Vor dem altehrwürdigen St. James' Park wehten schon saudische Fahnen. Die Fans, teilweise in Scheich-Kostüme gehüllt, schleuderten freudetrunken Bierdosen durch die Luft und grölten. Die absurden Szenen wirkten, als hätte Newcastle United die Meisterschaft gewonnen. Dabei war es vorerst nur die umstrittene Übernahme des Klubs durch ein Konsortium aus Saudi-Arabien, die für Ekstase sorgte – international aber heftige Kritik auslöste.

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Vor allem die Rolle des höchst umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman entfacht Diskussionen. Es sei "eine Farce, dass eine Person, die in Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwickelt ist, sich in die erste Liga des englischen Fußballs einkaufen konnte", kritisierte Menschenrechtler Felix Jakens von Amnesty International.

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Umgerechnet rund 350 Millionen ließ sich eine Investorengruppe, die maßgeblich von einem saudischen Staatsfonds unter der Kontrolle bin Salmans beeinflusst wird, laut Medienberichten den Deal kosten. Für Amnesty der "eindeutige Versuch der saudischen Behörden, ihre katastrophale Menschenrechtsbilanz mit Hilfe des Glanzes der Premier League zu verschleiern".

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Die Warnungen vor "Sportswashing" im europäischen Spitzenfußball sind nicht neu. Es ist eine ähnliche Strategie, die auch Abu Dhabi mit Manchester City verfolgt oder die katarischen Geldgeber mit Paris St. Germain. Anhänger und Verantwortliche der Magpies hoffen dagegen, dass mit neuem Geld aus den "Big Six" in England die "Big Seven" werden – und Newcastle die erste große Trophäe seit 1955 gewinnt. Ganz nach dem Vorbild anderer alimentierter Klubs.

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"Zum ersten Mal seit vielen Jahren glauben wir, dass unser Wunsch nach einem ehrgeizigen Newcastle United, das danach strebt, das Beste zu sein, unter Ihrer Führung Wirklichkeit werden kann", schrieb der Newcastle United Supporters Trust an die neuen Bosse gerichtet. Klub-Idol Alan Shearer twitterte, dass der Klub wieder hoffen könne. Und Michael Owen sieht gar einen "Wendepunkt".

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Für die neue Geschäftsführerin Amanda Staveley ist Newcastle "das beste Team der Welt. Wir wollen sehen, wie es diese Trophäen holt, an der Spitze der Premier League, in Europa", sagte sie Sky Sports, nachdem das Konsortium den bei Newcastle-Fans unbeliebten Eigentümer Mike Ashley abgelöst hatte. Vorausgegangen waren eine vierjährige Hängepartie, ein Streit mit dem katarischen TV-Sender BeIN Sports und Vorwürfe gegen Saudi-Arabien, für TV-Piraterie mitverantwortlich zu sein.

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Erst am Donnerstag stimmte die Liga der Übernahme zu. Doch in die neue Euphorie der Anhänger mischten sich die kritischen Stimmen. "Wissen Sie, all diese Fans sollten sich so gut wie möglich bewusst machen, wer ihre Besitzer sind", forderte Amnesty-Mitarbeiter Jakens im Interview mit AFP.

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Saudi-Arabien steht schon lange wegen Menschenrechtsverletzungen, einer der höchsten Hinrichtungsraten der Welt und eines laut Aktivisten undurchsichtigen Justizsystems in der Kritik. Auch die brutale Ermordung des kritischen Journalisten Jamal Khashoggi sorgte international für Entsetzen.

US-Geheimdienste machen die Führung des islamisch-konservativen Königreichs um bin Salman dafür verantwortlich. Hatice Cengiz, die mit Khashoggi verlobt war, zeigte sich schockiert. Es sei "so traurig", sagte sie bei Sky News, "eine echte Schande für Newcastle und den englischen Fußball". (sid, 8.10.2021)

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