Kein Mensch ist bisher nachweisbar älter geworden als Jeanne Calment: Die Französin starb 1997 im sagenhaften Alter von 122 Jahren. Der Rekord der 1875 in Arles geborenen Tochter eines Schiffbauers könnte von der Japanerin Kane Tanaka gebrochen werden, die derzeit 118 Jahre alt und damit erst die dritte Person der Geschichte ist, die dieses Alter erwiesenermaßen erreicht hat. Seit 16 Jahren lebt Tanaka in einem Pflegeheim in der Stadt Fukuoka, erfreut sich guter Gesundheit und hat nach eigener Aussage überhaupt keine Lust auf das Sterben.

Diese beiden Damen müssen jedoch nicht unbedingt die Obergrenze der maximalen menschlichen Lebensspanne repräsentieren, wie ein Team von Statistikern nun im Fachjournal "Royal Society Open Science" berichten. Menschen könnten demnach ein Alter von 130 Jahren oder gar noch mehr erreichen – auch wenn die Chancen dafür freilich extrem gering sind. Dies ergibt sich aus einer Analyse der Daten von rund 1.100 Hochbetagten aus 13 Ländern.

Jeanne Calment feiert ihren 120. Geburtstag. Die Französin war seit 1896 Raucherin. Ihr Versuch, das Laster mit 117 Jahren aufzugeben, scheiterte.
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Sterberisiko von 50:50

Die Höchstgrenze für die menschliche Lebensspanne wird in der Forschung seit langem kontrovers diskutiert. Die jüngste auf Extrapolation basierende Analyse legt nahe, dass das Sterberisiko eines Menschen ab einem gewissen Alter nicht mehr ansteige, sondern konstant bei einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50:50 liege.

Für jemanden, der bereits 110 Jahre alt sei, sei die Chance, ein weiteres Jahr zu leben, "als ob man eine Münze wirft", sagte der Statistikprofessor Anthony Davison vom Schweizer Institut für Technologie (EPFL). "Wenn die Münze Kopf zeigt, leben Sie bis zu Ihrem nächsten Geburtstag, wenn nicht, sterben Sie irgendwann innerhalb des nächsten Jahres."

Aktuell gilt Kane Tanaka als ältester lebender Mensch. Die Japanerin besiegte mit 103 Jahren eine Krebserkrankung.
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Das Kunststück, allein ein Alter von 110 Jahren zu erreichen, gelingt freilich den allerwenigsten. "Und im Alter von 110 Jahren sind die Chancen, es bis 130 zu schaffen, etwa eins zu eine Million", so Davison. Es sei also nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich. Die Berechnungen lassen allerdings durchaus den Schluss zu, dass dies innerhalb des Jahrhunderts geschehen könnte, da immer mehr Menschen den Status eines Supercentenarians erreichen – also einer von einer Million den Sprung schafft. Das hänge auch von medizinischen und sozialen Fortschritten ab.

Breitere statistische Grundlage

Kürzlich war in einigen Studien die Ansicht vertreten worden, Menschen könnten theoretisch auch 150 Jahre alt werden. Davison wies darauf hin, dass die neue Studie auf einer breiteren statistischen Basis fuße als bisherige Erkenntnisse. Berücksichtigt wurde auch ein Datensatz von Bürgern aus Italien, die zwischen 2009 und 2015 mindestens 105 Jahre alt waren. (red, 29.9.2021)