Der Belegschaft von Charité und dem Klinikkonzern des Landes Berlin Vivantes reicht es.

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Seit über zwei Wochen befinden sich die Belegschaften der wichtigsten Berliner Spitäler, der Charité und des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes im Streik. Rund 17 Stationen sollen geschlossen und 1.000 Operationen aufgeschoben worden sein.

Wie der STANDARD berichtete, führt die Gewerkschaft Verdi die zähen Verhandlungen mit Charité und Vivantes. Bei den Forderungen der Charité geht es vor allem um mehr Personal, bei Vivantes um eine gerechtere Angleichung der Tarifverträge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die vor und nach der Ausgliederung vieler Tochterunternehmen angeheuert wurden.

Keine Einigung

Dass es vor den Bundestagswahlen und den Berliner Wahlen des Abgeordnetenhauses der Stadt, die beide am Sonntag stattfinden, zu einer Einigung kommen würde, wurde schon in den vergangenen Tagen Gewerkschaftsintern stark angezweifelt. Am Samstag bestätigten das Aussendungen von Verdi.

"Auf dem Weg zu einer Lösung des Tarifkonflikts sind wir weit vorangekommen. Doch die Grundlage einer Einigung ist die Festlegung, wie viel Personal auf den Stationen und in den Bereichen nötig ist", wird in der Aussendung Melanie Guba zitiert, die für Verdi die Verhandlungen mit der Charité führt.

Vor allem Im Bereich der Operationen und der Anästhesie sei der Ist-Zustand auch im Sinne der Patientinnen und Patienten nicht akzeptabel. Am Samstag vor der Wahl sei Verdi noch bereit weiter zu verhandeln, lässt Guba ein Ultimatum durchklingen, um "zu einer schnellen Lösung zu kommen". Doch könne diese "nicht darin bestehen, unzureichende Personalstandards festzuschreiben", betont Guba.

Tarifvertrag für Alle

Verdi-Gewerkschafter Ivo Garbe, der mit Vivantes über die Anwendung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) auf alle Beschäftigten der Vivantes-Tochtergesellschaften verhandelt, wirft dem Klinikkonzern in einer Aussendung am Samstag "Täuschungsmanöver und Spaltungsversuche" vor. Der Streik werde daher auch von der Vivantes-Belegschaft fortgesetzt.

"Die verantwortlichen Landespolitiker müssen Farbe bekennen und die volle Refinanzierung der nötigen Tarifsteigerungen verbindlich absichern", fordert Garbes Kollegin, die Gewerkschafterin Susanne Feldkötter: "Versprechungen haben wir viele gehört. Wer glaubwürdig bleiben will, muss jetzt handeln." (Colette M. Schmidt aus Berlin, 25.9.2021)