Wir bleiben beim Thema Fußball.

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Berlin – Inmitten eines regelrechten Zuschauer-Wirrwarrs drängen die Clubs der deutschen Fußball-Bundesliga immer vehementer auf mehr Fans in den Stadien. Anders als in Österreich sind die dortigen Stadien trotz teilweiser Anwendung der 2G-Regel nur teilgeöffnet, unterstützt von Verfassungsrechtlern bereiten die Clubs rechtliche Schritte vor.

Drei Clubs, drei Strategien: Der FC Bayern München verlangt einen 3G-Nachweis, Borussia Dortmund lässt mit wenigen Ausnahmen keine Getesteten, sondern nur Geimpfte oder Genesene (2G) ins Stadion. Der FSV Mainz 05 setzt mit der "2G-plus"-Regel auf eine Zwischenlösung: Neben Bereichen für ausschließlich Geimpfte und Genesene gibt es auch ein geringes Kontingent für negativ Getestete.

'Team Vorsicht' oder 'Team weltfremd'?

50 Prozent Auslastung, maximal 25.000 Zuschauer: Diese Grundregel hat die Politik den Clubs der zwei höchsten Spielklassen im Fußball auferlegt. Während bei Kulturveranstaltungen mit einem 2G-Konzept teilweise alle Plätze belegt werden dürfen, bleiben die Ränge vieler Vereine – anders als seit Monaten in Österreich – teilweise leer. "Es wird Zeit, dass das 'Team Vorsicht' aufpasst, dass es nicht zum 'Team weltfremd' wird", hatte Christian Seifert, der scheidende Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), zuletzt gemahnt.

Eine Entscheidung des Hamburger Senats vom Dienstag könnte Signalwirkung haben: Demzufolge darf der Hamburger SV sein Volksparkstadion unter 2G-Bedingungen wieder voll auslasten.

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hatte zuletzt einen solchen Beschluss gefordert. "Wenn die überwiegende Mehrheit der Zuschauer geimpft und die Kinder getestet sind, halte ich Fußballspiele vor gut gefüllten Häusern für ein verantwortbares Risiko", sagte Watzke der "Welt am Sonntag".

2G, 3G

Dass neben dem HSV-Stadion weitere Arenen unter der 2G-Voraussetzung in wenigen Wochen wieder komplett besetzt sein dürfen, hält Verfassungsrechtler Björn Schiffbauer für "relativ wahrscheinlich". Schließlich könne die 2G-Regelung den öffentlichen Gesundheitsschutz wohl gewährleisten. "Die Freiheit von Vereinen und Zuschauern weiter einzuschränken, wäre somit unverhältnismäßig", sagte Schiffbauer, der auch Mitglied im Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ist.

Das Problem: Nicht alle Bundesliga-Clubs ziehen bei der 2G-Regelung mit. Der FC Bayern setzt bisher ebenso auf 3G wie Hertha BSC. Mainz testet am kommenden Wochenende eine Zwischenlösung. "Wir wollen die Nur-Getesteten nicht ausschließen", hatte der Mainzer Vorstandschef Stefan Hofmann zuletzt im Interview der "Bild"-Zeitung gesagt. Verfassungsrechtler Schiffbauer wendet ein: "Es dürfte ohne 2G deutlich schwieriger zu argumentieren sein, die Stadien wieder voll zu öffnen."

Sollten die Vereine – vor allem unter Berücksichtigung der 2G-Regel – ihre Zuschauer-Kapazität nicht erhöhen dürfen, haben einige Clubs rechtliche Schritte angedroht. "Wir würden uns einer Klage anschließen", sagte Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic. Und auch Watzke, der zunächst auf einen Dialog mit der Politik setzen will, schloss juristische Maßnahmen als "Ultima Ratio" nicht aus.

Viele Vereine sorgen sich nicht nur wegen der finanziellen Einbußen, sondern fürchten auch, dass sich Fans an Spiele vor dem Fernseher gewöhnen könnten. So waren bei Hoffenheim, Hertha BSC oder Greuther Fürth trotz geringerer Kapazität zuletzt nicht alle Karten vergriffen. (APA; 22.9.2021)