Fast drei Jahre nach ihrem Start hat die europäisch-japanische Raumsonde Bepicolombo erste Bilder vom Planeten Merkur aufgenommen. Wie die Europäische Raumfahrtagentur Esa mitteilte, schickte die Sonde nach ihrem ersten Vorbeiflug am Merkur Schwarz-Weiß-Bilder zur Erde, auf denen die nördliche Hemisphäre des Planeten zu sehen ist. Mit ihren großen Kratern erinnert die Merkur-Oberfläche an den Mond.

Zum Greifen nahe, aber noch lange nicht am Ziel: Bepicolombos erste Begegnung mit dem Merkur ist absolviert, bis zur Ankunft im richtigen Orbit dauert es noch bis 2025.
Foto: AP/Esa

Die Raumsonde flog in einer Entfernung von nur 199 Kilometern am Merkur vorbei, am Ziel ist sie aber noch nicht: Erst nach fünf weiteren Merkur-Manövern soll es Bepicolombo im Dezember 2025 in der richtigen Umlaufbahn um den Planeten schaffen.

Siebenjährige Reise

Die Sonde war am 20. Oktober 2018 zu einer siebenjährigen Reise zum kleinsten und am wenigsten erforschten Planeten unseres Sonnensystems gestartet. Die nach dem italienischen Mathematiker und Ingenieur Giuseppe "Bepi" Colombo benannte und von der Esa geleitete Mission zum sonnennächsten Planeten gilt als das bisher komplizierteste Raumfahrtprojekt Europas.

Kompliziert ist die Reise vor allem durch Merkurs Nähe zur Sonne. Angesichts der enormen Schwerkraft der Sonne erfordert es viel Energie, eine Raumsonde so abzubremsen, dass sie in eine Umlaufbahn um den innersten Planeten des Sonnensystems einschwenken kann.

Neun planetare Begegnungen

Im Fall von Bepicolombo bedeutet dies: Um die Geschwindigkeit anzupassen, muss die Sonde insgesamt neun Planeten-Vorbeiflüge absolvieren. Sie flog bereits einmal dicht an der Erde und zwei Mal an der Venus vorbei. Nach insgesamt sechs Vorbeiflügen am Merkur soll die Sonde 2025 in eine Umlaufbahn um ihren Zielplaneten einschwenken.

Bisher erreichten nur zwei Missionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa den Merkur: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und Messenger, die den Merkur von 2011 bis 2015 umkreiste. Die Bepicolombo-Mission soll die Besonderheiten der inneren Struktur des Merkurs und seines Magnetfelds erforschen und unter anderem der Frage nachgehen, ob es in den sonnenabgewandten Kratern Eis gibt.

Die Mission soll unter anderem klären, ob es Eis auf dem Merkur gibt.
Illustration: EPA/ESA/ATG MEDIALAB

Österreichische Technik an Bord

Auch österreichische Forscher und Unternehmen sind an dem europäisch-japanischen Gemeinschaftsprojekt beteiligt: So ist das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für die Magnetfeldmessgeräte beider Raumsonden zuständig. Beide Magnetometer waren durchgehend eingeschaltet. "Zum ersten Mal wird eine Raumsonde das Merkur-Magnetfeld der südlichen Hemisphäre in niedriger Höhe messen", sagte Wolfgang Baumjohann vom IWF. Damit stünden die bisher aufgestellten Modelle für das Eigenmagnetfeld des Planeten auf dem Prüfstand. Auch das Ionenspektrometer war während des Merkur-Vorbeiflugs eingeschaltet, um erstmals in der extrem dünnen Merkur-Atmosphäre nach verschiedenen Arten von Ionen zu suchen. Die Beteiligung des IWF an Bepicolombo wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert.

Technik aus Wien steuert die Merkursonde: Das Lenksystem stammt vom österreichischen Weltraumunternehmen Ruag Space Austria in der Bundeshauptstadt, wo es auch entwickelt und gebaut wurde. Zusätzlich lieferte der Weltraumzulieferer auch für die Ausrichtung der Solarpaneele die Motorsteuerung. Weiters schützten die Wiener Experten die Sonde vor den extremen Temperaturen im All: "Merkur ist der sonnennächste Planet, daher muss die Sonde extreme Hitze von über 450 Grad Celsius aushalten", sagte Ruag-Geschäftsführer Andreas Buhl. Die Hochtemperaturisolation mit Keramikfasern dient gleichzeitig als Schutz gegen Mikrometeoriten. (red, APA, 3.10.2021)