Nur rund die Hälfte des Quecksilbers in den Ozeanen stammt aus Niederschlägen, die andere Hälfte gelangt durch Gasaustausch ins Meer.

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Anders als bisher vermutet, gelangt nur etwa die Hälfte des Quecksilbers über Regen in die Meere. Einen ebenso großen Anteil schlucken die Ozeane über atmosphärischen Gasaustausch, wie ein Team um einen Basler Forscher im Fachmagazin "Nature" berichtet. Quecksilber ist ein Nervengift, das vor allem durch den Verzehr von Meeresfrüchten und -fischen in den Körper gelangt. In Form von hochgiftigem Methylquecksilber reichern die Organismen das Schwermetall in ihrem Gewebe an.

Überschätzte Niederschläge

Der Biogeochemiker Martin Jiskra untersuchte nun gemeinsam mit französischen Kollegen anhand von Isotopen, über welche Wege das Quecksilber in die Meere gelangt. Ihr Fazit: "Der Beitrag von Niederschlägen wird derzeit wohl überschätzt", sagte der Forscher. Stattdessen spielt der Gasaustausch an der Luft-Wasser-Grenze eine viel größere Rolle als bisherige Erdsystemmodelle vermuten ließen. Der Eintrag durch Regen sei bisher schwierig zu quantifizieren gewesen, weil "es über dem Meer keine Auffangstationen für Niederschläge gibt", so Jiskra.

Das Team analysierte Proben des Mittelmeers und des Nordatlantiks, die Wasser bis aus 1.400 Metern Tiefe enthielten. Demnach gelangten 42 Prozent des Quecksilbers durch Regen in die Ozeane, 58 Prozent durch Gasaustausch. Anhand dieser Daten schätzten die Forschenden, dass sich der Eintrag durch Regen und Gasaustausch global gesehen mit jeweils 50 Prozent die Waage halten.

Eine gute Nachricht

Jiskra zufolge hätten menschliche Aktivitäten laut Schätzungen die Quecksilbermenge im Oberflächenozean seit dem Beginn der Industrialisierung verdreifacht – insbesondere durch Kohlekraftwerke und Bergbau.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse machen aber Mut, denn: "Ein niedriger Eintrag von Quecksilber über Regen bedeutet, dass das Quecksilber anderweitig deponiert werden muss, da sich global gesehen die Emissionen und Einträge im Gleichgewicht halten", erklärte Jiskra gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Mehr Quecksilber im Boden gebunden

Neue Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass über die Pflanzenaufnahme mehr Quecksilber als bisher gedacht an Land abgelagert und in Böden gespeichert werde. Das bedeute, dass anthropogene Quecksilberemissionen relativ rasch stabil in Böden gebunden und dem globalen Kreislauf entzogen würden. Daher könnte eine Reduktion der Emissionen zu einem schnelleren Rückgang der Quecksilber-Konzentration in der Atmosphäre sowie auch im Meer führen als bisher angenommen.

Im Jahr 2013 hatten sich 133 Staaten im Rahmen der Minamata-Konvention verpflichtet, die Quecksilber-Emissionen zu reduzieren. (APA, 3.10.2021)