Matteo Salvini, Garant für Recht und Ordnung – so inszeniert sich der Chef der italienischen Rechtspartei Lega besonders gern. Den Kampf gegen die organisierte Kriminalität, vor allem gegen den Drogenhandel, hat er sich auf die Fahnen geschrieben.

Matteo Salvinis Image als Law-and-Order-Mann bröckelt.
Foto: imago images / Insidefoto / Samantha Zucchi

Aus seiner Zeit als Innenminister – das war von Juni 2018 bis September 2019 – gibt es Fotos, auf denen er vor von der Polizei beschlagnahmten Villen und Luxusautos von festgenommenen Mafiosi posiert. Einmal sprang er auch vor laufenden Kameras in einen Pool einer solchen Villa, um sich dort demonstrativ zu erfrischen und Erholung vom Kampf gegen das Böse zu finden.

Vorwurf des Drogenhandels

Nun erhält dieses Image einen tiefen Kratzer: Denn Salvinis Social-Media-Guru Luca Morisi steht plötzlich selbst im Zentrum von Ermittlungen wegen des Verdachts auf Drogenhandel. Wie die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtet, seien bei einer Hausdurchsuchung Drogen gefunden worden, mehrere Jugendliche hätten zudem ausgesagt, von Morisi Drogen gekauft zu haben.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, und Morisi ist auch noch nicht angeklagt, er zog aber bereits Konsequenzen und entschuldigte sich bei seiner Partei und seiner Familie für "meine Schwäche und meine Fehler". Der 48-jährige enge Vertraute Salvinis, der an der Universität Verona "Informatik-Philosophie" unterrichtet, beteuerte, "kein Verbrechen begangen" zu haben: Es handle sich bei der Angelegenheit vielmehr um eine persönliche Sache.

In Italien war schon in den vergangenen Tagen über mögliche Verstimmungen in der Lega spekuliert worden, nachdem Morisi seine Parteifunktionen – vor allem jene als Kommunikationsstratege Salvinis – überraschend zurückgelegt hatte. Damals sprach er von "privaten Gründen, es gibt kein politisches Problem, ich brauche bloß eine Auszeit".

Gemeinderatswahlen am Wochenende

Für Lega-Chef Salvini kommt die Causa Morisi zu einem denkbar ungelegenen Zeitpunkt: Am kommenden Wochenende wird in 1.300 italienischen Gemeinden gewählt, unter anderem in den Metropolen Rom, Mailand, Turin, Neapel und Bologna. Salvini ist nicht nur in massiver Erklärungsnot – diese ist offenbar so stark, dass er am Montag und Dienstag vor wartenden Journalisten geradezu flüchtete –, sondern ihm ist auch mit einem Schlag der Mastermind seiner bei Anhängern sehr populären Social-Media-Auftritte abhandengekommen.

Luca Morisi nennt seine Verwicklungen in Drogenermittlungen eine "private Angelegenheit".
Foto: Reuters / Alberto Cabodi

Morisi stand, gemeinsam mit einem Team, das parteiintern "Die Bestie" genannt wird, Pate für teils sehr provokante Werbeslogans und Internetauftritte des Parteichefs. Eine Spezialität war und sind die spontan wirkenden Video-Liveübertragungen via Facebook & Co, direkt von Salvinis Smartphone. In diesen spricht der Rechtspolitiker direkt – oft in deftigem Tonfall – zu seinen Anhängern, ohne auf lästige Reporterfragen antworten oder irgendwelche Kriterien unabhängiger journalistischer Berichterstattung berücksichtigen zu müssen.

Für Salvini sei sein bisheriger Spindoktor Morisi nichts anderes als ein "Sündenbock", er habe kein Verbrechen begangen. Die Tatsache, dass sich "alle TV-Sender und alle Parteien" nun auf die Causa stürzten, beweise, dass er und seine Partei "auf dem richtigen Weg" seien. Die Antwort auf diese Behauptung werden bereits an diesem Wochenende die Wählerinnen und Wähler in mehr als tausend Kommunen in ganz Italien geben. (Gianluca Wallisch, 28.9.2021)