Spitzenreiter ist Österreich bei den Corona-Impfungen wahrlich keiner: Nur etwas mehr als 70 Prozent der impfbaren Bevölkerung über zwölf Jahre hat die Corona-Impfung erhalten. Damit liegt man hinter so großen Ländern wie Deutschland, Italien oder der Türkei – von den Impf-Champions wie Portugal, Spanien oder Norwegen ganz zu schweigen. Nun gibt es glücklicherweise einen Mann, der dafür verantwortlich gemacht werden kann: FPÖ-Chef Herbert Kickl.

FPÖ-Chef Herbert Kickl setzt sich gegen die Covid-Impfung ein.
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Das Gefühl bekommt man zumindest, wenn man die Berichterstattung der vergangenen Tage verfolgt. Alles begann mit PR-Profi Wolfgang Rosam. Der hatte auf oe24.tv behauptet, Kickl habe gerüchteweise schon eine Corona-Impfung erhalten, spreche sich also nur aus politischen Gründen gegen eine solche aus. Die Kronen Zeitung brachte eine investigative Meldung, dass zahlreiche andere FPÖ-Granden "heimlich" geimpft wären. Kickl reagierte wiederum mit einer Klage gegen Rosam.

Es ist ein bizarrer Schlagabtausch, der emotionalisiert. Aber vor allem lenkt er ab – und genau das dürfte Rosam im Kopf gehabt haben. Was politisches Campaigning betrifft, ist der PR-Berater einer der klügsten Köpfe in Österreich. Der ÖVP und ihrem Obmann Sebastian Kurz steht er nahe, tauscht sich auch mit ihm aus. Das soll nicht heißen, dass Rosam nicht wahrhaftig empört über die Haltung der FPÖ ist.

Aber wenn man sich den politischen Diskurs der vergangenen Tage anschaut, ist Rosam für die ÖVP ein perfektes Ablenkungsmanöver gelungen: Niemand spricht mehr darüber, dass die Regierung den Sommer verstreichen ließ, ohne eine überzeugende Impfkampagne zu starten. Stattdessen prangert man die angebliche Heuchelei der FPÖ an.

Die ist ein Teil des Problems, aber eben nur ein Teil. Und sie ist nicht in Regierungsverantwortung, sondern in Opposition. Es wäre an der ÖVP und den Grünen, den FPÖ-Sympathisanten ein Impfangebot zu machen, statt nach Ausreden zu suchen. (Fabian Schmid, 22.9.2021)