Einer von vielen Stürzen betraf den Dänen Mads Pedersen.

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Von der Tortur gezeichnet war nicht nur Sieger Sonny Colbrelli.

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Erst mal rasten und realisieren ...

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Dann den Preis genießen.

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Roubaix – Der legendäre Klassiker Paris-Roubaix hat seinem Beinamen "Hölle des Nordens" bei der denkwürdigen 118. Auflage am Sonntag alle Ehre gemacht und so manchen Radprofi in die Knie gezwungen. Beim von vielen Stürzen und Defekten geprägten Kampf gegen die Elemente hatte Sonny Colbrelli bei der dramatischen Kopfsteinpflaster-Tortur das beste Ende für sich. Der italienische Europameister vom Team Bahrain-Victorious überquerte dreckverschmiert nach 257,7 Kilometern die Ziellinie im berühmten Velodrom von Roubaix und durfte wenig später die begehrte Pflasterstein-Trophäe in die Höhe stemmen.

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Der 31-Jährige hat nach mehr als sechs Stunden für den ersten italienischen Sieg bei diesem Klassiker seit 22 Jahren gesorgt. Es war sein erstes Antreten bei diesem Eintagesrennen. Das Podium komplettierten Florian Vermeersch (Belgien/Lotto-Soudal) und Mitfavorit Mathieu van der Poel (Niederlande/Alpecin-Fenix). Der Österreicher Marco Haller (Bahrain) kam mit 6:21 Min. Rückstand auf Rang 16.

Schlammschlacht

Ein Unwetter in der Nacht zu Sonntag hatte die holprigen Feldwege in Nordfrankreich in regelrechte Schlammpisten verwandelt. An den Rändern der insgesamt 55 km langen Paves bildeten sich teils tiefe Pfützen, der matschige und rutschige Untergrund verlangte hohe Aufmerksamkeit und fahrerische Höchstleistungen.

Stürze blieben dennoch unvermeidlich. Zu den vielen betroffenen Fahrern zählten auch der deutsche Ex-Sieger John Degenkolb (Lotto-Soudal) und der dreimalige Weltmeister Peter Sagan (Bora) aus der Slowakei.

Fluchtgruppe

Regen und Wind hatten das Rennen allerdings schon weit vor dem ersten Pave-Sektor nach 96,3 km bei Troisvilles unglaublich erschwert. Dennoch gelang einer Gruppe die Flucht. An der Spitze verkleinerte sich die Gruppe der Ausreißer. Dahinter machten die Top-Favoriten Tempo. Im gefürchteten Wald von Arenberg bei Kilometer 162, in dem das Pflaster für besonders heftige Einschläge sorgt, drückte van der Poel aufs Tempo und riss erstmals eine Lücke zu seinem nominell schärfsten Rivalen Wout Van Aert.

Der Niederländer van der Poel, Enkel der französischen Rad-Ikone Raymond Poulidor, zeigte sich auch in der Folge als einer der stärksten Fahrer im Feld. Nach einem Radwechsel schloss der 26-Jährige scheinbar mühelos die Lücke.

Im Finale führte Cross-Weltmeister van der Poel die Jagd auf Gianni Moscon an, der als Solist den Sieg vor Augen hatte. 30 Kilometer vor dem Ziel kostete den Italiener erst ein Reifenschaden wertvolle Zeit, dann stürzte Moscon.

Sprintentscheidung

16 km vor dem Ziel, auf dem letzten schweren Pave Carrefour de l'Arbre, hatten die Verfolger aufgeschlossen. Die Entscheidung fiel im Sprint im Velodrom. Colbrelli wurde dabei seiner Favoritenrolle gerecht.

903 Tage mussten die Radprofis und Fans auf die 118. Auflage warten, es war die längste Pause des Rennens seit dem Zweiten Weltkrieg. 2020 war das Rennen wegen der Corona-Pandemie ganz ausgefallen, in diesem Jahr musste der eigentliche Frühjahrsklassiker wegen der Virus-Verbreitung in den Herbst verlegt werden.

Am Samstag hatte bei der überfälligen Premiere des Frauenrennens die Britin Elizabeth Deignan (Trek-Segafredo) nach 116,4 km als Solistin triumphiert. (sid, APA, dpa, red, 3.10.2021)