So günstig wie im vergangenen Winter wird man heuer mit Gas nicht heizen können, das steht schon fest. Grund sind die stark gestiegenen Großhandelspreise. Der CO2-Aufschlag wirkt in der kommenden Heizsaison und die Jahre danach.

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Der CO2-Zuschlag von 30 Euro je Tonne wird mit 1. Juli 2022 fällig, hat für die laufende Heizsaison deshalb noch keine Bedeutung. In diesem Winter wird es für Haushalte, die mit fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas heizen, ohnehin teurer. Die Marktpreise sind nämlich seit Jahresbeginn überaus kräftig gestiegen. Die CO2-Bepreisung wird dafür erstmals in der nächstjährigen Heizsaison durchschlagen.

Frage: Wird die Heizrechnung bei Verwendung von Öl, Gas oder Kohle wegen der von der Regierung beschlossenen CO2-Bepreisung schon in diesem Winter länger?

Antwort: Heizen wird fraglos teurer; der Grund ist aber nicht der Aufschlag von 30 Euro je Tonne CO2, der von Inverkehrbringern oder Lieferanten der fossilen und damit klimaschädlichen Brennstoffe abzuführen ist. Der CO2-Preis wird mit Juli 2022 schlagend und somit erst in der kommenden Heizsaison bemerkbar sein. In diesem Winter werden es vornehmlich die stark gestiegenen Großhandelspreise für Strom und insbesondere Gas sein, die das Heizen zu einer vergleichsweise teuren Angelegenheit machen werden.

Frage: Um wie viel höher könnten die Energiekosten in diesem Winter sein?

Antwort: Reinhold Baudisch von der Vergleichsplattform durchblicker.at geht von rund 500 Euro aus, die ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) Strom und 15.000 kWh Gas mehr zahlen muss, 400 Euro allein für Gas. Der Großhandelspreis von Erdgas ist seit Jahresbeginn um rund 440 Prozent gestiegen. Gas wird genutzt zum Heizen, aber auch zur Stromerzeugung – der fossile Brennstoff hat also auch Einfluss, wie viel Strom kostet. In Deutschland ist Strom an der Börse seit Jänner um 140 Prozent teurer geworden. Das ist der maßgebliche Markt, der die Preisbildung bei Strom auch in Österreich bestimmt. Während in Deutschland, wo ein CO2-Preis auf Kohle, Benzin, Diesel, Heizöl und Gas (25 Euro/Tonne) Anfang 2021 eingeführt wurde, schon etliche Versorger Preiserhöhungen durchgeführt haben, hat sich in Österreich bisher nur Montana aus der Deckung gewagt. Der aus Deutschland stammende Energiehändler verteuert den Arbeitspreis für Gas ab November um 67 Prozent.

Frage: Wie viele Haushalte heizen in Österreich mit Öl oder Gas?

Antwort: Laut Statistik Austria knapp 40 Prozent. In etwas mehr als 900.000 Wohnungen, das sind rund 23,50 Prozent der Haushalte, ist eine Gasheizung in Betrieb. In mehr als 600.000 Häusern und Wohnungen (16 Prozent) wird noch Heizöl verbrannt. Nummer eins unter den Heizformen war vor Corona mit einem Anteil von 28,60 Prozent die Fernwärme. Der Anteil von Holzheizungen, die von der CO2-Besteuerung nicht betroffen sind, lag bei 19 Prozent. Das am seltensten eingesetzte Heizungssystem war 2019 die Kohleheizung mit 0,20 Prozent.

Frage: Wie klimafreundlich sind die einzelnen Brennstoffe?

Antwort: Nach einer Berechnung des Umweltbundesamtes ist, abgesehen von Kohle, Heizöl am schädlichsten, was Treibhausgasemissionen betrifft. Heizöl extra leicht kommt in einer Vergleichsrechnung auf 0,337 kg CO2-Äquivalent je kWh direkt und indirekt, Erdgas auf 0,271, Fernwärme auf 0,203 kg/kWh. Deutlich besser ist die Bilanz bei Holzpellets (0,038) bzw. Holz (0,023 kg/kWh).

Frage: Mit welchen Mehrkosten müssen Haushalte rechnen, wenn die CO2-Bepreisung in Kraft tritt?

Antwort: Kommt darauf an, wie man wohnt und in welchem Zustand das Haus oder die Wohnung ist. Für ein saniertes Einfamilienhaus mit Ölheizung hat die Österreichische Energieagentur Mehrkosten von 115 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) errechnet. Dasselbe Haus unsaniert würde 290 Euro Mehrkosten nach sich ziehen. Ist eine Gasheizung eingebaut, fällt die Heizrechnung beim sanierten Einfamilienhaus um 85 Euro höher aus, im unsanierten Zustand sind es 220 Euro mehr. Die Energieagentur hat auch das Beispiel einer 50-Quadratmeter-Wohnung mit eingebauter Gasheizung gerechnet, wie es in Wien sehr viele gibt. Ergebnis: 45 Euro Mehrkosten, wenn alle anderen Variablen gleichbleiben.

Frage: Was können Haushalte unternehmen, um aus der Kostenfalle zu kommen?

Antwort: Die Regulierungsbehörde E-Control rät, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Bei steigenden Preisen und einer Preisgarantie in der Hand könnte es ratsam sein, nichts zu tun und zuzuwarten, bis die Preise wieder sinken. Bei Gas zumindest wird dies spätestens im April erwartet. Für die CO2-Belastung ist das allerdings keine Lösung.

Frage: Wie kann man sich beim Heizen vor steigenden CO2-Belastungen wappnen?

Antwort: Das geht à la longue nur durch Umstieg auf Biomasse, Wärmepumpe oder Fernwärme, die ohne fossile Begleitmusik auskommt. Auf dem Land scheint dies einfacher zu sein als in der Stadt. Dort wohnen viele in Miete und können oftmals gar nicht auf ein klimafreundliches Heizsystem umsteigen, obwohl es Förderungen von Bund und Ländern gibt. (Günther Strobl, 5.10.2021)