In Alaska ging in dieser Woche der "Fat Bear"-Wettbewerb über die Bühne. Als Gewinner der Kür zum fettesten Pelztier des Katmai-Nationalparks konnte sich im Finale der massige Braunbär Otis gegen das schätzungsweise über 450 Kilogramm schwere Männchen Walker durchsetzen. Zwölf Braunbären waren in dem Nationalpark eine Woche lang im Rennen gewesen um den kuriosen Titel, den Otis schon in früheren Jahren mehrmals abgestaubt hatte.

Mehr als 793.000 Stimmen gingen aus aller Welt ein. Online konnten Besucher und Bärenfans die Kandidaten auf Webcams beim Fressen beobachten, Vorher-nachher-Fotos begutachten und für ihre Favoriten stimmen. Im Frühjahr sind die Bären noch mager, bis zum Herbst müssen sie sich Fettreserven für die Winterruhe anlegen. Otis war dabei offenkundig besonders erfolgreich.

Im vergangenen Juli war Otis noch recht mager (oben). Seinen Ende September deutlich sichtbaren Bauch (unten) hat der rund 25 Jahre alte Braunbär im Katmai-Nationalpark, Alaska, seinen hervorragenden Lachsfischer-Fähigkeiten zu verdanken.
Foto: Reuters/N.Boak (oben) und C. Spencer/Explore.org/U.S. National Park Service

Hilfe im Kampf gegen Atherosklerose?

Warum Braunbären von ihren umfangreichen Fettreserven im Gegensatz zu Menschen nicht krank werden, haben nun Wiener Forscher herausgefunden: Große Mengen an "gutem Cholesterin" (HDL) und Antioxidantien bewahren die Tiere vor gesundheitsschädlichen Folgen, wenn sie sich für die Winterruhe mit dem notwendigen Energievorrat ausstatten. Möglicherweise könne man Stoffwechselstrategien von Meister Petz für die Bekämpfung von Atherosklerose bei Menschen nutzen, berichtet das Team im Fachmagazin "Scientific Reports".

Der Winterschlaf oder, wie im Fall der Bären, die Winterruhe der Säugetiere ermöglicht es, während der kalten Jahreszeit raue Umweltbedingungen – einschließlich Nahrungsmangel – zu überstehen. Dazu sammeln überwinternde Säugetiere in dem Monaten davor große Fettreserven an und verdoppeln beinahe ihre Körpermasse vom Frühjahr bis zum frühen Herbst. Ein Mensch würde in einem solchen Fall als adipös gelten. Während der Überwinterung treten die Säugetiere in einen Zustand des Stoffwechsels – den sogenannten Torpor – ein, der zu einer erheblichen Reduzierung des Energiebedarfs führt und es den Tieren ermöglicht, den Winter zu überleben.

Schutzmaßnahmen

Um die Mechanismen zu untersuchen, durch die Winterschläfer atherogene Hyperlipidämie – eine Fettstoffwechselstörung – während des Winterschlafs vermeiden, untersuchte ein Team um Sylvain Giroud vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien den Lipoprotein- und Cholesterinstoffwechsel von freilebenden skandinavischen Braunbären (Ursus arctos). Dazu wurden im Winter und im Sommer die Lipoproteingrößen und -unterklassen, die Triglycerid-bezogenen Plasmaenzymaktivitäten und die Muskellipidzusammensetzung sowie die Plasmaspiegel der antioxidativen Kapazitäten und Entzündungsmarker gemessen.

Für den Winterschlaf bauen Braunbären große Fettreserven auf, die sie als Energiereserve nutzen. Das hat für die Blutgefäße jedoch keine negativen Folgen, wie Wiener Forscher nun berichten.
Foto: Jon A. Arnemo

Das Ergebnis: Obwohl fast alle Lipidspiegel erhöht waren, ermöglichte die um mehr als ein Drittel höhere Aktivität eines Enzyms eine Stabilisierung der Lipidzusammensetzung von Lipoproteinen mit hoher Dichte (HDL). "Die Konzentrationen von entzündungsfördernden Stoffwechselprodukten nahmen im Winter ab und korrelierten umgekehrt mit kardioprotektiven HDL2b-Anteilen und HDL-Werten, die während des Winterschlafs anstiegen", so Giroud.

Fett und gesund durch den Winter

Außerdem deuten unter anderem niedrigere Muskelcholesterinkonzentrationen darauf hin, dass der Winterschlaf eine kontrollierte periphere Cholesterinsynthese bzw. -freisetzung mit sich bringt. Mit anderen Worten: Braunbären bewältigen während des Winterschlafs große Lipidflüsse, ohne dass sich dies nachteilig auf die Arterien auswirken würde.

Die neuen Erkenntnisse sind insbesondere deshalb interessant, weil es sich bei der atherogenen Hyperlipidämie um eine Stoffwechselstörung handelt, von der auch Menschen betroffen sind. Dabei werden Cholesterinester und andere Fette in die innere Wandschicht arterieller Blutgefäße eingelagert, was in weiterer Folge zur Atherosklerose führt. Die Folgen sind Schäden insbesondere an Herzkranzgefäßen, Halsschlagadern und die großen Beinarterien. Das aus der Untersuchung der Braunbären gewonnene Verständnis ist deshalb auch von großem Interesse, um neue Strategien gegen die Atherosklerose beim Menschen zu entwickeln. (red, 8.10.2021)