Das Team Europa. Stehend von links: Bernd Wiesberger, Matthew Fitzpatrick, Tommy Fleetwood, Paul Casey, Viktor Hovland, Tyrrell Hatton, Shane Lowry, Ian Poulter. Sitzend: Jon Rahm, Lee Westwood, Kapitän Padraig Harrington mit dem Cup, Sergio Garcia, Rory McIlroy.

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Der 43. Ryder Cup hat bereits begonnen, und zwar mit Probepartien. Dabei bleiben die Teams noch unter sich, doch für den Burgenländer Bernd Wiesberger gab es schon ein Erfolgserlebnis. Gemeinsam mit dem Engländer Matt Fitzpatrick setzte er sich gegen dessen Landsleute Ian Poulter und Paul Casey im "Bestball" durch. Richtig ernst wird es am Freitag, und am Sonntag steht fest, ob Europa den Cup verteidigen kann. Dafür würde nach 28 Partien ein Remis, also ein 14:14 reichen.

Frage: Warum heißt der Ryder Cup Ryder Cup?

Antwort: Eigentlich hatte Samuel Ryder keinerlei Sorgen. Als Saatguthändler hat der Brite im 19. Jahrhundert ein Vermögen gemacht, hin und wieder spielte er zur gesundheitlichen Erholung auch Golf. Dabei faszinierten ihn seit jeher die Duelle zwischen den USA und Europa, einzig das damalige Format gefiel ihm nicht. Also trieb er die Veränderung der Spielform voran und stiftete 1927 die nach ihm benannte Trophäe, den Ryder Cup.

Frage: Wie lautet die Bilanz?

Antwort: Die USA führen 26:14 (2 Remis). Bis 1977 trat Europa als Großbritannien/Irland an, da war die Überlegenheit der USA echt krass (18:3, 1 Remis). Von 1979 an dominierte aber Europa (11:8, 1 Remis).

Frage: Wie läuft das Turnier ab?

Antwort: Insgesamt werden 28 kurzweilige Partien ausgetragen, jeweils vier Foursomes und Fourballs am Freitag und Samstag sowie zwölf Einzel am Sonntag. Dem Team aus Europa reichen als Titelverteidiger 14 der zu vergebenden 28 Punkte.

Frage: Wie wird gespielt?

Antwort: Im klassischen Matchplay-Format. Gewertet werden bei allen Duellen daher nur die gewonnenen Löcher. Eine Runde ist beendet, sobald der Gegner auf den verbleibenden Löchern einen Rückstand nicht mehr aufholen kann. Die Schlusswertung einer Partie lautet dann etwa "3 und 2": drei Löcher Vorsprung bei zwei ausstehenden Löchern. Fällt erst am letzten Loch die Entscheidung durch einen Lochgewinn, heißt das Ergebnis "1 auf".

Frage: Wer sind die Stars?

Antwort: Angeführt werden die Teams von ihren Kapitänen Steve Stricker (USA) und Padraig Harrington (Europa), die aber nicht selbst spielen. Bei den Europäern dürften sich die Blicke vor allem auf den Weltranglistenersten und US-Open-Champion Jon Rahm (Spanien) richten. Die US-Amerikaner treten in hochkarätiger Besetzung an: British-Open-Gewinner Collin Morikawa, Kraftpaket Bryson DeChambeau, der zweimalige Major-Sieger Dustin Johnson und FedExCup-Champion Patrick Cantlay sind unter anderem dabei. Für beide Teams spielen je zwölf Golfer.

Frage: Wer gewinnt diesmal?

Antwort: Vom Papier her die Amerikaner, weil sie über die besseren Einzelspieler verfügen (WRL-Durchschnitt 9 gegenüber WL-Durchschnitt 30). Aber das genügt eben nicht, vielmehr kommt es auf Teamgeist, Zusammenhalt, Emotionen an. Und da haben die Europäer zuletzt besser ausgesehen. Bei den Amerikanern wird punktgenau der Dauerkonflikt zwischen Bryson DeChambeau und Brooks Koepka hochgekocht. Koepka kritisiert seit Jahren das langsame Spiel DeChambeaus. Als "kindisch" bezeichnete Europas ehemaliger Kapitän Tony Jacklin den Streit, der nur den Gästen zugutekomme. Martin Kaymer, einer von fünf Vizekapitänen im aktuellen Europa-Team, sagt: "Wir haben den besseren Spirit."

Frage: Bernd Wiesberger (35) ist als erster Österreicher dabei. Welche Rolle hat der Burgenländer?

Antwort: In seiner ersten Proberunde in Whistling Straits setzte er sich gemeinsam mit Matt Fitzpatrick im Bestball gegen die Teamkollegen Ian Poulter und Paul Casey durch. Rückschlüsse lasse das aber keine zu, wurde im europäischen Team betont. "Ich sage nicht, was es oder was es nicht bedeutet", winkte Kapitän Harrington ab. "Es ist der Job der Medien, herauszufinden, was sein könnte, und nicht mein Job, es ihnen zu sagen." DER STANDARD lehnt sich weit aus dem Fenster: Alles ist möglich.

Frage: Welche Bedeutung hat Wiesbergers Teilnahme?

Antwort: Nicht nur laut Nikolaus Zitny, dem Sportdirektor im österreichischen Golfverband (ÖGV), ist sie "sporthistorisch".

Frage: Wie hoch ist das Preisgeld?

Antwort: Null Euro beziehungsweise null Dollar. Es geht um die Ehre. Wobei sich Sponsoren niemals lumpen lassen. (Frage & Antwort: Christian Hackl, Fritz Neumann, 22.9.2021)