Ein Minikleid mit Blüten-Stickereien war diesmal der Stein des Anstoßes. Meghan Markle trug das Kleid des italienischen Modehauses Valentino anlässlich des "Global Citizen Live Concert" in New York. Kaum kamen Bilder des Auftritts im Internet in Umlauf, ging es los mit den ätzenden Kommentaren. "Wenig schmeichelhaft", hieß es auf Twitter. Es folgten Ratschläge, etwas "Passenderes" zu tragen.

Gehörten bissige Kommentare zu den "Problemzonen" (von meist weiblichen) Prominenten vor einigen Jahren noch zum Alltag, gilt Bodyshaming heute zu Recht als daneben. Doch das Problem scheint sich verlagert zu haben. Körperkritik wird nun als Modekritik getarnt und über die Bande gespielt: Outfits werden kurzerhand als "schlecht sitzend" bezeichnet. Zwischen den Zeilen heißt das im Fall Meghan Markle: Ihr "After-Baby-Body" hat so auszusehen wie vor der Geburt ihres zweiten Kindes. Und wenn er das nicht tut, dann soll er bitte schön unter weiten Gewändern verschwinden. Gleiche Botschaft wie zuvor, so das Fazit der "NZZ".

Prince Harry, Duke of Sussex, und Meghan, Duchess of Sussex beim "Global Citizen Live Concert" im Central Park.
Foto: Evan Agostini/Invision/AP

Ganz neu ist diese Beobachtung allerdings nicht. Bereits in der Vergangenheit wurden Stimmen laut, dass Modekritik und Bodyshaming bei Red-Carpet-Veranstaltungen Hand in Hand gehen. Das Prinzip "Daumen hoch" und "Daumen runter": gnadenlos und verletzend.

So landete "Our Lady J", Produzentin von "Transparent" und der Netflix-Serie "Pose", vor zwei Jahren bei den Golden Globes mit einem grünen gerüschten Kleid auf der "Worst dressed"-Liste der "Los Angeles Times": Sie sei wütend, erklärte die Amerikanerin daraufhin, dass die Kritiker und Kritikerinnen nicht begriffen, dass "Topdesigner für meinen Körper keine Kleidung anfertigen. Ich bin eine 1,88 Meter große Transfrau, die gesunde 102 Kilogramm wiegt. Dies war eines von acht Kleidern in ganz Los Angeles, die mir gepasst haben."

Auch Lourdes Leon, Tänzerin und Tochter von Madonna, wurde zuletzt für ihren Auftritt auf dem Laufsteg von Versace kritisiert. Kommentiert wurden Leons Make-up und das silberne, rasant geschnittene Kleid des italienischen Modehauses – sowie dessen Sitz. Eine Nachdenkpause würde uns allen manchmal guttun. (Anne Feldkamp, 7.10.2021)