Das neue Opernhaus ist Teil des Konzepts, die Öffnung der Staatsoper für neue, jüngere Publikumsgruppen voranzutreiben.

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Kinderoper gab es zu Ioan Holenders Direktionszeiten auf dem Gipfel der Wiener Staatsoper, hoch oben im Zelt. Später – unter Dominique Meyer – zog sie ins Theater Walfischgasse. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić jedoch verlängerte diesen Vertrag nicht mehr. Stattdessen wird nun ein Projekt in Angriff genommen, das ab Advent 2024 als neue Arbeits- und Spielstätte der Staatsoper fungieren soll: Es handelt sich dabei um den Französischen Saal im Künstlerhaus, der zum Opernhaus mit bis zu 279 Sitzplätzen umgebaut wird.

Roščić plant, an die 100 Veranstaltungen pro Spielzeit anzubieten: Dabei sollen neben Kinderopern, Kinderkonzerten auch Vorstellungen der Ballettakademie, Konzerte des Opernstudios und der Opernschule, Uraufführungen (Oper wie auch Ballett) und Vermittlungsformate möglich werden. Das Gebäude wird darüber hinaus zur Bleibe für das Opernstudio, das neue Ausbildungsprogramm der Staatsoper.

Der Bund steuert zum rund 21 Millionen Euro teuren Projekt fünf Millionen Euro bei. Zehn Millionen der Umbaukosten soll der Baukonzern Strabag übernehmen, den Restbetrag wird die Familien-Privatstiftung von Unternehmer Hans Peter Haselsteiner überweisen. Die fünf Millionen Euro Bundeszuschuss seien Sondermittel, die zusätzlich zum Kulturbudget flössen, betonte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer bei der Präsentation.

Kein Platz mehr

Nebst dem Verweis, dass für die Staatsoper keinerlei Mietkosten anfallen würden, betonte Roščić den grundsätzlichen Bedarf an neuen Räumen für das Haus am Ring: "Es kann seinen – gewachsenen – Aufgaben nicht mehr ohne zusätzliche Räumlichkeiten gerecht werden", betont der Direktor.

Sogar Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, der einst selbst gehofft hatte, mit der Albertina modern den Flügel übernehmen zu können, freute sich nun "uneingeschränkt" über einen weiteren renommierten Nutzer im Haus.

Natürlich bedauert er, ab 1. Februar 2023 den Betrieb der Albertina modern für einige Monate schließen zu müssen. Während dieser (zweiten) Bauphase wird ein anderer Nachbar, der Wiener Musikverein, seinen Probebetrieb – so Haselsteiner – offenbar ungestört fortführen können: auch wenn sich dessen Gläserner Saal nur einen Meter getrennt vom neuen Fundament des Französischen Saals befindet. Da würde man sich im Detail mit Musikvereinschef Stephan Pauly zu koordinieren wissen.

Das neue Opernhaus ist übrigens Teil des Konzepts, die Öffnung der Staatsoper für neue, jüngere Publikumsgruppen voranzutreiben. Schließlich wisse man, dass "dieses möglicherweise am intensivsten genutzte Theatergebäude der Welt" beim Altersschnitt des Publikums zehn bis 20 Jahre über dem anderer Opernhäuser liege, so Roščić. (Ljubiša Tošic, 29.9.2021)