Die Kritik an Jeff Bezos und seinem Unternehmen könnte noch Folgen für künftige Pläne haben.

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In einem offenen Brief melden sich rund 20 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens Blue Origin zu Wort. Das Unternehmen von Jeff Bezos sollte sich laut den (Ex-)Mitarbeiterin "glücklich schätzen", dass es noch zu keinem Unfall gekommen ist. Selbst einsteigen würden sie in keine der Raketen.

Offene Worte

Seit dem Jahr 2000 betreibt Bezos das Unternehmen Blue Origin, mit dem er sich im Juli einen Kindheitstraum erfüllen und in die Nähe des Orbits fliegen konnte. Die Rakete New Shepard, die auch Bezos transportierte, soll am 12. Oktober erneut starten und vier Privatpersonen den Blick von oben ermöglichen. Offenbar war der Schritt, das Raumfahrtprogramm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ein Grund, warum die aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter jetzt in einem offenen Brief auf die Missstände im Unternehmen hinweisen wollten.

Namentlich genannt wird in der Stellungnahme nur eine Mitarbeiterin, Alexandra Abrams, die früher in der internen Kommunikation bei Blue Origin gearbeitet hat. Der Brief sei allerdings von ehemaligen Kollegen mitverfasst worden, so Abrams. Nach Meinung eines Ingenieurs sollte man sich bei Blue Origin "glücklich schätzen", dass es noch zu keinem Unfall gekommen ist. Alle Autoren des Briefs würden aus Sicherheitsgründen nicht in eine der Raketen steigen wollen, heißt es.

Von zumindest 17 hochrangigen Ingenieuren weiß man, dass sie in diesem Sommer Blue Origin verlassen haben. Über die genauen Gründe muss spekuliert werden. Auf der Bewertungsplattform Glassdoor, auf der man seine Meinung über Firmen und deren Arbeitsbedingungen abgeben kann, halten lediglich 19 Prozent den CEO Bob Smith für einen guten Chef. Dem steht Elon Musk mit 92 Prozent gegenüber.

Die Sicherheit bei Blue Origin zu gewährleisten sei "der treibende Motor" hinter dem Brief gewesen, schreibt Abrams. Über 1.000 Berichte über fehlerhafte Triebwerke seien allein im Jahr 2018 einfach ignoriert worden. Neue Leute wurden als nötige Verstärkung eingefordert, doch es seien Antworten wie "Geht vorsichtig mit Jeffs Geld um" oder "Seid etwas dankbarer" gekommen.

Vorwürfe werden geprüft

Flüge mit Raketen sind ein gefährliches Business. Immerhin ein Prozent aller bemannten Raumflüge endete mit einem fatalen Absturz. "Das ist etwa 10.000-mal gefährlicher, als sich in ein Passagierflugzeug zu setzen", wird der Autor George Nield auf "Insider" zitiert, der zu diesem Bereich kürzlich eine Studie präsentiert hat.

Derzeit gebe es keine Behörde, die für die Sicherheit von bemannten kommerziellen Raumflügen zuständig ist, sagt Nield. In den USA ist die Federal Aviation Administration zum Beispiel nur dazu berufen, sich um die Sicherheit des Bodenpersonals zu kümmern. Dennoch befindet sich der offene Brief gerade bei dieser Behörde in Begutachtung. In einem Statement gibt man bekannt: "Die FAA nimmt jegliche Kritik an der Flugsicherheit ernst, und deshalb werden die formulierten Vorwürfe derzeit geprüft." (aam, 1.10.2021)