem findet in Berlin ein Volksentscheid zur Enteignung größerer Wohnungskonzerne statt. Ziel der Initiatoren ist, Bestände von privatwirtschaftlichen Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin zu vergesellschaften – insgesamt rund 220.000 Wohnungen. Der Volksentscheid ist für den Senat nicht direkt bindend, dennoch wird eine Rückwirkung auf die Immobilienbranche erwartet.

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Ab circa 18 Uhr: Die Exit-Polls

Für die sogenannten Exit-Polls werden Wähler beim Verlassen der Wahllokale anonym befragt: erstens darüber, wen sie gewählt haben. Und zweitens, wen sie im Jahr 2017 gewählt haben – so werden die Wählerströme ermittelt. Die ersten Prognosen soll es bereits kurz nach 18 Uhr geben.

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Ab circa 18.15 Uhr: Die Hochrechnungen

Genauer sind dann die Hochrechnungen. Das sind die tatsächlichen Zwischenstände der ausgezählten Stimmen. Die erste Hochrechnung könnte bereits eine Viertelstunde nach Schließen der Wahllokale veröffentlicht werden.

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Vorläufiges Endergebnis

Wann das vorläufige Endergebnis zur Bundestagswahl 2021 vorliegt, ist unklar. Meist wird es in der Nacht oder am frühen Montagmorgen bekanntgegeben. Im Jahr 2017 wurde das Ergebnis am Tag nach der Wahl um circa 5.30 Uhr veröffentlicht. Das endgültige amtliche Ergebnis der Bundestagswahl 2021 wird aber erst nach einigen Wochen bestätigt.

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Die Wahlbeteiligung

Spannend wird auch sein, wie viele Deutsche diesmal Gebrauch von ihrem Stimmrecht machen. 2017 waren es insgesamt 76,2 Prozent der 61.688.485 wahlberechtigten Deutschen. Die niedrigste Wahlbeteiligung wurde mit 70,8 Prozent 2009 erreicht.

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Die Briefwahl

Wegen der Corona-Pandemie wurde mit einem deutlichen Anstieg an Briefwählern gerechnet, vor allem in den Städten. So verschickten etwa Frankfurt am Main, Bremen und Düsseldorf rund doppelt so viele Briefwahlscheine wie bei der vorangegangenen Bundestagswahl. Noch ist aber unklar, wie groß die Kluft zwischen der Zahl beantragter Briefwahlunterlagen und der Zahl der tatsächlich abgegebenen Stimmen ist.

Wo und wann wählen die Polit-Promis?

Fotos von der (noch) Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahllokal wird es nicht geben. Sie hat sich entschieden, bei dieser Bundestagswahl von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen, bestätigte bereits vor einigen Tagen Regierungssprecher Steffen Seibert.

SPD-Kandidat Olaf Scholz wählte in Potsdam und warb dort noch einmal für Stimmen für seine Partei: "Damit die Bürgerinnen und Bürger mir den Auftrag geben, der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden". Das Wetter – in Potsdam strahlt die Sonne – sei schon einmal gutes Zeichen, so Scholz. "Das ist heute ein sehr schöner Tag."

CDU/CSU-Kandidat Armin Laschet bei der Stimmabgabe in Aachen. Dabei hielt er seinen Wahlzettel so in die Kamera, dass seine Kreuzerl (natürlich bei der CDU) deutlich zu erkennen waren.

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Die Kandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, wählte wie Scholz in Potsdam. "Es wird auf jede Stimme ankommen bei dieser Wahl, das haben wir ja in den letzten Wochen gesehen, wie Spitz auf Knopf es gehen wird", so Baerbock nach der Stimmabgabe.

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CSU-Chef Markus Söder, Ex-Bewerber für die CDU/CSU-Kanzlerkandidatur, hat seinen Stimmzettel in Nürnberg abgegeben.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wählte in Berlin.

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Zwar eine Unbekannte, aber in auffälligem Outfit: Eine Frau in Gutach im Schwarzwald wählte in traditioneller Montur und mit dem sogenannten Bollenhut am Haupt. (red, 26.9.2021)

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